"who do we think we are" find ich unendlich fad. offenbar ging es der band selber so, und sie suchte nach eine ausweg. ausweg im sinne von aus und weg hieß es dann für ian gillan und bassist roger glover, die gegangen wurden. ob die wahl der sündenböcke gerecht ausfiel, wage ich zu bezweifeln, entscheidend ist aber: das kalkül ging auf. die firschblutinjektion rettete dem siechen patienten deep purple das leben.
der junge sänger david coverdale brachte eine gewisse brünftige bluesigkeit (oder doch bluesige brünftigkeit?) in den sound. und der sänger/bassist glenn hughes lieferte ganz neue grooves: soul und funk.
was hier sofort auffällt: das purple mk III eine band mit zwei sängern waren - und dass die kombination aus dem testosterösen röhren coverdales und der hohen soulstimme hughes' (der weiße bub klingt hier wie eine schwarze lady) unglaublich gut funktionierte. die verschiedenen gesangsparts sorgten für eine ungemein spannende reibung, die zweistimmigen chöre hoben dann ab wie engel nach einem kerosineinlauf.
der erste song, "burn", ist eigentlich der letzte mk II-song (bis zur wiedervereinigung). natürlich nicht personell, aber musikalisch. das ist ganz typisch deep purple der jahre 1970 bis 72: also auf einem faszinierend originellen gitarrenriff beruhender hardrock im geschwindigkeitsrausch mit einem knackigen stadionrefrain. "might just take your life", "lay down, stay down" und "sail away" sind dann typisch mk III: also hardsoulrock mit kleinen prisen blues und funk. "you fool no one" ist eine echte, aber gute überraschung: da klingt jazzrock an, und die gesangslinien sind nahezu westcoastpop, und drüber liegt ein eigenartiger latin-tanz-groove. "what's going on here" ist netter, aber unaufregender bluesrock, wie er auf jedem purple-album als füllmaterial vorkommt. "mistreated" ist ein unendlich oft gecoverter klassiker. bei mir wechselt das ab: heute kenne ich keine bessere nummer, morgen bin ich von dem pathos der musik eher angeödet.
die instrumentals sind unnötig, weil uninteressant.
nötig und interessant, wenn auch nicht im sinne neuer erkenntnisse, sind die remixe. "burn" wird mit zusätzlichen gitarrenspuren und alternativen soli härter, schärfer, aber auch ein bisschen unaufgeräumt. "mistreated" wird noch herzergreifender, "you fool no one" beinahe zur dancefloor-nummer. "sail away" ändert sich kaum.
sehr interessant, weil ungeschönt und (selbst)kritisch sind die linernotes. interessant, wie roger glover innert weniger tage vom rädelsführer zum abschusskandidaten wurde, ohne dass irgendwer erklären kann, warum eigentlich. hübsch auch die anekdote, wie das management den dicken, pickeligen coverdale als allererstes auf diät setzte und ihm beibrachte, wie man sich als rockstar korrekt dekadent kleidet und aufführt.
trotz kleinerer schwächen im songwriting (die gehören bei ihnen dazu) ein großartiges werk - die qualität kommt aus der kreativen personellen spannung, aus dem nicht-zusammenpassen: von coverdale und hughes als sänger; von coverdales texten mit der düsternis von blackmore; hughes' funk-basslines mit dem hardrockgroove von paice; die poppige leichtigkeit mancher gesangslinien und melodien mit den schweren akkorden von lord und den aggressiven läufen von blackmore. am ende passte all dieses nichtpassen dann eben doch großartig, wenn auch nur ein album lang wirklich.
zusammen mit machine head und made in japan eine der drei großtaten von deep purple.