Vielleicht läßt sich die Freude, die mich beim Lesen dieses Buches "besuchte", mit der heimlich-humorigen "Näpfchenfreude" des Autors vergleichen. Immer wieder mußte ich unvermittelt kichern. Von der ersten bis zur letzten Seite labten sich in mir Herz und Hirn an der Poesie und der blumigen Lebendigkeit dieser wieder und wieder überraschenden Sprach:bilder.
Des Autors auf den ersten Blick so fremdartigen Sinn für Ordnungen und Muster - hier ist durchaus nicht jene Ordnung gemeint, die so leicht(fertig) in einem Atemzug mit dem Unwort Zucht genannt wird - ist ein überaus poetisches Buch entsprungen. Der gekonnt spielerische Umgang mit Sprache verwirrt, amüsiert und ist doch einfühlbar bis ins Detail. Und diese sinnlich-betörenden Wortschöpfungen! Da wischelt es, bis es sich ausgewischelt hat, da schaut das geübte Teppichauge den stummelbeinigen Kleiderschrank fragend an, da kümmert sich eine lichtelschöne Buntschattenfrau in wolkenweißer Aufmachung um den Vierjährigen!
Wer nach dem Lesen dieses Buches noch ohne Einschränkung von Krankheit, Leidensgeschichte oder gar unglücklicher Kindheit spricht, hat nichts begriffen. Nie ist mir eine Kinderseele so ergreifend nahe gebracht worden.
Mir scheint, Autisten sind die einsam-verträumten Wanderer auf einer Grenzlinie, einer Grenzlinie, von deren Existenz wir "maren" (normalen) nur selten etwas ahnen. Axel Brauns läßt uns mit seinem Buch einen Blick werfen in jene andere Welt, eine Welt, in der es Momente gibt, die "Belohnung in sich selbst finden". Er hat die Gaben, die ihm in die Wiege gelegt wurden, zu nutzen gewußt. Denn er hat den schwierigen, viele Lebensjahre in Anspruch nehmenden Spagat auf dieser Grenzlinie gewagt und mit Bravour gemeistert. Um uns von seiner Welt zu erzählen. Dank dafür!