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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Abseits des Krieges,
Rezension bezieht sich auf: Buick Rivera (Gebundene Ausgabe)
Hasan Hujdur aus der Herzegowina lebt seit Jahren als mehr oder weniger erfolgreicher Regisseur in Toledo, USA, als ihn dort plötzlich der Krieg im Heimatland einholt. Vuko Šalipur, aus dem serbischen Teil Bosniens nimmt ihn mit, nachdem sein ein und alles, ein uralter Buick Rivera, den Hasan mit Hingabe pflegt, im Schneegestöber im Straßengraben gelandet ist. Und diese Begegnung wird für beide schicksalhaft, eine Verkettung von Zufällen führt dazu, dass die beiden wildfremden Männer, die sich nichts zu sagen habe, aufeinander angewiesen sind und letztlich ihr Leben völlig ändern müssen. Während der introvertierte Hasan immer mehr aus seinem Traumleben geholt wird und die Wirklichkeit erkennt, wird dem impulsiven Vuko bewusst, dass seine Kurzschlussaktionen auf die Dauer nichts bringen und er seine dauernden Selbstzweifel abstellen muss. Unterstützt werden die beiden in ihrer Selbstfindung von Piero, einem paranoiden italienischen Nichtstuer und José, einem depressiven Spanier, in dessen Lokal sich die vier zusammenfinden und das der Knackpunkt in deren Leben sein soll.Jergoviæ schildert mit dieser kleinen Geschichte auf Genaueste den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, obwohl die Handlung ganz woanders spielt und die beiden Protagonisten den Krieg selbst auch kaum erwähnen. Die erklärenden Kapitel, die Jergoviæ zwischen dem Handlungsstrang einsprengt, sind fast schon zu ausführlich, da durch die starken Charaktere von Hasan und Vuko alles von selbst gesagt wird. Und genau das ist die Kunst von Jergoviæ: mittels scheinbar belanglosen Charakteren einen Krieg zu beschreiben, der bis heute nicht fassbar ist. Und Buick Rivera, dieses Auto, das die meiste Zeit des Romans nur im Schnee steht oder liegt wird dann am Ende der stärkste Charakter und die Erklärung dessen, was vorgegangen ist und immer noch vorgeht. Wer abseits der Betroffenheitsliteratur die Geschehnisse am Balkan vor 10 Jahren literarisch erfahren möchte, dem sei zu diesem Buch dringest geraten! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schatten des Krieges,
Von
Rezension bezieht sich auf: Buick Rivera (Gebundene Ausgabe)
Zwei Bosnier begegnen sich ausgerecht auf einer einsamen amerikanischen Straße in der Nacht. Hasans alter Buick Rivera, Baujahr 1963, seine einzige Liebe, liegt im Straßengraben und Vuko hält an und will ihm helfen, ihn herauszuziehen. Doch das gelingt nicht und Vuko fährt den Landsmann zu seiner Frau, einer erfolglosen Schauspielerin im Theater, die mit ihrem Engagement nicht nur sich, sondern auch Hasan ernährt. Dessen Träume von der Regie-Karriere, wegen der er vor 22 Jahren nach Amerika kam, sind nämlich längst ausgeträumt.Vuko dagegen wollte keine Karriere machen, sondern seinen Kopf retten. Im Bosnienkrieg war er Offizier und muss nun fürchten, dass er wegen Kriegsverbrechen gesucht und verurteilt werden würde. In den USA geriert er sich als Opfer, als bosnisches Raubein vermag er die Amerikanerinnen zu becircen und eine heiratet ihn dann auch, verzeiht ihm alle Fehler und Grausamkeiten, weil sie es als „kulturelle Differenzen" versteht. Hasan ist Muslim, aber Atheist. Im Gegensatz zu Vuko, dem Meister der Selbstdarstellung ist er ein introvertierter Mann, schüchtern, nicht fähig, sich durchzusetzen, nicht gegen Vuko, nicht gegen seine Frau. Und so nimmt eine aberwitzige Geschichte ihren Anfang, die eigentlich nur einen Tag dauert, in den der Autor aber die ganze Tragik der Exilanten aufleben lässt und uns zugleich einen Einblick in Bosnien vor und während des Krieges gibt. Rückblenden in die Kindheit, innere Monologe seiner Personen wechseln mit Abschnitten, in denen der Autor über Bosnien auktorial erzählt, wir die Stimme des Autors hören, mit Perspektiv- und Erzählwechseln, die eigentlich nie funktionieren, aber hier tun sie es doch und allein das würde das Buch schon lesenswert machen. Dazu kommt schwarzer Humor, Witz, die eindrückliche Schilderung, wie Amerikaner und Deutsche - Hasans Frau kommt aus Bayern - sich den „Nationalcharakter" der Bosnier erklären, wie die Exilanten diese Bilder zu ihren Gunsten oder auch Ungunsten benutzen. Gängige Klischees und Wirklichkeit tanzen einen absurden Tango miteinander; detailreich, aber nie weitschweifig, stilistisch hervorragend geschrieben hat die Geschichte eine Sogwirkung, die den Leser bald mitreißt. Eines der wenigen Bücher, das man sofort zweimal lesen kann, wegen der Spannung, wegen der Tiefe, wegen der genauen Charakterschilderungen. Vor einem sei gewarnt: Auch wenn ausführlich die Kindheit der beiden Männer geschildert wird, beide sind nicht „der" typische Muslim, „der" typische Serbe. Eigentlich ergibt sich das aus der Erzählung, aber dennoch wird das in Rezensionen immer wieder behauptet. Vuko wuchs bei einem sadistischen Vater auf, Hasan in einer fast idyllischen Familiensituation, auch das unterscheidet sie. Eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres, zu dem man nur eins sagen kann: Lesen, Lesen, Lesen! (C) Hans Peter Roentgen Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Leider im Straßengraben gelandet!,
Von Mitternachtsleser (Berlin-Taunusstein-Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Buick Rivera: Roman (Taschenbuch)
Hasan Hujdur, moslemischer Bosnier, lebt seit zwanzig Jahren in den USA. Er ist den - damals noch nicht offen ausgebrochenen - Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien entflohen und hat sich ein selbstbestimmtes Leben als Regisseur in den USA erhofft. Durch seinen festen Grundsatz, in seiner Arbeit keinerlei Kompromisse einzugehen oder Einschränkungen seiner künstlerischen Freiheit zu dulden, ist der ökonomische Erfolg seiner Projekte allerdings ausgeblieben.Seine einzige wirkliche Bindung an die USA äußert sich in der Hingabe an sein Auto, einen 1963er Buick Rivera, dem er seine gesamte Zeit widmet. Er nennt ihn nicht einfach "meinen Buick" oder gar "Auto", sondern stets "korrekt mit Vor- und Zunamen": Buick Rivera. Die Ehe mit seiner deutschen Frau ist nicht zuletzt deshalb zerrüttet: Sie fühlt sich gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und ihren anscheinend erfolgsunwilligen Mann mit kleinen Engagements als Schauspielerin zu verdienen. Diese Verbitterung lässt sie ihn regelmäßig spüren. Hauptangriffspunkt ist dabei sein geliebter Buick, den sie als kostspieligen Schrotthaufen bezeichnet und Hasans Bindung an dieses Auto als Ausdruck seiner Egozentrik und mangelnder Liebe zu ihr ansieht. Als Hasan eines Tages seine Frau von einer der schlechtbezahlten Spätvorstellungen abholen will, landet Buick Rivera in Eis und Schnee im Straßengraben. Ein Mann hält an, um Hasan zu helfen. Dieser Mann ist Vuko Salipur, ein Serbe, der sich im Krieg gegen Kroaten und Moslems aktiv an Kriegsverbrechen beteiligt hat. Ein gewisser persönlicher Charme, Glück und Gerissenheit haben ihn jedoch vor Verhaftung und Anklage bewahrt und ihm zur Ausreise in die USA verholfen. Allerdings stehen ihm häufig seine Impulsivität und Brutalität im Wege, die gerade dafür verantwortlich sind, dass er mit gestohlenen Geld und gestohlenem Auto vor seiner wohlhabenden amerikanischen Frau flieht. Zuerst scheint, insbesondere auf Seiten Vukos, die Freude über die Begegnung mit einem Landsmann zu überwiegen. Die Gemeinsamkeiten der Herkunft werden aber schnell überlagert durch die gegenseitige Abneigung der beiden Männer: sie spüren, wären sie sich im Krieg begegnet, hätten sie sich vermutlich als Todfeinde gegenüber gestanden. Hier in den USA äußert sich diese Haltung in sich steigernden gegenseitigen Provokationen, die die Handlung vorantreiben. Kommt es zum Show-down? Das alles wird durch einen auktorialen Erzähler vorgetragen, der es leider nicht bei der Präsentation der Geschichte belässt, sondern - wie so häufig bei dieser Erzählperspektive - regelmäßig abschweift und scheinbar-allgemeingültige Wahrheiten verkündet (Männer "erzählen sich in fünfzig Jahren Freundschaft nicht so viel wie zwei Freundinnen während einer gemeinsamen Busfahrt durch die Stadt.") Wer diesen Stil schätzt, sollte unbedingt "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman." lesen! Ich vermag dieser allzu leicht ins Belehrende oder Geschwätzige abgleitenden Erzählperspektive meist wenig abzugewinnen. Unabhängig von diesem subjektiven Vorbehalt kann die Geschichte anfangs aus dem Antagonismus der beiden Hauptcharaktere durchaus Spannung schöpfen, die zum Weiterlesen motiviert. Dann aber treten große und kleinere Ärgernisse auf, die mir letztendlich die Lektüre dieses Romans vergällt haben: Was aus meiner Sicht völlig unnötig und deplatziert ist: Hasans bayerische Ehefrau muss tatsächlich Angela "Geli" Raubal heißen; sogar der Kosename genau wie bei Hitlers Nichte, die sich 1931 selbst getötet hat! Was soll das? Reiner Zufall, weil Raubal ja ein so typischer deutscher Name ist? Ein mal-sehen-ob's-jemand-merkt Scherz? Mein Humorzentrum trifft es jedenfalls nicht. Für die Geschichte ist diese Namenswahl völlig unnötig. Der Hauptkritikpunkt, der in meinen Augen endgültig den dritten Stern kostet, ist jedoch das unerwartet abrupte Ende der Geschichte: Auf wenigen Seiten und ausschließlich durch den Erzähler vermittelt erleben wir hier eine unwahrscheinliche, fast märchenhafte Wendung ("die Bösen werden gut"), die durch den paranoiden Ausnahmezustand der amerikanischen Gesellschaft nach dem Angriff auf das World Trade Center begründet und glaubwürdig gemacht werden soll. Bis kurz vor diesem Ende hätte sich die Geschichte grundsätzlich zu jeder Zeit nach dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien ereignen können. Das Ende jedoch ist ohne "9/11" nicht denkbar (falls man es überhaupt für denkbar hält!). Der Bezug auf diesen Terrorangriff ist in meinen Augen künstlich und durch die Geschichte nicht motiviert. Es wirkt daher auf mich in seiner Zeitgeistbeflissenheit - ich muss es so sagen - billig. Dazu kommen noch Kleinigkeiten: So hat es z. B. sogar der ebenso beliebte wie falsche "Looser" irgendwie am Heyne-Lektorat vorbei ins Buch geschafft. Insgesamt überwiegt damit der negative Anteil die wenigen herausragenden Passagen für mich so unverhältnismäßig, dass ich nicht mehr als zwei Sterne vergeben kann. (Ein Stern vergebe ich nur für komplett verunglückte Geschichten, von denen ich dringend abrate; das wäre hier zu stark!) So, jetzt muss ich noch schnell was in "Titos Gemüseladen" einkaufen, bei meiner Lieblingsverkäuferin, Herta Haas. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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