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Buridans Esel [Taschenbuch]

Günter de Bruyn
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 15., Aufl. (Oktober 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596218802
  • ISBN-13: 978-3596218806
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 58.752 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Günter de Bruyn wurde am 1. November 1926 in Berlin geboren. Über seine Kindheit schrieb er später einmal: »Nie mehr habe ich so isoliert gelebt wie als Kind. Eine Familie, die sich als Insel im Meer des Unglaubens und der Unmenschlichkeit verstand, hatte Gefühl und Verstand geprägt und sich dann aufgelöst. Das Kind blieb in der Diaspora allein, ein Katholik unter Protestanten, ein zum Nationalismus Unfähiger unter Nationalisten, ein Träumer unter Anpassern.« 1943 wurde de Bruyn als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst einberufen und war noch einige Monate Soldat. Eine Kopfverletzung durch Granatsplitter führte zeitweise zur Lähmung seines Sprachzentrums. Nach Kriegsgefangenschaft und einem kurzen Intermezzo als Landarbeiter absolvierte er 1946 einen Neulehrerkursus in Potsdam und war dann bis 1949 Lehrer in einem märkischen Dorf, bevor er eine Ausbildung an der Bibliotheksschule in Ost-Berlin machte. Von 1953 bis 1961 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralinstitut für Bibliothekswesen in Ost-Berlin. Parallel dazu verlief de Bruyns schriftstellerische Entwicklung: Die ersten Erzählungen, während der fünfziger Jahre entstanden, hatten vor allem seine traumatischen Kriegserfahrungen zum Inhalt. 1963 erschien de Bruyns erster Roman »Der Hohlweg«, der noch ganz an den propagandistischen Vorgaben des sozialistischen Realismus orientiert war. 17 Jahre hatte de Bruyn an diesem ersten Buch gearbeitet, das zwar offiziell als Erfolg galt und mit dem »Heinrich-Mann-Preis« ausgezeichnet wurde, von dem sich der Schriftsteller aber schon bald distanzierte. In der Folgezeit befreite sich de Bruyn weitgehend von der Bevormundung durch die Kulturfunktionäre. Er schrieb Parodien auf die DDR-Schriftsteller jener Jahre. Vor allem aber durch seine Romane »Buridans Esel« von 1968 und »Preisverleihung« von 1972 wurde de Bruyn auch im Westen bekannt. 1975 folgte seine Neuerzählung von Gottfried von Straßburgs »Tristan und Isolde«. Große Beachtung fand de Bruyn auch mit Essays über die deutsche Romantik und mit der ebenfalls 1975 erschienenen Jean-Paul-Biographie: »Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter«.

Obwohl de Bruyn 1976 den offenen Brief in Sachen Wolf Biermann mit unterschrieben hatte, fand er sich nicht auf der Liste der Schriftsteller, die mit einem Visum abgeschoben wurden. Statt dessen konnte er die Erzählung »Märkische Forschungen« (1978) und den Roman »Neue Herrlichkeit« (1984) veröffentlichen, mit denen er sich erneut als skeptischer Beobachter der DDR-Gesellschaft erwies. Es folgten die Essays »Lesefreuden« (1986), der Band »Jubelschreie, Trauergesänge. Deutsche Befindlichkeiten« (1991), in dem sich der Autor u.a. in vier großen Aufsätzen dem Umbruch des Jahres 1989 widmet, danach die beiden Bände seiner Autobiographie, »Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin« (1992) und »Vierzig Jahre. Ein Lebensbericht« (1996), schließlich »Mein Brandenburg«, in dem er Kultur und Landschaft seiner märkischen Heimat schildert (der Band ist mit großartigen Fotos von Barbara Klemm ausgestattet). Im S. Fischer Verlag sind zuletzt erschienen »Deutsche Zustände« (1999) und »Unzeitgemäßes« (2001). Günter de Bruyn lebt heute in einem märkischen Dorf.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Koryphäe und Sabbler 4. November 2007
Von Diethelm Thom VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Günter de Bruyn, Buridans Esel, 1968
Ein schmales, schön lesbares, gut strukturiertes Buch, höchst konzentriert komponiert :
Es geht um Karl Erp, Bibliotheksleiter, verheiratet mit der still ergebenen Elisabeth, 2 Kinder im Schulalter, um 40, der sich in die neue Praktikantin Fräulein Broder verliebt (attraktiv, energisch, geistig interessiert und selbstbewusst), sie nach einigen Schwierigkeiten für sich gewinnt, zu ihr in die verkommene Mietskaserne ins Proletenmilieu zieht, nach einiger Zeit aber seine Bequemlichkeit vermisst und zu Elisabeth zurückkehrt, die inzwischen einen eigenen Beruf angenommen hat und ihn eher sehr zögernd, um der Kinder willen, wieder in ihre Villa auf großem Grundstück hineinlässt, die ihr die Eltern überlassen hatten.
Das Buch vermittelt in Form und Inhalt ein dichtes Bild von der damaligen DDR: Erp, der insgesamt sich wie Buridans Esel verhält, sich also zwischen zwei Bündeln Heu nicht entscheiden kann und so verhungert", ist insgesamt ein schäbiger, narzisstischer Sabbler, erscheint aber in seiner Gesellschaft relativ normal: Er wird als Chef und Koryphäe geschätzt und respektiert, seine Machtstellung erinnert heute an die der Bonzen. Seiner Frau gegenüber verhält er sich wie ein wehleidiger Pascha. Seine Kollegen kritisieren ihn zwar, wie das in der sozialistischen Gesellschaft üblich war, gerade auch in seinem privaten Verhalten, das ja deutlich ins Berufsleben hineinwirkt, aber sie tasten ihn nicht wirklich an. So bekommt er am Ende keine Abstrafung, sondern einen attraktiveren Posten im Ministerium angeboten. Seine Selbstgefälligkeit und Verantwortungslosigkeit seiner Familie gegenüber erscheinen im gesamten Roman relativ normal, wie akzeptiertes Verhalten, wenngleich der Erzähler auch deutliche Worte der Kritik für ihn findet.
Auffällig die Erzählhaltung. Der Autor ,der auch (aber erst 1975) eine Biografie über Jean Paul geschrieben hat, steht hier ganz unter dem Einfluss dieses Romantikers. Er schreibt in der 3.Person Singular, als auktorialer Erzähler, der oft witzig-geistreich wie Jean Paul ins rankenreiche, ausschweifende Fabulieren gerät und virtuos immer wieder in die personale Erzählform hineingleitet und so insgesamt auch die Distanz zum Sujet herstellt (mit der Ausnahme des Kapitels, in dem die erste Liebesnacht mit Fräulein Broder sehr emphatisch geschildert wird). Außerdem erinnert der Stil häufig an Fontane. Dieses Erzählverhalten wirkt einerseits durchaus amüsant, andererseits aber auch etwas obsolet-biedermeierlich und vermittelt insfoern auch im Stil den Geist der damaligen Stimmung in der DDR: Es ging durchaus besinnlich, betulich, provinziell, familiär unter den Menschen zu, was jetzt aber bei de Bruyn in einen Gegensatz zu der Schäbigkeit des Protagonisten und seines Verhaltens gerät. Insofern will mir dieser Stil auch schon für 1968 als zu uneinheitlich und überholt erscheinen. Vielleicht erklärt das die Tatsache, dass es um de Bruyn relativ still geworden ist, indem er nämlich nicht mehr wirklich einen authentischen Ausdruck für die Lebensverhältnisse in seiner Zeit fand.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Shaun TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Die einfühlsam erzählte Geschichte eines Bibliotheksleiters wird erzählt, der sich wie Buridans Esel nicht entscheiden kann: soll er in einer als abgelebt und langweilig empfundenen Ehe mit seiner Frau Elisabeth bleiben, oder soll er der Verliebtheit der neuen Kollegin Broder (interessanterweise erfährt der Leser nie ihren Vornamen) gegenüber Raum geben, was aber im Endeffekt bedeuten würde, mit ihr Berlin zu verlassen. Erp ist aber inzwischen im Hinterhaus-Alltag und einigen Streitpunkten mit Frau Broder klargeworden, daß er mit dieser anspruchsvollen Frau seine Bequemlichkeit einbüßen würde, und so kehrt er reumütig zur verlassenen Frau zurück, die ihn zwar noch aufnimmt, aber inzwischen ebenfalls an Selbstbewußtsein gewonnen hat und ihn aus dem gemeinsamen Schlafzimmer weist. Elisabeth und Frau Broder sind charakterlich standfester gezeichnet als dieser unentschlossene Erp. Sehr Lesenswert. (11.01.08)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Agnes
Format:Taschenbuch
Er ist Bibliothekar in Berlin. Sie eins ist seine Ehefrau, Mutter seiner zwei Kinder und zu Hause, weil Er sich Familienleben schon immer so vorgestellt hat. Sie zwei ist zwanzig Jahre jünger als Er, gerade in der Hauptstadt eingetroffen und dabei, ein Praktikum in der Bibliothek zu absolvieren, in der auch Er arbeitet. Und eines morgens weiß Er, daß etwas anders ist: mit einem Lächeln im Gesicht wacht er auf 
Doch was nun? Was anfangen mit Haus, Garten, Auto, Frau und Kindern, mit all dem eingeschlafenen Glück? Ein Neuanfang? Und die Moral?
So überlegt Er sich  im Gegensatz zu dem Esel des französischen Philosophen Buridan, der zwischen zwei Heuhaufen verhungert ist, weil er sich nicht für einen entscheiden konnte  erstmal von beiden Heuhaufen zu kosten. Mit Option. Zwischenzeitlich kämpft Er mit schmuddeligen Berliner Mietshäusern, skurrilen Nachbarn, liebgewonnenen Gewohnheiten, den lieben Kollegen und einer neuen Situation. Zu Hilfe kommt Ihm dabei, daß Er so aufrichtig unehrlich zu sich selber sein kann.
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