Ich habe diesen Band per Zufall geschenkt bekommen und habe somit die beiden Vorgänger nicht gelesen, deswegen kann ich nur nach dem beurteilen, was mir Band 3 geboten hat.
Und das ist nicht viel. Natürlich habe ich mir von Anfang an keinerlei Illusionen gemacht, dass das hier eine anspruchsvolle Geschichte ist, aber ich habe zumindest erwartet, dass wenn schon nur Pseudohandlung vorhanden ist, "Adult" neben dem Verlagssymbol steht und das Ding auch noch in Folie verpackt ist, man zumindest ein paar halbwegs schmuddelige Inhalte präsentiert bekommt. Jedoch... ist dies nicht der Fall, aber lest weiter:
Die Handlung funktioniert in etwa so: Reiche gelangweilte Adelige eines mir unbekannten Jahrhunderts bzw. Landes bespringen ihre Dienstboten, wenn sie der menschlichen Unterrasse der "Seme" angehören oder werden von ihren Dienstboten besprungen, wenn sie der menschlichen Unterrasse der "Uke" angehören. Vielleicht ist es aber auch falsch von "Unterrassen" zu sprechen und es verhält sich eher wie bei einem Bienenvolk. Die Seme erhalten in ihrer Kindheit besonderes Futter um besonders groß, schrankartig, schmaläugig und männlich heranzuwachsen, zu Bienenköniginnen. Die Uke hingegen erhalten nur das normale Futter und wachsen zu femininen, schmalen, kleinen Arbeiterbienen heran. Wie sonst lässt sich erklären, dass das Brüderpaar Lau und Shion absolut unterschiedlich im Körperbau aussieht. Ich konnte zuerst gar nicht glauben, dass der zierliche Lau der ältere der beiden sein soll, mal ehrlich, diese Geschwister sind unterschiedlicher als alle Seme im ganzen Band!
Nun denn, vielleicht mag sich das Ganze jetzt wie ein Versailles der Orgien anhören, wo jeder mit jedem, aber die Seme und Uke sind allesamt monogame Pärchen. Wir haben genau zwei davon: Adeliger Seme Shion mit seinem Butler, dem Uke Kaede und adeliger Uke Lau mit seinem Seme, dem Butler Gai. Har, genau! Umgekehrte Verhältnisse! Aber der Ablauf ist vollkommen identisch. Die stetig jammernden, greinenden, hochnervösen Uke sind den Seme komplett verfallen, völlig unabhängig vom gesellschaftlichen Stand. Beide glauben die Seme mit völlig nichtigen Aussagen oder Gesten komplett von sich abwenden zu können und brüten seitenlang über den apokalyptischen Missverständnissen, die für jeden halbwegs beisammenen Leser absolut vorhersehbare völlig nichtige Handlungsstrecker darstellen. Dass beide Parteien absolut kein Vertrauen für die Gegenseite aufbringen können, tut echt weh! Wahrscheinlich war Gai der einzige, der sich seines Rammelhäschens von Anfang bis Ende sicher war.
Kommen wir nun zum gesellschaftlichen Dilemma... das praktisch nicht vorhanden ist. Falls es irgendwelche größeren Hemmungen oder Konflikte gab, sind diese wohl in den vorherigen Bänden bereinigt worden. Die Außenwelt und die Tätigkeiten eines Adeligen, stellen sich nur durch Aktenberge dar. Homosexualität scheint auch nicht verpönt zu sein, wenn der Gärtner Tsubaki Kaede schon so nonchalant küsst oder ihn mit Rosen umgarnt ohne zumindest ein bisschen zu fürchten "Wenn sie mich erwischen, werde ich wegen Sodomie auf dem Scheiterhaufen verbrannt" oder so etwas in der Art. Immerhin ist er kein Adeliger, der sich irgendwie rausreden oder mit Bestechungsgeldern um sich werfen kann, sondern ein Dienstbote und seine Worte wiegen nichts. Wenn Shion eifersüchtig auf ihn ist, dann hätte er ihn praktisch mit Schimpf und Schande aus der Villa jagen können. Dasselbe gilt für den Vater des Brüderpaares. Er möchte, dass Lau sein Erbe antritt und somit braucht auch dieser Nachkommen, also eine Frau (DO-DO-DOOOOM!). Lau quasselt auch tatsächlich etwas davon, dass er für seinen Vater eine arrangierte Heirat in Betracht ziehen würde, aber das war niemals Ernst gemeint. Schließen wir einmal aus, dass er entweder eine Scheinehe eingehen könnte, um sowohl zu erben, als auch sich heimlich weiter von seinem Butler vögeln zu lassen, oder die Karten auf den Tisch legen, das Erbe in den Wind schießen und zum Wohle seiner großen Liebe mit seinem Seme durchbrennen könnte... denn das wird nicht passieren, es ist zu "heftig"! Schließlich kann er sich von seinem schwerreichen Butler (woher hat er das Geld?! Kontrolliert dieser schmierige Kerl etwa bereits alle Finanzen seines Herrn?!) eine Villa kaufen lassen, wo er glücklich und zufrieden leben kann und seine Ruhe vor seinem Vater hat. Dieser ist zudem so wenig durchsetzungsfähig, kein Wunder, dass er seinen schwächlichen älteren Sohn auf den "Thron" setzen wollte, das muss zur Tradition gehören. Der semige jüngere Bruder hat da schon seinen eigenen Kopf. So wie ich das verstanden habe, will er studieren, um auf eigenen Beinen stehen und um später seinen Uke durchfüttern zu können. Na denn, das war es mit dem Erben! (Überdies hätte es mich nicht gewundert, dass wenn Lau seine "Beziehung" zu Gai gebeichtet hätte, der Vater lachend geantwortet hätte: "Ist doch nichts dabei! Mein strammer gutaussehender Arzt und ich verstehen uns auch etwas besser als manch andere, if you know what I mean *Mit den Augenbrauen wackel*.")
Die Handlung besteht also lediglich aus haltlosen Eifersüchteleien, Pseudostress wegen adeliger Pflichten und etwas mit einem Weihnachtsstern, das so klebrig süß ist, dass einem die Zähne aus dem Mund faulen (First World Problems).
Also, wie sieht es nun wegen dem aus, weswegen man sich solch einen Band überhaupt zulegt: Dem Gevögel. Dafür, dass "Adult" dran steht, ist es das frigideste, unerotischste, oberflächigste Gerammel, was ich seit Langem gesehen habe. Ich habe schon Shonen-Ai gelesen, wo einem bei gleicher Seiten- und Panelanzahl (also sehr wenig) an etwas nackteren Tatsachen die Katze da unten überkocht, obwohl man wenig mehr als nackte Oberkörper gesehen hat. Die Körperaktivitäten von Bienenkönigin und Arbeiterbiene gestalten sich hier in etwa so erotisch wie zwei Ampelmännchen. Es gibt kein Vorspiel, es wird die übliche Körperstellung ausgeführt, beide Paare treiben es auf die gleiche Art und sehen sich beim Vögeln an (Uke ejakulieren übrigens durch die Augen, sie heulen ständig beim Sex). Es werden relativ wenige Körperkonturen angedeutet, Wirbelsäule und Schulterblätter von hinten, von vorn ein paar Strichelchen für die Brust und vielleicht für die Hüfte und den Bauch, wenn dieser sich biegt, wir reden hier nicht von Bauchmuskeln, die gibt es nicht. Der Zeichenstil ist wohl auch nicht sehr vorteilhaft, da die Körper soweit in die Länge gezogen sind, dass man bequem die Unterschenkel abschneiden könnte, ohne dass sich eine ästhetische Verhässlichung einstellen würde. Außerdem sind die Seme mit schrankartigen Oberkörpern aber dünnen Armen ausgestattet. Also nicht sonderlich ansehnlich. Noch dazu, auch wenn man vom schmächtigen Uke ohnehin nicht viel erwarten kann, was männliche Schönheit angeht, dass er im Profil aussieht, als besäße er eine (zwar etwas flache) weibliche Brust... besonders wegen der (nur beim Uke gezeigten) Brustwarze... Tja, da gehen sämtliche homoerotischen Fantasien flöten... Auch wenn ich also einen dürren Mann vorgesetzt bekomme, der nie trainiert hat, so will ich dennoch einen Mann sehen und kein Mädchen mit Lümmel (Lümmel sieht man ohnehin nicht, wieso ist das also "adult"?).
Dass ich diesem Werk, in das ich reinzugucken keinerlei Interesse mehr habe, noch zwei Sterne gebe, liegt wohl am Zeichenstil. Zwar sind die Uke und Seme unter sich mehr oder minder Klone, aber die Gesichter der Uke sind hübsch anzusehen und gefallen mir auch (angezogen) im Gesamtwerk besser als die Seme, was eine echte Ausnahme ist. Die hiesigen Seme sagen mir einfach nicht zu. Zu dünnarmig, schrankartig, schmaläugig und mistkerlig, die reinsten Unsympathen.
So wie ich gelesen habe, ist diese Geschichte aber recht erfolgreich, sie dürfte mit ihren Bella-Swan-Anastasia-Steele-Uke-Charakteren und ihren Edward-Grey-Seme-Charakteren, gewürzt mit langweiligsten Sexszenen und einer Handlung so spannend wie die Melodien einer öffentlichen Toilette, komplett den Zeitgeist treffen und vielen zusagen. Also kauft diesen Manga, er wird euch sicher nicht enttäuschen.