"Bus Stop - Was wäre wenn ..." (2001) wurde ursprünglich unter dem Namen "Do Raaste 12B" oder "Buslinie 12B" herausgegeben und basiert auf dem amerikanischen "Sliding doors" (1998). Ein Film, dessen Reiz sich mir erst erschlossen hatte, als ich erfuhr, dass es ein Tamilfilm war. Jenseits von Glamour, mit geringerer Ausstattung als in "Bollywood-Filmen", kaum Kulisseneinsatz und vielen Alltagsszenen. Hindifilm-Fans finden unbekanntere Gesichter und gutes Schauspiel.
Shakti (Shyam/Shaam) lässt sich auf dem Weg zu einem wichtigen Bewerbungsgespräch ablenken: die hübsche Jho (Jyothika) kreuzt seinen Weg, er verpasst den Bus und damit womöglich die Chance seines Lebens. - Nun werden parallel und abwechselnd zwei Geschichten erzählt. Real: Shakti muss sich mit einem Job in einer Kfz-Werkstatt begnügen, begegnet seiner Jho - und ihrem Verehrer Pratap (Sunil Shetty). Fiktion: Shakti bekommt den Karrierejob, verpasst Jho immer wieder knapp, lernt aber Priya (Simran) kennen. - Hat man erstmal den Überblick gefunden, wird es spannend. Was erst wie ein Unglück wirkt, entwickelt sich zu einer niedlichen Geschichte mit liebevollen Menschen, während die anfängliche Erfolgsgeschichte einen nachdenklich zurücklässt.
Die deutsche Synchronisation verfügt leider über merkwürdige Stimmen. Die Hindi-Tonspur finde ich wunderbar, aber es gibt keinerlei Untertitel. Die Tamilfassung hätte ich bevorzugt, aber sie wurde mit angenehmen Stimmen synchronisiert, so dass die "indische Stimmung" erhalten bleibt. Die Schauspieler gefallen mir gut. Sunil Shetty spielt nur eine kleine, nette Rolle als glücklos Verliebter. Bei den anderen handelt es sich um Tamilfilmstars. Shaam (Shyam) und Jyothika sind echt süß. Wunderbar auch Simran - und Vivek als sympathischer Werkstattchef Mathan. Nett auch, dass Jyothika nicht den Schlankheitsvorstellungen des aktuellen Bollywood entspricht.
Die Bild- und Tonqualität könnte besser sein, die Handlung zieht sich zwischendurch, aber der Film ist originell, humorvoll und skurril. So flucht der Werkstattleiter bei Auspuffmief "Ist ja wie in Bhopal" - und die Straßensperre bei vorbei"fliegendem" Minister kommt auch nicht schlecht. Bezaubernd das schüchterne Küsschen von Shakti auf die Wange von Jho oder die urwüchsige Hochzeit in der Werkstatt. Ganz toll die anteilnehmenden Kumpels, z.B. wenn Shakti ihnen von seinem Rendevouz erzählt. Und sehr schön auch der Tanz von Priya, die sich hoffnungsvoll und wehmütig verliebt hat - mit einer zarten Spiegelszene im Anschluss.
Die Story wirkt auf mich in weiten Strecken herzerwärmend und mir gefällt die Botschaft, dass selbst in einer verpassten Chance Glück verborgen liegen kann. - Für alle, die zwischendurch Lust auf einen schönen Film jenseits des Mainstream-Kinos haben. - Übrigens: Meine DVD von 2007 verfügt über die genannte Hinditonspur, die neuere DVD von 2009 (laut Produktbeschreibung) aber nur über die deutsche Fassung.