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Bin ich ein Buntschatten?, 7. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Buntschatten und Fledermäuse: Leben in einer anderen Welt (Gebundene Ausgabe)
Eines der größten und zugleich beunruhigendsten Rätsel für uns Menschen ist die Frage nach der subjektiven Wahrnehmung der Welt. Bin ich der einzige, der die Welt so sieht, wie ich es tue? Oder sehen wir sie alle gleich? Dass Autisten die Umwelt anders wahrnehmen, ist wohl inzwischen unumstritten. Doch macht dieses augenfällige Anderssein Menschen mit diesem seltsamen Handicap nicht gerade so besonders fremd? Warum wird denn der Autist vom Laien spontan als geistig behindert angesehen? Axel Brauns hat mit seinem Buch „Buntschatten und Fledermäuse" etwas für viele sicher ganz Unerwartetes getan. Er läßt uns hineinblicken in seine Gedankenwelt, läßt uns einen Blick durch seine Augen tun. Dabei geht er ganz und gar kompromißlos vor. Er versucht nicht zu umschreiben oder zu erklären, sondern konfrontiert den Leser mit seinen Bildern, seinen Geräuschen und seinen Empfindungen, die teilweise so anders sind, dass es sogar eine eigene Sprache braucht, um manches zu benennen. Wer sich darauf einläßt, wird unversehens in den Bann dieses Buches gezogen. Je nach Gemütslage macht der Leser eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Es ist keine Autobiographie im eigentlichen Sinne, sondern mehr das Protokoll eines Alltags, der für den „Normalen" alles andere als alltäglich anmutet. Die fast größte Überraschung ist der höchst unterhaltsame Stil voller subtilem Humor und gekonnter Wortmalerei. Ein Buch, das mehr den Bauch als den Kopf anspricht. Ein Buch, das eine emotionale Annäherung an ein Phänomen ermöglicht, welches bislang fast ausschließlich wissenschaftlich untersucht wurde. Ein Buch, das absolut lesens- und liebenswert ist. Verständlich der bisweilen geäußerte Wunsch nach einer Fortsetzung, zumal die Geschichte sehr plötzlich und ohne ein geschlossenes Ende abbricht. Doch vielleicht muß das so sein. Vielleicht steckt auch darin ein Teil der Botschaft. Vielleicht würde ein Band 2 die Einzigartigkeit zerstören?
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72 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wanderer auf einer Grenzlinie, 14. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Buntschatten und Fledermäuse: Leben in einer anderen Welt (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht läßt sich die Freude, die mich beim Lesen dieses Buches "besuchte", mit der heimlich-humorigen "Näpfchenfreude" des Autors vergleichen. Immer wieder mußte ich unvermittelt kichern. Von der ersten bis zur letzten Seite labten sich in mir Herz und Hirn an der Poesie und der blumigen Lebendigkeit dieser wieder und wieder überraschenden Sprach:bilder. Des Autors auf den ersten Blick so fremdartigen Sinn für Ordnungen und Muster - hier ist durchaus nicht jene Ordnung gemeint, die so leicht(fertig) in einem Atemzug mit dem Unwort Zucht genannt wird - ist ein überaus poetisches Buch entsprungen. Der gekonnt spielerische Umgang mit Sprache verwirrt, amüsiert und ist doch einfühlbar bis ins Detail. Und diese sinnlich-betörenden Wortschöpfungen! Da wischelt es, bis es sich ausgewischelt hat, da schaut das geübte Teppichauge den stummelbeinigen Kleiderschrank fragend an, da kümmert sich eine lichtelschöne Buntschattenfrau in wolkenweißer Aufmachung um den Vierjährigen! Wer nach dem Lesen dieses Buches noch ohne Einschränkung von Krankheit, Leidensgeschichte oder gar unglücklicher Kindheit spricht, hat nichts begriffen. Nie ist mir eine Kinderseele so ergreifend nahe gebracht worden. Mir scheint, Autisten sind die einsam-verträumten Wanderer auf einer Grenzlinie, einer Grenzlinie, von deren Existenz wir "maren" (normalen) nur selten etwas ahnen. Axel Brauns läßt uns mit seinem Buch einen Blick werfen in jene andere Welt, eine Welt, in der es Momente gibt, die "Belohnung in sich selbst finden". Er hat die Gaben, die ihm in die Wiege gelegt wurden, zu nutzen gewußt. Denn er hat den schwierigen, viele Lebensjahre in Anspruch nehmenden Spagat auf dieser Grenzlinie gewagt und mit Bravour gemeistert. Um uns von seiner Welt zu erzählen. Dank dafür!
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47 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dankbarkeit, 22. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Buntschatten und Fledermäuse: Leben in einer anderen Welt (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch von Axel Brauns hat mich sehr berührt. Es hat mich gefesselt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Oft musste ich schmunzeln, aber genau so oft traten mir die Tränen in die Augen, denn ich konnte einige Parallelen zu meinem 6jährigen Sohn spüren, der starke autistische Züge und Wahrnehmungs- störungen hat. Axel Bauns hat mir geholfen meinen Sohn in manchen Situationen besser zu verstehen und dafür danke ich ihm sehr, denn mit einem autistischen Kind zu leben, muss man erstmal lernen, besonders wenn man erst sehr spät erfährt was dem eigenen Kind fehlt. Ich hoffe, das Axel Brauns irgendwann aus seinem weiteren Leben erzählt und er seine Geschichte für seine begeisterten Leser aufschreibt. Die ganzen Ratgeber, die es über Autismus gibt sind sicher sehr gut, aber wenn man durch einen Menschen wie Axel Brauns erfährt, wie es im Innern des eigenen Kindes aussieht, dann ist das was ganz besonderes. Nochmals vielen Dank lieber Axel für dieses Buch, das mir teilweise die Seele meines Kindes geöffnet hat.
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