Im Subgenre des Tierhorrors wurde mittlerweile schon so ziemlich jedes Tier, das irgendwie bedrohlich wirkt, mehr als einmal abgedeckt. Egal ob Haie, Löwen, Bären, Schlangen, Spinnen, Fledermäuse, Wölfe, Piranhas, Orkas oder Krokodile: gerade an Low Budget-Produktionen scheint es seit geraumer Zeit in diesem Metier nicht zu mangeln. Manche (wenige) sind gut, einige passabel, die meisten eher schlecht und viele komplett für die Tonne. Da mich, obwohl ich eher auf Dramen und Klassiker stehe, der Zusammenstoß von Tier und Mensch doch immer wieder reizt, gebe ich die Hoffnung nach guten Vertretern nicht auf. Über das meiner Meinung nach schönste Raubtier, den Tiger, sind mir jedoch keine auf Anhieb geläufig. "Burning Bright" versuchte sich 2010 in diese Lücke zu fügen und reihte sich leider in die Traditionen der Belanglosigkeit nahtlos ein.
Bedienen sich beispielsweise "The Reef", "Black Water" und "Frozen" (wobei in letzterem die Tiere nur einer von mehreren Gefahrenherden sind), womit ich die meiner Meinung nach gelungensten Produktionen der letzten zehn Jahre nenne, einem eher realistischen Szenario, sollte dem geneigten Filmkenner schon beim Blick auf die Story auffallen, dass diese selbst für Genremaßstäbe eher hanebüchen ist und mehrere merkwürdige Zustände verschmelzen müssen, damit es zu diesem Aufeinandertreffen von Mensch und Tier kommt:
Ein etwas zwiespältiger Mann kauft einen ausgehungerten bengalischen Tiger für den geplanten 'Safaripark' im eigenen Garten, der dann während eines Hurricanes entkommt und die im Haus 'eingenagelten' Stiefkinder jagt?! Da bekomme ich selbst bei so einer Doofheit wie "Snakes on a Plane" weniger Bauchschmerzen. Im Laufe des Films kommen weitere Umstände ans Licht, die ich aus Spoilergründen aber nicht nennen werde. Nur so viel: Auch wenn Einiges dadurch plausibler erscheint, wird es an anderer Stelle dafür unweigerlich alberner und so kommt es an vielen Stellen des Films zu großen und kleinen Plotholes, die teilweise wirklich peinlich sind. Und auch wenn es in fast allen Splatter-/Grusel/Slasher-Filmchen Gang und Gebe ist, dass sich die Charaktere dümmlich verhalten, muss man sich hier doch vermehrt an den Schädel fassen. Natürlich reagiert man in Extremsituationen oft nicht souverän, deshalb bewerte ich naive Taten in solcherlei Filmen nicht über, hier war es aber durchgehend immer wieder sehr auffällig. Von Selbtsironie war ebenfalls nichts zu vernehmen, was dem Genre selten gut tut.
Nun denn... Es soll Horrorfans geben, denen die Geschichte in detaillierter Ausführung und Plausibilität völlig egal ist, also wende ich mich den anderen Werten des Streifens zu. Schauspielerisch ist der Film ebenfalls äußerst mager. Garrett Dillahunt und Meat Loaf mag man als kundiger Filmfreund kennen, zu sehen sind beide jedoch für insgesamt maximal zehn Minuten. Briana Evigan hat wohl lediglich dafür die Rolle bekommen, auch im Angesicht von Zähnen und Klauen noch möglichst gut auszusehen. Charlie Tahan, hier der autistische (und extrem nervige) Stiefsohn, schwankt in seiner Darstellung zwischen Autismus und extremen ADHS, was die Nerven ziemlich strapaziert. Ich erwartete von dem Kleinen keinen Dustin Hoffman, aber so war das gar nichts. Zumal fraglich ist, ob diese Figur wirklich nötig war oder eher nur dazu dient, eine klischeebehaftete Emotionskkarte auszuspielen.
Sofern die Bilder einen echten Tiger zeigen, was meistens der Fall ist, überzeugt "Burning Bright" zumindest in diesem Punkt. Leider haben sich hier und dort aber sehr unansehnliche CGi-Katzen und auffällige Green Screen-Einstellungen auf dem Filmstreifen verewigt, die den 'Genuss' trüben. Gore-Fans, die es auf jeden Fall blutig und deftig mögen, sei ebenfalls eher abgeraten. Bis auf ein, zwei Szenen bleibt der rote Saft in den Adern.
Mittlerweile muss die Frage gestattet sein, warum ich zwei Sterne gebe... Nun, trotz all dieser Punkte, die negativ zu Buche schlagen, ist es nicht so, dass der Film langweilig dahinplätschert. Er ist schon spannend und es gibt durchaus eine Handvoll Szenen, die den Puls erhöhen. An einem kurzweiligen Horrorabend mit ein paar Bier dürfte er also nicht völlig Fehl am Platz sein. Zweitens ist es die DVD, an der es gerade für ein B-Movie nichts auszusetzen gilt. SONY hat "Burning Bright" in guter Bildqualität, mit glasklarem Sound (Englisch und Deutsch in DD 5.1), ungeschnitten und mit ansprechendem Coverartwork auf den deutschen Markt gebracht. Als Bonusmaterial gibt es einen Making-of, ein rund zehnminütiges 'Doku'-Feature namens "Forces of Nature", den Trailer sowie eine Trailershow zu anderen Filmen. Da kann man nicht meckern.
Abschließend also: Wer mit Tier- und Survival-Horror was anfangen kann, keine großen Ansprüche stellt sowie handwerklich (sehr) genügsam ist, darf ruhig einen Blick wagen. Als eine genreinterne 'Perle' würde ich den Film jedoch genau so wenig bezeichnen wie als 'Geheimtipp'.