Dieses Buch von Andreas Maier (er hat eben den Hugo Ball-Preis bekommen) und Christine Büchner ist sinnlich, eigen, still, außerordentlich witzig und dabei philosophisch und leicht. Es ist wie frische Luft. In sieben "Kapiteln" (oder sollte man es besser Etappen nennen?) erzählen ein Schriftsteller und eine Theologin ein Finden von Etwas, das sie unter dem Überbegriff "Natur" zusammenfassen - vielleicht, weil es kein anderes Wort in unserer Sprache dafür gibt. Denn ist eigentlich nicht alles Natur? (Die Stadt und das Plastik auch?) Ein wohltuendes Neusehen der Welt stellt sich beim Lesen dieses zutiefst unprätentiösen, kleinen Buches ein, dass leichthändig geschrieben ist und eine Frage stellt: Kommt die Langeweile, der Alltag und der Automatismus, der sich zunehmend in unsere Wahrnehmung einschleicht vielleicht nur daher, weil man die Welt nicht mehr auf neue, ungewohnte Art und Weise anschauen kann? Die Reise geht durch Städte wie Köln, durch die Wetterau, durch den Odenwald und Schreyahn, durch Wiesen, Wälder, Parkplätze, wach und mit offenem, neugierigen Blick gerüstet, die Betrachter finden Gundelrebe, Goldhähnchen, Nachtigallen, Eisvögel, Wohlverleih und Heil-aller-Schäden, wie der Ehrenpreis mancherorts noch genannt wird. Dieses Buch ist kein "Muss", kein "Wollen", kein "Machen-Sie-das-doch-auch-mal!" Es fragt leise und bescheiden, ob die Welt und ihr Betrachter nicht doch etwas miteinander zu tun haben könnten. Es ist mindestens gelungen und klug, schwer okay, zutiefst amüsant und unbedingt empfehlenswert. Hier schreiben ein Könner und eine Lebenskünstlerin oder ein Lebenskünstler und eine Könnerin auf eine Weise, die man nur selten findet.