"Bullshit Nights" ist sehr plastisch und lebendig geschrieben. Man spürt, dass der Autor diese Dinge tatsächlich erlebt und am eigenen Leib erfahren hat und leidet förmlich mit, auf dem Lebensweg von Vater, Mutter und Sohn. Aber nach dem soundsovielten Drogenrausch fängt man irgendwann unwillkürlich an zu seufzen: "Ja, ich hab's allmählich kapiert." Und das ist die ganz große Schwäche des Buches: Schon nach wenigen Kapiteln hat man eigentlich alles gelesen. Alles was danach noch kommt ist eine sich immer wieder wiederholende Endlosschleife aus Drogen- und Gewalt, Alkohol, Hoffnungslosigkeit, aufkeimender Hoffnung, weiteren Schicksalschlägen, dann wieder Drogen, Kriminalität und so weiter und so weiter ...
Schlimm genug, dass jemand das alles tatsächlich durchleiden musste, aber dennoch las ich nach zweihundert Seiten nur noch weiter, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte letztlich ausgeht, oder ob es irgendwann einmal etwas Neues gibt. Gab es aber nicht. Drogen, Alkohol, Verzweiflung ... Immer öfter ertappte ich mich dabei, wie ich anfing, Seiten auszulassen, ja, ganze Kapitel zu überblättern. Was konnte ich schon verpassen? Den nächsten Schicksalsschlag, die darauf folgenden weiteren Drogenräusche, Verzweiflungstaten, Knast, Alkoholexzesse ...
Dreihundertsechzig Seiten hat das Buch. Das Ganze zusammengedampft und komprimiert auf die Hälfte hätte es möglicherweise zu einem wirklich guten Buch gemacht.