Hurra! Dank Bully kann ich nun endlich einmal alle Dinge machen, die ich mich im echten Leben während meiner Schulzeit nie getraut hätte. Eier werfen, wahllos Leute verprügeln, anpöbeln oder anspucken, Graffitis an Schulwände sprühen... danke, Rockstar Games.
Jimmy Hopkins ist das neue Kind auf der Bullworth Academy, auf die ihn seine überforderte, unglaublich unsympathische Mutter schickt, nachdem er bereits zum x-ten Mal von einer Schule geflogen ist. Die neue Lehranstalt soll ihm Manieren beibringen - leider ist sie nicht halb so nobel wie es der Direktor sich gerne einredet. Die Präfekten sind wild und warten nur darauf, die Schüler für Dummheiten zu bestrafen, die Lehrer sind abgewrackte Karikaturen ihrer selbst und dann gibt es natürlich noch die obligatorischen Schülercliquen - Nerds, Jocks, Preps, alles ist hier vertreten. Protagonist und Soziopath Jimmy denkt gar nicht daran, sich hier irgendwas beibringen zu lassen, er strebt nach Höherem: König der Schule zu werden. Und so arbeitet man sich in unzähligen Missionen Stück für Stück an die Spitze und bringt Clique um Clique auf seine Seite.
Die Handlung des Spiels ist politisch furchtbar unkorrekt und wäre in vielerlei Hinsicht sicherlich ein wenig problematisch, wenn man Parallelen zur Realität und den Zuständen an vielen Schulen ziehen würde. Allerdings wird bei Bully alles so dermaßen überspitzt dargestellt, dass man sich oft ein Lächeln nicht verkneifen kann. Das Spiel versucht gar nicht erst, soziale Verhaltensweisen oder einen friedvollen Umgang als Lösungsweg aufzuzeigen - im Gegenteil wird man dazu ermutigt, sich möglichst wild zu verhalten. Und es macht verdammt noch mal Spaß, ahnungslose Kinder in Schulspinde oder Mülltonnen zu stecken..
Neben den Hauptmissionen, in denen die Handlung des Spiels erzählt wird, gibt es noch zahlreiche Nebenmissionen und Aufgaben, die es zu erfüllen gibt. Rasenmähen, Zeitungen austragen, kleine Aufgaben erledigen für Schüler und Stadtbewohner, all das bringt Geld, mit dem man sich in Bullworth Town, der Stadt die in der großen Spielwelt um die Schule herum aufgebaut ist und deren Teile sich erst nach und nach erschließen, Kleider, Haarschnitte und diverse Gebrauchsgegenstände wie Sprayfarben kaufen kann. Daneben sind verschiedene Sammelgegenstände im Spiel versteckt wie Gummibänder oder Trading Cards, deren Fund verschiedene Dinge im Spiel freischaltet. Zweimal am Tag finden Unterrichtsveranstaltungen statt, die in Form von Minigames ablaufen und für dessen Bestehen man belohnt wird. Für Langzeitmotivation ist also durchaus gesorgt.
Die Wii-Steuerung geht gut von der Hand, geschlagen wird durch Bewegen der Wiimote und des Nunchuks, Gegenstände können mit + und - ausgewählt werden, Interaktionen mit den Charakteren laufen über die Steuerkreuztasten. Die Grafik ist ok, ich bin fest davon überzeugt, dass die Wii noch ein bisschen mehr kann, aber wirklich hässlich ist das Spiel nicht.
Ich sage: kaufen! Das Spiel macht Spaß, es ist sehr günstig zu bekommen und eines der wenigen Spiele auf der Wii, die nicht die Casual Gaming-Schiene fahren. Die englische Version ist komplett mit deutschen Untertiteln und deutschen Menüs, lediglich Verpackung und Spielanleitung sind auf englisch.