Da ich ständig Angst hatte mich mal aus der Wohnung auszusperren, habe ich mich nach einem elektronischen Schloss umgesehen. Offensichtlich gibt es für den Hausgebrauch nur 2 Systeme, das von Abus und das von Burg-Wächter. Ich will zunächst kurz die Unterschiede erklären, weil die nicht so ganz offensichtlich sind:
Bei dem System von Abus (Homematic) wird das Schloss per Motorantrieb geöffnet. Der Motor bewegt einen Schlüssel der auf der Innenseite des Schlosses stecken muss. Dies funktioniert nur bei einem Schloss mit Not- und Gefahrenfunktion (d.h. man kann das Schloss auch betätigen wenn auf der anderen Seite ein Schlüssel steckt). Außerdem muss der Schliesszylinder auf der Innenseite 1cm überstehen, damit dort der Antrieb angesetzt werden kann. Aus den 2 Bedingungen ergibt sich, dass man meist den Schliesszylinder austauschen muss. Bei Schliessanlagen ist das ärgerlich, da man anschliessend einen zusätzlichen Schlüssel mit sich herumtragen muss (um bei Versagen des Systems noch per Schlüssel öffnen zu können). Da das öffnen per Motor viel Kraft erfordert halten die Batterien auch nicht sehr lang. Durch den Motorantrieb ist das System auch sehr klobig. Auch die Tastatur sieht nicht sehr elegant aus. Das ganze wirkt irgendwie billig.
Im Gegensatz dazu wird beim System von Burg-Wächter der Schliesszylinder von Hand gedreht. Die Elektronik kuppelt lediglich den äußeren Knauf ein oder aus. Im Normalfall dreht sich der äußere Knauf leer herum, nur bei korrekt eingegebenem Code oder Fingerscan wird der Knauf für 7 Sekunden mit dem Zylinder gekoppelt, sodaß man die Tür öffnen kann. Das ganze System besteht aus einem speziellen Schliesszylinder mit Elektronik, welcher statt dem normalen Zylinder in die Tür gesetzt wird. Man spart sich also den Kauf eines weiteren Schliesszylinders (wie bei Abus meist erforderlich). Die Montage ist so leicht wie das wechseln eines Zylinders. Sollte das System einmal gestört sein, so lässt es sich mit einem kleinen Notschlüssel öffnen, den man am besten irgendwo außerhalb der Wohnung deponiert. Das System von Burg-Wächter ist wesentlich zierlicher und sieht richtig elegant aus. Da der Schliessmechanismus weiterhin von Hand betätigt wird, ist der Batterieverbrauch entsprechend gering. Nach Herstellerangaben sollen die Batterien ca. 5 Jahre halten. Während es bei Abus nur die Möglichkeit gibt mit Pincode oder Handsender zu öffnen, bietet Burg-Wächter auch noch einen Fingerscanner.
Zudem gibt es für das Burg-Wächter System als Zubehör eine PC-Software die einem Zugang zu weiteren Möglichkeiten eröffnet. So lassen sich für einzelne Benutzer Zeitfenster einrichten zu denen sie die Wohnung betreten können. Auch ein Protokoll wer wann die Wohnung betreten hat ist darüber auslesbar.
Ich habe das TSE-5002 nun seit knapp 2 Wochen in Betrieb. Der Einbau war ein Kinderspiel, die beiden Knaufe lassen sich in einem weiten Bereich verschieben und an jede Türstärke anpassen. Die Programmierung ging auch schnell vonstatten (Pincodes und Fingerscans für die ganze Familie) und seitdem läuft das Schloss absolut zuverlässig. Der Fingerscanner hatte bisher keine einzige Fehlfunktion.
Ich bin froh den Mehrpreis für das System mit Scanner ausgegeben zu haben, das ist schon wesentlich angenehmer als jedes mal 6 Ziffern eintippen zu müssen.
Am ersten Tag war mir schon etwas mulmig wenn ich die Wohnung verlassen habe. Komme ich da auch wieder rein? Aber die Angst war völlig unbegründet, es läuft alles wie geschmiert.
Um die Einbruchsicherheit braucht man sich auch keine Gedanken machen. Während bei normalen Schliesszylindern noch die Möglichkeit besteht diese mit speziellem Dietrich-Werkzeug zu öffnen, ist dies hier nicht möglich. Da der Notschlüssel völlig anders gestaltet ist, und der Mechanismus sehr viel kleiner ist, dürfte sich ein Dieb hier sehr schwer tun. Auch mit einem gestohlenen Bedienteil kann ein Dieb nichts anfangen, da im Bedienteil keinerlei Daten gespeichert sind, noch nicht einmal die Uhrzeit. Alle Daten befinden sich in der Elektronik des Schliesszylinders auf der Tür-Innenseite.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zu dem billigeren 3000er System von Burg-Wächter: hier ist die Verbindung zwischen Tastatur und Schloss per Kabel realisiert, nicht per Funk. Das bedeutet wesentlich mehr Aufwand beim Einbau und man muss die Tür anbohren (8mm Loch durch das der Stecker des Kabels passt). Auch die Anpassung an die Türstärke ist wesentlich aufwendiger. Und zuguterletzt gibt es keinen Notschlüssel. Ich würde von dem 3000er System abraten und auf jeden Fall ein Schloss aus der 5000er Serie nehmen. Der Zylinder ist hier immer der gleiche Funkzylinder, lediglich das mitgelieferte Bedienteil unterscheidet sich (Handsender, Pincode oder Fingerscan). Außerdem lässt sich das 5000er bei einem Umzug leicht ausbauen, mitnehmen und in eine andere Tür einbauen. Beim 3000er ist dies nicht möglich, da dort für die Türanpassung Stäbe abgesägt werden müssen, und ein entfernen hässliche Löcher in der Tür hinterlassen würde.
Noch ein Tip für die Montage des Bedienteils an der Tür: statt es anzuschrauben (was wieder Löcher hinterlässt) eignet sich ganz hervorragend Fix-o-Moll Super-Montageband mit dem man es ankleben kann. Dieses Klebeand hält besser als Schrauben, und man bekommt es (wenn auch mühsam) ohne Spuren wieder von der Tür weg.