Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fortwährendes Fremdsein im gewünschten Exil, 25. April 2006
Jergovic, ein brillanter Schriftsteller, der in Deutschland für die FAZ und die Zeit politische Kolumnen geschrieben hat, siedelt diese Geschichte, nicht ohne humorvoll-satirischen Hintersinn, um den 11. September herum an
. Es geht um zwei jugoslawische Emigranten, der eine Serbe, der andere muslimischer Bosnier. Sie treffen sich rein zufällig in Amerika. Der eine ist schon vor dem Krieg in die USA ausgewandert, der andere hat im Krieg noch ordentlich mitgewirkt, hat nun berechtigte Angst, dass man ihn als Kriegsverbrecher nach Den Haag ausliefert.
Die beiden begegnen sich, zunächst scheint sie der Krieg wieder einzuholen, trotzdem entsteht eine ganz eigenartige Männerfreundschaft zwischen ihnen. Sie kommen ja aus einem Land das es nicht mehr gibt, und da ist, egal auf welcher Seite sie gestanden haben, ein Quantum Gemeinsamkeit, das sie mit einander verbindet.
Der eine, Hassan, in Gefühlsdingen sehr behäbig, sitzt in seinem Buick Rivera, für ihn Inbegriff des amerikanischen Autos schlechthin, träumt und reflektiert über dieses und jenes. Und eines Wintertages fliegt er mit dieser Schrottkiste bei einem Schneegestöber aus der Kurve und landet im Straßengraben. Ausgerechnet dort findet ihn sein bosnischer Freund. Er ist auf der Flucht, eigentlich typisch für ihn, immer wenn es brenzlig wird setzt er sich ab. Diesmal hat er sich gerade von seiner Frau getrennt, ist mit einer Stange Moneten unterwegs, um ein neues Glück zu suchen. In dieser Situation treffen die beiden aufeinander. Wie diese Begegnung abläuft, das beschreibt der Autor in sehr schönen, humorvollen, bewegenden Bildern.
Es ist ein großartiges Buch mit einer Feinheit der Sprache, die fasziniert. Dieser Roman ist unglaublich präzise, psychologisch ausgefeilt, grandios, in einer wundervoll ironischen und sarkastischen Sprache und Art geschrieben.
Ich empfehle die Lektüre dieses Buches mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielerlei Gründen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schatten des Krieges, 4. April 2006
Zwei Bosnier begegnen sich ausgerecht auf einer einsamen amerikanischen Straße in der Nacht. Hasans alter Buick Rivera, Baujahr 1963, seine einzige Liebe, liegt im Straßengraben und Vuko hält an und will ihm helfen, ihn herauszuziehen. Doch das gelingt nicht und Vuko fährt den Landsmann zu seiner Frau, einer erfolglosen Schauspielerin im Theater, die mit ihrem Engagement nicht nur sich, sondern auch Hasan ernährt. Dessen Träume von der Regie-Karriere, wegen der er vor 22 Jahren nach Amerika kam, sind nämlich längst ausgeträumt.Vuko dagegen wollte keine Karriere machen, sondern seinen Kopf retten. Im Bosnienkrieg war er Offizier und muss nun fürchten, dass er wegen Kriegsverbrechen gesucht und verurteilt werden würde. In den USA geriert er sich als Opfer, als bosnisches Raubein vermag er die Amerikanerinnen zu becircen und eine heiratet ihn dann auch, verzeiht ihm alle Fehler und Grausamkeiten, weil sie es als „kulturelle Differenzen" versteht. Hasan ist Muslim, aber Atheist. Im Gegensatz zu Vuko, dem Meister der Selbstdarstellung ist er ein introvertierter Mann, schüchtern, nicht fähig, sich durchzusetzen, nicht gegen Vuko, nicht gegen seine Frau. Und so nimmt eine aberwitzige Geschichte ihren Anfang, die eigentlich nur einen Tag dauert, in den der Autor aber die ganze Tragik der Exilanten aufleben lässt und uns zugleich einen Einblick in Bosnien vor und während des Krieges gibt. Rückblenden in die Kindheit, innere Monologe seiner Personen wechseln mit Abschnitten, in denen der Autor über Bosnien auktorial erzählt, wir die Stimme des Autors hören, mit Perspektiv- und Erzählwechseln, die eigentlich nie funktionieren, aber hier tun sie es doch und allein das würde das Buch schon lesenswert machen. Dazu kommt schwarzer Humor, Witz, die eindrückliche Schilderung, wie Amerikaner und Deutsche - Hasans Frau kommt aus Bayern - sich den „Nationalcharakter" der Bosnier erklären, wie die Exilanten diese Bilder zu ihren Gunsten oder auch Ungunsten benutzen. Gängige Klischees und Wirklichkeit tanzen einen absurden Tango miteinander; detailreich, aber nie weitschweifig, stilistisch hervorragend geschrieben hat die Geschichte eine Sogwirkung, die den Leser bald mitreißt. Eines der wenigen Bücher, das man sofort zweimal lesen kann, wegen der Spannung, wegen der Tiefe, wegen der genauen Charakterschilderungen. Vor einem sei gewarnt: Auch wenn ausführlich die Kindheit der beiden Männer geschildert wird, beide sind nicht „der" typische Muslim, „der" typische Serbe. Eigentlich ergibt sich das aus der Erzählung, aber dennoch wird das in Rezensionen immer wieder behauptet. Vuko wuchs bei einem sadistischen Vater auf, Hasan in einer fast idyllischen Familiensituation, auch das unterscheidet sie. Eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres, zu dem man nur eins sagen kann: Lesen, Lesen, Lesen! (C) Hans Peter Roentgen
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Abseits des Krieges, 27. April 2006
Hasan Hujdur aus der Herzegowina lebt seit Jahren als mehr oder weniger erfolgreicher Regisseur in Toledo, USA, als ihn dort plötzlich der Krieg im Heimatland einholt. Vuko Šalipur, aus dem serbischen Teil Bosniens nimmt ihn mit, nachdem sein ein und alles, ein uralter Buick Rivera, den Hasan mit Hingabe pflegt, im Schneegestöber im Straßengraben gelandet ist. Und diese Begegnung wird für beide schicksalhaft, eine Verkettung von Zufällen führt dazu, dass die beiden wildfremden Männer, die sich nichts zu sagen habe, aufeinander angewiesen sind und letztlich ihr Leben völlig ändern müssen. Während der introvertierte Hasan immer mehr aus seinem Traumleben geholt wird und die Wirklichkeit erkennt, wird dem impulsiven Vuko bewusst, dass seine Kurzschlussaktionen auf die Dauer nichts bringen und er seine dauernden Selbstzweifel abstellen muss. Unterstützt werden die beiden in ihrer Selbstfindung von Piero, einem paranoiden italienischen Nichtstuer und José, einem depressiven Spanier, in dessen Lokal sich die vier zusammenfinden und das der Knackpunkt in deren Leben sein soll.
Jergoviæ schildert mit dieser kleinen Geschichte auf Genaueste den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, obwohl die Handlung ganz woanders spielt und die beiden Protagonisten den Krieg selbst auch kaum erwähnen. Die erklärenden Kapitel, die Jergoviæ zwischen dem Handlungsstrang einsprengt, sind fast schon zu ausführlich, da durch die starken Charaktere von Hasan und Vuko alles von selbst gesagt wird. Und genau das ist die Kunst von Jergoviæ: mittels scheinbar belanglosen Charakteren einen Krieg zu beschreiben, der bis heute nicht fassbar ist.
Und Buick Rivera, dieses Auto, das die meiste Zeit des Romans nur im Schnee steht oder liegt wird dann am Ende der stärkste Charakter und die Erklärung dessen, was vorgegangen ist und immer noch vorgeht. Wer abseits der Betroffenheitsliteratur die Geschehnisse am Balkan vor 10 Jahren literarisch erfahren möchte, dem sei zu diesem Buch dringest geraten!
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