Zwei schlichte Wahrheiten lauten:
1. Nie ist ergreifendere, spirituell tiefer gehende Chormusik geschrieben worden als diese.
2. Und niemals gab es eine bessere Aufnahme als diese; einmal mehr schaffen es Gardiner und seine Baroque Soloists, eine Referenzaufnahme vorzulegen.
Daran kann man überhaupt nicht begründet zweifeln, das ist sozusagen ein archimedischer Punkt, eine unumstößliche Tatsache.
Tolles Orchester, guter Chor, hervorragende (!) Solisten. Und endlich ein Dirigent, der versteht, dass man dieses Werk durch allzu hohe Tempi und interpretatorische Manierismen nur zerstört. Gemeinsam liefern sie eine in gewissem Sinne schlichte, und doch an Kunstfertigkeit, Tiefe und Innigkeit nicht zu überbietende Interpretation.
Ich neige nicht zu Pathos, aber beim Hören des als Zyklus angelegten Werkes hat man, um es mit Schiller zu sagen, das Gefühl, dem Weltgeist ein wenig näher zu kommen.
Ein einziger kleiner Abstrich ergibt sich bei der Tonqualität; entweder waren die akustischen Gegebenheiten nicht optimal, oder aber die Tontechnik wäre optimierungsbedürftig; in jedem Falle wurde hier etwas Potenzial verschenkt, es fehlt stellenweise die Klarheit, der Ton wirkt schwammig abgemischt.
Nichts desto weniger hätte man nach dem ersten Hören den Impuls, für einen so günstigen Preis gleich vier oder fünf dieser Aufnahmen zu kaufen, wenn es nicht so sinnlos wäre'