Diese Kritik bezieht sich auf alle drei Teile des Wüstenplanet-Prequels Butlers Djihad.
Zunächst möchte ich vorausschicken, dass bei allen logischen Schwächen und Abweichungen von meinen Erwartungen, die Trilogie dennoch das für mich persönlich wichtigste und für einen Roman letztlich entscheidende Kriterium für 5 Sterne erfüllt: trotz der epischen Länge von 2500 Seiten habe ich die Bände am Stück durchgelesen, mich dabei sehr gut unterhalten gefühlt und mich immer auf die freie Zeit gefreut, in der ich mich der Lektüre widmen konnte. Es gab zwar durchaus einige Längen, aber auch diese hatten ihren Reiz und es gab keine Passagen über die man sich hinwegquälen musste, wie es leider bei umfangreichen SF-Romanen häufig der Fall ist.
Seit dem ersten Prequel und der Ankündigung, dass eine weitere Trilogie die Zeit von Butlers Djihad, die Beendigung der Herrschaft der maschinellen Intelligenzen und die Entstehung der Grundlagen des mystischen Wüstenplanet-Universums behandeln würde hatte ich mich auf das Erscheinen der Bücher gefreut. Durch die ersten Kritiken war ich dann bereits darauf vorbereitet, dass meine Erwartungen vermutlich nicht ganz erfüllt werden würden. Vorgestellt hatte ich mir eine Schilderung der maschinellen Intelligenzen mehr im Stil des Schiff-Zyklus von Frank Herbert oder vielleicht wie Lem sie beschrieben hätte. Fremdartig, unergründlich und faszinierend. Schon nach den ersten Seiten war die Enttäuschung allerdings weit größer als erwartet: Die intelligenten Computer sind etwa auf dem Niveau geschildert wie die Zylonen aus Kampfstern Galactica, Motive und Handlungen haben nichts faszinierendes oder unergründliches. Vielmehr hat man das Gefühl, nicht allzu intelligente Menschen wären in Blechkostüme gesteckt worden und würden auf menschliche Weise auf allzumenschliche Ziele hin agieren. Auch die Cymeks, menschliche Gehirne in mechanischen Körpern, von denen die ersten intelligenten Computer geschaffen wurden, können nicht überzeugen. Zwar wird ständig ihre überlegene Intelligenz betont, aber bis auf das Ersinnen immer neuer und sadistischerer Foltermethoden für ihre menschlichen Sklaven ist davon nicht viel zu merken. Ebenso wie die Maschinen-Intelligenzen agieren sie hölzern, brutal und scheinen geleitet von einem plumpen Haudrauf-Aktionismus.
Die Schilderung der Maschinen-Zivilisation ist also alles in allem enttäuschend.
Wie sich bei weiterem Lesen zeigt, ist dies allerdings nicht weiter tragisch, wird man doch mehr als entschädigt durch die Skizzierung der menschlichen Zivilisation und ihres Umgangs mit dem Konflikt. Diese ist alles andere als eindimensional beschrieben: keine Spur von den guten Menschen die sich gegen die abgrundtief bösen Maschinen absetzen. Im Gegenteil, die Liga der freien Welten besteht aus einem Konglomerat von Planeten, auf denen das Leben so unterschiedlich ist wie in den Staaten unserer Welt, obwohl sie alle sich zu einer Allianz zusammengeschlossen haben. Systeme, die ihren Bürgern ein menschenwürdiges Leben ermöglichen sind ebenso Teil davon wie Welten, auf denen Menschenhandel und Sklaverei normal und gesellschaftlich anerkannt sind. Technische Perfektion und komfortable Lebensumstände existieren neben Elend, Hunger und Krankheit, demokratische Systeme neben Faschismus und Diktatur. Humanität und aufgeklärte Nüchternheit gehen Hand in Hand mit religiösem Wahn und skrupelloser Unterdrückung. Den Krieg gegen die Maschinen dabei nur noch als Hintergrund wahrzunehmen, der sozusagen die Leinwand gibt für die Schilderung der sich dagegen zur Wehr setzenden menschlichen Gesellschaft, fällt bei dieser Vielfalt und Tiefe nicht allzu schwer.
Einige logische Schwächen, wie die Holtzman-Schilde die das Rückgrat der menschlichen Verteidigung bilden, und deren Schwächen auch nach mehr als 100 Jahren von den angeblich überlegenen maschinellen Aggressoren nicht aufgedeckt werden, oder Söldner die mit Schwertern gegen moderne Waffen zu Felde ziehen, sind zwar ärgerlich, aber gehen teilweise auch bereits auf die Vorlage von Frank Herbert zurück.
Die Protagonisten sind meiner Meinung nach ebenfalls nicht auf leuchtende Helden und abgrundböse Schurken zu reduzieren. So wird z.B. ein menschlicher Vorarbeiter auf der Hauptwelt der Maschinen zum Auslöser des Krieges, aus zunächst ehrenwerten Motiven nachdem er vorher mit sich und seiner Rolle einen langen Kampf ausgefochten hat. Nachdem seine Revolution zumindest teilweise erfolgreich ist, und er sich zum Quasi-Führer der menschlichen Welten aufgeschwungen hat, erliegt er der Korruption seines eigenen Charakters und benutzt den Krieg zur Sicherung seiner Machtbasis. Das hat man so ähnlich auch schon in der wirklichen Geschichte des öfteren erlebt, und genau diese Details machen den Roman meiner Meinung nach glaubwürdig und lesenswert. Was ich nicht vermisst habe sind die teilweise doch sehr abstrusen, mystischen Philosophereien aus Herberts Wüstenplanet, die zumindest in den letzten beiden Bänden doch etwas überhand nahmen.
Alles in allem kann man zusammenfassend sagen, dass trotz der logischen Schwächen eine faszinierende Geschichte spannend und interessant erzählt wurde. Schade, dass die Maschinen-Zivilisation so schwach beschrieben wurden, sonst wäre die Trilogie wirklich ein Knüller.