BUSTER KEATON: A HARD ACT TO FOLLOW (nicht "OT" FOLLOW, wie bei Amazon bis jetzt getippst) ist - wie schon ein amerikanischer Kritiker bemerkte - tatsächlich selbst ein Akt geworden, der schwer zu übertreffen ist. 1987 für Thames Television produziert, bleibt diese dreiteilige Dokumentation dank ihrer Klarheit und Vielschichtigkeit auch nach mehrmaligen Ansehen spannend und aufschlussreich. (Jim Kline meinte in seinem Buch The Complete Films Of Buster Keaton, er hätte diese Doku ein paar Millionen Mal gesehen...)
Gill und Brownlow stellten auch Doku-Serien über Chaplin (UNKOWN CHAPLIN) und Harold Lloyd (THE THIRD GENIUS) her. Kann sein, dass es an meiner Begeisterung für Keatons Filme liegt, dass mir HARD ACT als die inspirierteste von den drei herausragenden Dokumentationen erscheint. Gut möglich aber auch, dass es schlicht am Thema liegt: Keatons uneitle, im besten Sinne einfache Persönlichkeit im Kontext seiner faszinierenden und hochklassischen wie komischen Filme ist ein Spannungsfeld für sich. Beide Seiten beleuchtet die Doku hervorragend - die Übergänge sind dabei natürlich fließend.
Wie es sich für Filmhistoriker gehört, finden sich selten bis nie zuvor gezeigte Filmdokumente in dem gelungenen (Lebens-)Werk. Stellvertretend für die für mich vielen neuen und überraschenden Ausschnitte sei ein Wochenschau von Anfang der 30er Jahre erwähnt. Damals war Keaton am Tiefpunkt, sein Stern - spätestens nach seiner Kündigung bei MGM - nicht nur am Sinken, sonder schon längst am ersaufen (Keaton wurde zum Alkoholiker). Der Ausschnitt zeigt ihn als unwilligen Partner eines anderen Komikers (bekannt als Baron Munchhausen" , heute wohl fast vergessen) - und Keaton ist sichtlich so genervt oder angetrunken oder deprimiert, dass er seinen Text schlicht verweigert und seinen um Souveränität ringenden Partner in schiere Verzweiflung treibt. Eine absolute Ausnahme-Situation für den bei Kollegen hoch-geschätzten, bescheidenen Keaton, der das große Glück hatte, dank aufmerksamer Zeitgenossen und Fans die Wiederentdeckung seiner Meisterwerke zu erleben.
Ich hatte diese biographische Dokumentation bereits auf Video, doch mein Rekorder hat das Band gefressen. Die DVD, die ich mir nun besorgt habe, ist davor sicher gefeit; mehr Unterschiede zum Videoband gibt es aber kaum: kein "Making Of" dieses "Making Ofs", keine Extras, auch keine Untertiteln. Mir ist einmal sogar ein Fehler im Schnitt aufgefallen: Für einen Sekundenbruchteil blitzt mitten in der Doku (ich glaube im 1. Teil) das Bild eines Mannes auf, den ich nicht zuordnen kann, und da auch nix zu suchen hat... (Wohl ein Schnittfehler - wer ihn auch findet und mehr weiß: bitte melden!)
Ich vergebe dennoch begeistert 5 Sterne: Klug und kenntnisreich ausgewählte Filmausschnitte, die Lust auf mehr machen, Fotos, Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern, Regisseuren, Freunden, seiner Witwe Eleanor und - im O-Ton aus sämtlichen Archiven zusammengesucht - mit Keaton selbst, sowie - last but not least - die Musik von Carl Davis machen diese Erzählung von Keatons Leben zum Glücksfall für Leute wie mich...
Und eins scheint sicher: Eine bessere Buster Keaton-Dokumentation wird kaum folgen!