Mitreißend, aufwühlend und einfach nur wunderschön. Mit anderen Worten kann man das DEMIANS-Debut "Building an empire" eigentlich unmöglich beschreiben. Denn das, was Soundtüftler Nicolas Chapel auf diesem rund einstündigen Masterpiece abliefert, ist für mich eine komplettesten und feinfühligsten Prog-Rock-Scheiben seit Ewigkeiten. Und das musikalische Potential des Monsieur Chapel - der "Building an empire" tatsächlich komplett im Alleingang komponiert und eingespielt hat - scheint sich in Szenekreisen schon rumgesprochen zu haben. Einer der heißesten DEMIANS-Unterstützer ist hierbei übrigens kein geringerer als Steven Wilson von PORCUPINE TREE. Also einer der kreativsten und wegweisendsten Rock-Musiker, den das Business in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat. Verwunderlich ist dies jedoch nicht...denn "Building an empire" bietet (fast über die kompletten 65 Minuten!) vertonte Prog-Rock-Poesie zum Träumen, und kann den Einfluss von PORCUPINE TREE dabei zu keiner Zeit verbergen. Vor allem in Punkto Songaufbau und Gitarrenarbeit könnte man glatt den Eindruck gewinnen, Steven Wilson hätte hier tatsächlich seine Hände im Spiel gehabt.
Doch PORCUPINE TREE scheint nicht die einzige Inspirationsquelle von Nicolas Chapel zu sein. Nicht selten schimmern auch eindeutige musikalische Parallelen zu PURE REASON REVOLUTION oder seichten DREAM THEATER durch. So errinert die musikalische Ausrichtung von Songs wie "Shine" , "Sapphire" oder dem tadellosen Opener "The perfect symmetry" stellenweise an düstere DT-Songs wie "Misunderstood" (von "Six degrees of inner turbulence"), wobei Chapel gesanglich glatt als kleiner Bruder von DT-Shouter James La Brie durchgeht. Hier gibt es haufenweise verzaubernde Melodien, die den Hörer zum Träumen einladen, und ihn unter dem Kopfhörer den Alltagsstress vergessen lassen. Zahlreiche Akkustik-Passagen, schwärmende Keyboard-Teppiche und zarte Streicher-Arrangements leisten dabei ihr übriges.
Nicolas Chapel gehört nicht zu dieser Art Musiker, die dem Hörer ihre spielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen wollen. Denn ausufernde, kaum nachvollziehbare Sound-Abfahrten findet man auf "Building an empire" vergebens. Und auch richtig megaharte Momente muss man stellenweise mit der Lupe suchen, wenn gleich das Gros der Songs - wie z.B. der Alternative geschwängerte Groover "Naive" - richtig schön zielgerichtet nach vorne rockt. Aber vielleicht macht dies einfach den Reiz von DEMIANS aus. Denn auf diesem famosen 9-Tracker (inkl. Bonus-Song) regieren fast ausschließlich die ruhigen, gemäßigten Töne. Ein Album für gewisse Stunden. Verschweigen sollte man dennoch nicht, dass Monsieur Chapel - vor allem im Mittelteil von "Builing an empire" - ein wenig der rote Faden verloren geht. Denn speziell auf eher mittelprächtigen Liedchen wie "Empire" oder "Temple" agieren DEMIANS ein wenig unschlüssig und ideenlos, was diese Songs auf Dauer ziemlich eintönig macht. Auch der 16minütige Long-Track "Sands" plätschert anfangs recht belanglos vor sich hin, steigert sich bei fortlaufender Spielzeit (vor allem härtetechnisch!) aber gehörig, ehe er letztlich doch noch die Prog-Rock-Kurve bekommt. Höhepunkt von "Builing an empire" ist jedoch der geniale Rausschmeisser "Earth", der mit Melodien für die Ewigkeit gesegnet ist, und dessen luftig rockige Arrangements sogar vereinzelt Parallen an die DAVE MATTHEWS BAND aufzuzeigen scheinen. Als Fazit bleibt eigentlich nur festzuhalten, dass DEMIANS eine der größten Überraschungen des Jahres 2008 ist, und in jede gut sortierte CD-Sammlung gehört. Schade nur, dass dieses grandiose Album wohl niemals den Erfolg einfahren wird, den es eigentlich verdient hätte. Ich kann jedenfalls nur sagen "Hut ab!"...oder, um in der Landessprache vom Nicolas Chapel zu bleiben "Chapeau!".