Ich habe soeben die letzten Seiten von Bunny und Blair" hinter mich gebracht und es ist tatsächlich so - man muss es hinter sich bringen. Seltsamerweise kann ich nicht sagen, dass es mir überhaupt nicht gefallen hat, aber es waren mit ziemlicher Sicherheit die 390 unentschlossendsten Seiten meines Lebens. In der Mitte des Buches war ich mir sicher - es wird wirklich schlecht oder mit dem richtigen Knaller am Ende grandios.
Wie man sich doch täuschen kann - das Ende war zwar in sich schlüssig, aber die Geschichte wurde ab Seite 300 von DBC Pierre mit fast schon gewaltsamer Entschlossenheit zu ihrem viel zu vorhersehbaren Höhepunkt getrieben und von den ausufernden Anekdoten, die das Buch stellenweise amüsant machten, blieb nichts übrig.
Inhaltlich ist das Buch ziemlich schräg und vor allem: dünn. Ludmillas Geschichte im kalten Hinterland von Mütterchen Russland mag noch durchgehen, aber die Geschichte der siamesischen Zwillinge Bunny und Blair ist überflüssig. Es geht um Sex, Drogen und Lifestyle aka Geltungssucht. Das hört sich nach Bret Easton Ellis an, liest sich auch ebenso gut, aber bei Ellis wird das Ganze zu einer durchaus vorstellbaren Farce und nicht zur absurden Komik. Dünn ist die Geschichte auch, weil viele Fragen nicht beantwortet werden, aber vielleicht interessieren die Antworten auch nur mich.
Kleines Beispiel:
Die Heath-Zwillinge sind 33 Jahre zusammengewachsen und ein kurzer Prolog sagt uns, dass sie nun auseinanderoperiert wurden. Nun haben die meisten siamesischen Zwillinge 2 Arme, 2 Beine, 2 Köpfe... was haben die Heaths? Keine Ahnung? Haben sie auch noch Arme und Beine bekommen? Waren Sie eine besondere Form von Zwillingen? Und vor allem - wenn Bunny, wie geschrieben steht, parasitär war, ist davon auszugehen, dass er sich den Organen und Lebensfunktionen Blairs bedient hat. Und nun? Auch nach 390 Seiten habe ich auf diese Fragen keine Antwort gefunden.
Wie gesagt, Bunny und Blair" lässt sich gut lesen, amüsiert stellenweise ordentlich, ist aber kein Buch, was empfohlen werden sollte und da ich selten bis nie ein Buch eines Autors lese, bei dem mir ein Vorgänger schon nicht gefallen hat, bin ich froh, dass ich Jesus von Texas" zuerst in den Händen hatte. Andersherum wäre mir sonst das grandiose Erstlingswerk DBC Pierres nach diesem mauen Buch durch die Lappen gegangen.