Umfassendes Werk der Burgenkunde. Bis Otto Piper seine Burgenkunde veröffentlichte, war dieser Fachbereich von phantasievollen Architekten, zweitklassigen Archiologen oder durch ihren Ausbildungsplan dazu verführten "Militärkundlern", meist preussischen Offiziersanwärtern, bearbeitet.
Piper, von Hause aus Jurist, betreibt die Erforschung der mittlalterlichen Wehrbauten mit eben seiner Fakultät (Jurist) eigenen Exaktheit, in der nichts behauptet wird, das nicht beweisbar ist. Er führte die Burgenkunde aus dem Bereich phantastischer Spekulationen und Wunschdenkens in die nachweisbare Sachkunde.
In seinem Schlusswort wird der (damals) aktuelle Grundgedanke des Denkmalschutzes durch Otto Piper hier erstmalig ausformuliert. Piper wehrt sich gegen die phantasievollen Wiederaufbauten alter Ruinen seit Beginn der Romantik bis in seine Zeit.
Der Grundgedanke, Neu-Aufbauten so auszuführen, das auch zukünftige Generationen erkennen können, wo die historische Bausubstanz endet und die Rekonstruktion beginnt, wird hier im Abschlusskapitel erstmalig ausführlich mit praktischen Ausführungshinweisen beschrieben.
Diese Forderung Pipers führte leider zu der heutigen, meiner Meinung nach falschen Auffassung, dass Rekontruktionen mittelalterlicher Wehrbauten prinzipiell abzulehnen sind und eventuelle Neubauten unbedingt optisch auch als solche erkennbar sein müssen und - architektonisch - auch als solche entsprechend ausgeführt sein müssen(!).
Ein Buch, das unbedingt auch von heutigen "Denkmalschutzverantwortlichen" ruhig gelesen werden sollte!