gewährt der Bildband „Butabu" des Fotografen James Morris. Mit den wunderbaren, zum Teil schwarz-weiß, zum Teil farbig fotografierten Impressionen seiner viermonatigen Reise durch Mali, Niger, Nigeria, Togo, Benin, Burkina-Faso und Ghana zeigt Morris großartige Architektur - unberührt von westlichen Idealen -, die die Unterscheidung zwischen Kunst und Architetur als schmalen Grat erscheinen lassen. Nicht nur die spannende Wahl der Bildausschnitte oder das reizvolle Spiel mit Licht und Schatten, sondern die Gebäude als solche muten oft skulptural an. Einige sind darüber hinaus farbig oder ornamental gestaltet. Dabei zeigt Morris nicht nur überwältigende Gebäude sakraler oder herrschaftlicher Baukunst, wie die Moschee von Djenee, das größte aus Schlamm errichtete Gebäude der Welt, sondern auch die kleinen Häuser einfacher Menschen in entlegenen Dörfern. Mit dem Band tritt Morris auf überzeugende Weise all jenen entgegen, für die die Architektur dieser Region aus Schlammhütten besteht.
Nichtsdestotrotz: Das Material, aus dem all diese architektonischen Kunstwerke errichtet wurden, ist Schlamm. In ihrer kenntnisreichen Erläuterung der traditionsreichen, jahrhundertealten westafrikanischen Architektur erklärt Suzanne Preston-Blier zunächst die Herkunft des Wortes Butabu: Während sich das Präfix bzw. Suffix „Bu" auf alles bezieht, was mit Erde zu tun hat, bezeichnet „Tu" eine Form, die einen Inhalt besitzt - ein Haus beispielsweise. Im Folgenden erläutert sie die Herkunft der Architekturschaffenden und analysiert die historischen Ursprünge und Traditionen sowie die wechselseitigen Einflüsse und sozialen und politischen Prozessen auf die Architektur. Einzelne Objekte, wie die Moschee in Djenne, werden später ausführlich erläutert.
Die Zukunft der Butabu-Architektur jedoch ist nicht ungefährdet, wie Morris in seinem Vorwort erläutert; würden die Menschen über die entsprechenden Mittel verfügen, entstünden rasch Gebäude aus Beton. Sie repräsentieren hier den Fortschritt und erfordern unter den extremen Wetter- und Klimabedingungen weit weniger Pflege und Instandhaltung; darüber hinaus sterben in einigen Regionen die geübten Baumeister aus.
Die Autoren:
Der Brite James Morris ist Architekturfotograf und befasst sich in seinem Werk mit Kulturlandschaften und gebauter Umwelt. Er arbeitete bereits für Architekten wie Norman Foster, Richard Rogers und Claudio Silvestrin. Seine Bilder wurden weltweit ausgestellt und erschienen in zahlreichen Bildbänden und Magazinen. Morris erhielt kürzlich den Preis der UK's Design and Art Directors Guild sowie derChicago's Graham Foundation for Advanced Studies in Fine Arts. Seine Bilder der Butabu-Architektur werden derzeit in einer Londoner Ausstellung gezeigt.
Suzanne Preston Blier hält Professuren für Kunst und Afro-Amerikanische Studien unter anderem an der Harvard Universität. Sie gilt als führende Expertin der Schlamm-Architektur West-Afrikas und erhielt bereits Preise für ihre Publikationen zu diesem Thema.