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Vuko dagegen wollte keine Karriere machen, sondern seinen Kopf retten. Im Bosnienkrieg war er Offizier und muss nun fürchten, dass er wegen Kriegsverbrechen gesucht und verurteilt werden würde. In den USA geriert er sich als Opfer, als bosnisches Raubein vermag er die Amerikanerinnen zu becircen und eine heiratet ihn dann auch, verzeiht ihm alle Fehler und Grausamkeiten, weil sie es als „kulturelle Differenzen" versteht.
Hasan ist Muslim, aber Atheist. Im Gegensatz zu Vuko, dem Meister der Selbstdarstellung ist er ein introvertierter Mann, schüchtern, nicht fähig, sich durchzusetzen, nicht gegen Vuko, nicht gegen seine Frau. Und so nimmt eine aberwitzige Geschichte ihren Anfang, die eigentlich nur einen Tag dauert, in den der Autor aber die ganze Tragik der Exilanten aufleben lässt und uns zugleich einen Einblick in Bosnien vor und während des Krieges gibt. Rückblenden in die Kindheit, innere Monologe seiner Personen wechseln mit Abschnitten, in denen der Autor über Bosnien auktorial erzählt, wir die Stimme des Autors hören, mit Perspektiv- und Erzählwechseln, die eigentlich nie funktionieren, aber hier tun sie es doch und allein das würde das Buch schon lesenswert machen.
Dazu kommt schwarzer Humor, Witz, die eindrückliche Schilderung, wie Amerikaner und Deutsche - Hasans Frau kommt aus Bayern - sich den „Nationalcharakter" der Bosnier erklären, wie die Exilanten diese Bilder zu ihren Gunsten oder auch Ungunsten benutzen. Gängige Klischees und Wirklichkeit tanzen einen absurden Tango miteinander; detailreich, aber nie weitschweifig, stilistisch hervorragend geschrieben hat die Geschichte eine Sogwirkung, die den Leser bald mitreißt. Eines der wenigen Bücher, das man sofort zweimal lesen kann, wegen der Spannung, wegen der Tiefe, wegen der genauen Charakterschilderungen.
Vor einem sei gewarnt: Auch wenn ausführlich die Kindheit der beiden Männer geschildert wird, beide sind nicht „der" typische Muslim, „der" typische Serbe. Eigentlich ergibt sich das aus der Erzählung, aber dennoch wird das in Rezensionen immer wieder behauptet. Vuko wuchs bei einem sadistischen Vater auf, Hasan in einer fast idyllischen Familiensituation, auch das unterscheidet sie.
Eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres, zu dem man nur eins sagen kann: Lesen, Lesen, Lesen!
(C) Hans Peter Roentgen
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