Drostes Reiseführer "Burgund" zeichnet sich wie die meisten seiner Veröffentlichungen durch sorgfältig recherchierte Fakten aus und stellt die Kulturlandschaft Burgund sehr ausführlich dar. Insofern ist dieses Buch eine sehr gute Grundlage für eine Bildungsreise. Fehler aus früheren Veröffentlichungen zu Burgund, auf dem dieser Reiseführer zum großen Teil basiert, sind korrigiert worden (z.B. beanspruchte Eduard III., und nicht Eduard II., als Enkel des französischen Königs Philipp IV. den französischen Thron für sich und erklärte Philipp VI. 1337 den Krieg). Gelegentlich werden jedoch theologische Aussagen zu bestimmten Baudenkmälern unangemessen übertrieben dargestellt. In Fontenay z.B. lässt sich Droste bezüglich der Anzahl der Fenster in der Westwand und im Chorraum der Klosterkirche zu Äußerungen über die Zahlensymbolik hinreißen, die zwar sicherlich nicht falsch sind, sie aber damit zu begründen, dass jeglicher Schmuck bei den Zisterziensern in der ersten Bauphase verpönt war und somit das einzige Mittel darstellte, theologische Aussagen durch die Architektur zu machen, halte ich für übertrieben. Die Zahlensymbolik wie auch das Prinzip des "goldenen Schnitts" waren sicherlich Bauprinzipien, die im Mittelalter gang und gäbe waren und somit zur Gewohnheit der Menschen gehörten. Außerdem bräuchten theologische Aussagen, die durch die Architektur weitergetragen wurden, einen Adressaten, doch die Zisterzienser hielten sich ja bewusst fern von jeder menschlichen Gesellschaft.
In Vézelay bezeichnet Droste den Narthex der Basilika mit dem berühmten Tympanon als "Seelenschleuse", was sicherlich wiederum eine Übertreibung ist. Vielmehr sollte man sich vor Augen führen, dass reicher Skulpturenschmuck eher dazu diente, den mittelalterlichen Menschen, die zumeist Analphabeten waren, die christliche Heilsgeschichte nahe zu bringen, was hier durch alle drei Portale der Westwand vorbildlich geschieht, und welches später von der Gotik aufgenommen und zu einem Höhepunkt geführt wird.
Ein wenig mehr theologische Nüchternheit wäre hier möglicherweise angemessener gewesen.
Eine Neuauflage dieses Reiseführers sollte natürlich aktuelle Veränderungen mit berücksichtigen. So ist es schade, dass die seit 1998 existierende Burgbaustelle in Guédelon (im Puisaye) keine Erwähnung findet, obwohl sich dieser Ort zu einem Touristenmagnet ersten Ranges entwickelt. Dieser Ort verdient es durchaus, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden.
Zusammenfassung: Dieser Reiseführer ist empfehlenswert, weist jedoch kleine Schwächen auf. Für eine Bildungsreise nach Burgund wird man sich daher nicht allein auf diesen Führer beschränken wollen.