Eine (damals) sehr „ gegenwartsbezogene“ Barbra Streisand, wird hier auf der 1974er CD „Butterfly“ präsentiert.
Die unterschiedliche, teilweise sogar anspruchsvolle Mixtur von Soul, Rock, Reggae und Balladen ist hier nicht jedes Mal gelungen.. Der Song: „Let the good times roll“ wird dem Bluescharakter in keiner Weise gerecht, zu süßlich Stimme und Arrangement.
Man spürt jedoch, Barbra Streisand hat dieses Projekt nicht auf die leichte Schulter genommen. Zum ersten Male in ihrer Gesangskarriere werden alle Backround Vocals, und die gibt es reichlich auf „Butterfly“, von ihr übernommen. Das macht sie sehr gut; besonders in dem soulig-gospeligen „Jubilation“. Ihre Stimme ist wie gewohnt in bester Form. Auf den Balladen „Love In The Afternoon“ und „Simple Man“ hat sie wirklich den Schmelz von purer Butter, und in Bill Withers „Grandma’s Hands“, einem der musikalisch gelungensten Titel der CD, bringt sie die tollsten Soultöne; sowohl schmachtend als auch so exorbitant in die Höhe schiessend, dass man sie noch lange im Gehörgang hat!
Das scharf kritisierte „Life On Mars“, ist der Song, den ich mir von „Butterfly“ heute noch am häufigsten anhöre. Ich mag den Song und ich mag, wie Barbra ihn singt. Das fand der Schöpfer des Songs, David Bowie, wohl nicht. Im Gegenteil, er soll Barbra’s Interpretation sogar „saumäßig“ gefunden haben. Streisand’s Interpretation sei mechanisch. Was meint er mit „mechanisch“? Bedeutet mechanisch – ohne Gefühl“? Ich höre das nicht so.
Die Butterfly-Version von „Life On Mars“ überzeugt erstens durch ein wirklich gutes, komplexes Arrangement und zweitens durch das sich dynamisch steigernde Wechselspiel von Streisands Solostimme mit den Chorstimmen, die auch von ihr gesungen werden.
Allemal ist „Butterfly“ trotz der uneinheitlichen Musikstile eine hörenswerte CD, nicht nur für Streisandfans.