Kai Oppel ist beileibe nicht der einsame Rufer in der Wüste, was Ratgeber zu interkulturellen Benimmregeln betrifft. Daher finde ich es mehr als nur ein Schönheitsfehler, dass er seinen Lesern jeglichen Hinweis auf weiterführende Literatur verweigert. Eine Konkurrenzangst oder Überheblichkeit, die ich nicht verstehe. Man mag das pingelig finden, aber solches Gebaren gibt bei mir zwingend einen Stern Abzug. Erleichtert wurde mir diese Strafaktion auch durch den blinden Fleck Südamerika. Frankreich, USA, England, Italien, China, Spanien, Russische Föderation, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Australien und Japan. In dieser Reihenfolge erfährt der Leser allerlei Wissenswertes über andere Länder und Sitten. Und bei den Regionen, die ich selber gut kenne, hatte ich das Gefühl, der Autor habe einen scharfen Blick für Wesentliches. Trotzdem meine ich, dass ein solches Buch letztlich nicht viel mehr kann, als das Bewusstsein für Verschiedenheiten zu fördern. Wer sich beruflich nach China begibt, wird auch noch andere Bücher konsultieren oder einen guten Vorbereitungskurs absolvieren müssen, um nicht unnötig Geschirr zu zerschlagen. Die gleiche Einschätzung trifft selbstverständlich auch auf andere Länder zu.
Im Gegensatz zum Autor hätte ich es nicht für nötig befunden, nach den Darstellungen länderspezifischer Eigenheiten noch zwei weitere Lektionen nachzuschieben. Denn auf diesen Seiten fand ich allzu viele Banalitäten. Oder anders gesagt, das 1x1 sollte nicht in der gleichen Unterrichtsstunde behandelt werden wie die Differentialgleichungen. Als Instrument der Selbsteinschätzung für interkulturelle Kompetenz gibt es 20 Trainingseinheiten. Das finde ich gut, obwohl einige Fragen hart an der Grenze zur Dummheit sind.
Mein Fazit: Motiviert die Lektüre dieses Knigges dazu, sich vermehrt für andere Verhaltensmuster zu interessieren, dann ist der Zweck erreicht. Um privat und geschäftlich in einem fremden Land nicht unnötig anzuecken, braucht es aber noch mehr als die Lektüre einige Seiten. Auch wenn sie so engagiert und verständlich geschrieben wurden wie von Kai Oppel. Umso bedauerlicher ist es, dass auf Literaturhinweise, Adressen und Links zu nützlichen Websites verzichtet wird.