Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach ihrem Debüterfolg mit dem bezeichnenden Namen
Everybody Else Is Doing It, So Why Can't We? und dem noch erfolgreicheren Nachfolgealbum
No Need to Argue, machten die Cranberries genau denselben Fehler wie Tausende vielversprechender Popstars vor ihnen: Sie nahmen sich selbst zu wichtig. Das Ergebnis war das langweilige, blasierte Album
To the Faithful Departed. Die Fans, die zuvor bei den feingesponnenen Melodien von "Linger" und "Dreams", oder bei der aggressiven Power von "Zombie" ganz aus dem Häuschen waren, liefen ihnen daraufhin in Scharen davon. Vielleicht überlegen sie es sich noch einmal:
Bury the Hatchet ist eine angenehme Rückbesinnung auf einen Stil, der sich auf schwungvolle Melodien und kraftvollen Gesang konzentrierte, und die großen Proklamationen denen überläßt, die das besser können, beispielsweise Zack de la Rocha oder - wenn's sein muß, Bono.
Bury the Hatchet ist randvoll mit schönen Melodien, wie "Animal Instinct", "Saving Grace", "You and Me" oder dem zarten "Shattered". "Promises" und "Delilah" indes sind echte Rockhämmer, die Dolores O'Riordans schneidende Stimme zur Geltung bringen, und beweisen, daß die Band durchaus in der Lage ist, voll aufzudrehen.
--Daniel Durchholz
INTRO
Im Dezember 1998 sind die Cranberries anläßlich einer Nobelpreisverleihung in Oslo aufgetreten und haben ihre neuen Songs vorgespielt. Sind da also auf die Bühne, haben mit der neuen Single "Promises" mächtig losgelegt, und irgendwie sei das sehr witzig gewesen, weil nämlich das Publikum Gala-Anzug und ganz ernste Mienen trug. Aber gefallen hätte es den Leuten trotzdem. Glaubt man. Sofort. Weil die Cranberries so eine Band sind, die vor allem die liebhaben müssen, die normalerweise keine Platten kaufen. Nach dem kräftezehrenden Chartsstürmen mit "No Need To Argue" und "To The Faithful Departed", dem obligatorischen Welt-Tournee-Streß, Interviews, Terminen, Trallala gönnte sich die entkräftete Band eine zweijährige Schaffenspause und hat nun mit den Anstrengungen und der Unbill dieser Tage abgeschlossen - so möchte der Albumtitel verstanden werden. Doch wer damals gern "Zombie" und "Salvation" pfiff, der kann getrost in gleicher Weise fortfahren: "Bury The Hatchet" knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an, beginnt da, wo jener aufhörte, und ... was man eben sonst noch sagt, wenn man meint, daß es keinerlei Überraschungen gibt. Man sitzt halt so da und hört diese Platte, den klangschönen Gitarrenpop mit einigen traditionellen irischen Strukturen, hört die prägnante Stimme von Dolores O'Riordan, die geschmackvollen Melodien, findet alles recht manierlich, seufzt zu Akustikballaden, rockt dann wieder ein bißchen mit den Zehen, geht mal kurz raus, um in den Kühlschrank zu gucken und eine Fliege zu exekutieren, und nimmt den Faden beim nächsten "Do-do-do, oh eh oh eh" wieder auf. Ungezwungen, unbehelligt, ganz ohne das lästige Gefühl, etwas verpaßt zu haben.
Jennifer Koegst / © Intro - Musik & so
mehr unter www.intro.de