Bereits seit drei Alben zelebrieren die Norweger Insense ihre eigene Variante der modernen Genrekombinatorik und haben sich dabei immer wieder steigern können in der Fähigkeit, verschiedene stilistische Elemente nicht zu vermengen, sondern nebeneinander zu stellen, ohne sie zerfahren wirken zu lassen.
Eine Kunst, die einiges an Fingerspitzengefühl erfordert. Das gilt für ihr viertes Werk "Burn in Beautiful Fire" nur noch mehr als für die vorherigen Alben, denn während diese meist noch ein klar erkennbares stilistisches Leitprinzip aufwiesen, präsentiert sich der Viertling diesbezüglich noch offener. Kein stilistisches Merkmal übernimmt hier die klare Führung, vielmehr wechseln sie sich ab.
Dabei greift sich das Quartett seine stilistischen Versatzstücke aus der vollen Breite des Metals. Donnernde Meshuggah-Grooves, hämmerndes Neo Thrash-Stakkato, Grollende Death Metal Riffs, Thrashige Riffattacken, breite Melodic Death Metal-Leadmelodien, Strapping Young Lad -Industrial Wände, progressive Melodieausflüge... die Instrumentalfraktion breitet ihr gesamtes Protfolio an Einflüssen auf dem Tisch aus.
Der Sänger steht dem in nichts nach. Derbe Shouts, fieses Keifen, Growls, sanfter New-Metal-esker Klargesang, wütende kratzige Hymnen, rockige Singalongs, vereinzelte Ausbrüche in Power Metal -Rangebreiche, das alles vorgetragen mit einer bewundernswerten Sicherheit und mitreißenden Kraft. Dass bei zudem allen Techniken die lyrics deutlich verständlich sind, hebt ihn nicht nur technisch hervor sondern erhöht auch noch mal gewaltig den Mitsingfaktor.
Denn auch die Texte können sich sehen lassen. Diese sind zwar weltschmerzschwanger, wirken allerdings ehrlich, auf den Punkt formuliert und handeln von recht alltäglichen, nachvollziehbaren Szenarien. Auch der treibende Wutfaktor verhindert, dass die Texte im Vortrag zu fadem Gejammer verkommen.
Doch das alles ist nur eine Aufzählung, die Summe verschiedener Teile und, nüchtern betrachtet, wenig eindrucksvoll. Denn bestenfalls hört man ein Album schließlich für Songs und nicht für Passagen.
Und gerade dort liegt die große Stärke von Insense. Sie haben nicht die komplexesten Grooves, die imposantesten Synth-Spielereien, keine langen Epen oder abgefahrenen Ideen aufzubieten, um den Hörer zu fesseln.
Aber sie haben kurze, prägnante, bis in die letzte Note wirkungsvolle, treibende Songs aufzubieten. Jedes Lied lebt von seiner eigenen Stilkombination, die ihm eine eigene Grundtimmung und einen eigenen Drive gibt. Anders als die ähnlich agierenden italienischen Destrage gehen Insense dabei allerdings enorm besonnen und dosiert vor. Das Timing der einzelnen Passagen, die Platzierung der Stilwechsel, der Tempowechsel, der Rhythmuswechsel wirkt schlüssig und fließend.
Keine Passage ist überflüssig. Jeder Groove walzt, jede Melodie wirkt, jede Gesangs-Hookline geht tief ins Ohr, jede Songstruktur sorgt für Wiedererkennbarkeit und Abwechslung. Noch dazu sind all die Stilelemente so schlüssig über das gesamte Album verteilt, dass über die gesamte Distanz niemals der Fluss gebrochen wird.
Die düster-wütende Grundatmosphäre hält die Songs zusammen und die erdige Produktion gibt dem ganzen einen angemessen dreckigen Anstrich, ohne ihm Volumen zu nehmen.
Kurzum: Es kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf. Insense schicken den Hörer durch eine einfach nur verdammt unterhaltsame musikalische Ausstellung. Nicht die einzelnen Ausstellungsstücke sind es, die den Hörer gewinnen, sondern ihre großartige Anordnung.
Es ist nicht die ureigene innovative Kreativität, die diese Band auszeichnet, sondern das untrügliche Gefühl für die richtige Note, den richtigen Schlag und das richtige Wort im richtigen Moment.
Wer abgesehen vom markigen Gesang auf echte Trademarks verzichten kann, solange er schlüssige, umsichtig geschriebene und perfekt ausgeführte Songs bekommt und sich im stilistischen Bereich zwischen Mnemic, Chimaira und einem Hauch Benea Reach wohlfühlt, der darf "Burn In Beautiful Fire" als ganz heißen Geheimtipp betrachten.