Der kinderlose Mittvierziger Jordi, der mit seiner Freundin im Tessin lebt und das Schiffsschlosserunternehmen seines inzwischen schwer krebskranken Vaters übernommen hat, gerät in eine schwere Krise, als er von dem Mord an dem Sohn eines Tauchkumpels erfährt. Dieser, er heißt Luca, war zur Karnevalszeit in eine Auseinandersetzung mit alkoholisierten bosnischen Einwanderern geraten und zu Tode geprügelt worden. Als Jordi die Nachricht erreicht, entschließt er sich spontan seinen Winterurlaub in Südamerika abzubrechen. Die Sprachlosigkeit in Anbetracht des Verbrechens und der Trauer, die dieses bei seinem Freund Umberto ausgelöst hat, lässt in Jordi den Entschluss reifen, etwas Verrücktes zu tun und das Ergebnis dem toten Luca zu widmen. Das Verrückte: die Bergung eines in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts versenkten Bugattis aus dem Lago Maggiore, von dem unter Wasser nur ein paar Räder zu sehen sind, der Rest von Schlamm begraben. Der geniale Konstrukteur Ettore Bugatti, der während des Krieges für die Franzosen einen neuen Flugzeugmotor entwickelte, ist das Band zu den ersten dreißig Seiten des Romans, die Tagebuchnotizen seines lebensüberdrüssigen Bruders Rembrandt füllen, eines Tierfiguren-Skulpteurs, der auch die legendäre Bugatti-Kühlerfigur (einen Elefanten) entworfen hat. Der tragische Unfall, bei dem seine Freunde Walter und Clémente einen Fahrradfahrer töten, erweist sich für den Leser, der eine Verbindung zum Gegenwartsstrang des Romans erwartet, jedoch als falsche Fährte.
Jordi schart für die Bergung Tauchkollegen um sich, beginnt auch zu recherchieren, was es mit dem mutmaßlichen Bugatti auf sich haben könnte, und stößt auf eine bizarre Geschichte: Der teure Wagen war von dem Hochstapler Frisée in Frankreich gewonnen worden, soll von dem Rennfahrer Dreyfus, dem größten französischen Rennfahrer während der Nazi-Ära, gefahren worden sein. Der Besitzer tauchte jedoch unter und der Mann, der den Bugatti in Vewahrung genommen hatte, wurde mit dem Problem der noch ausstehenden Zollgebühr für den aus dem Ausland in die Schweiz importierten Wagens konfrontiert. Kurz entschlossen beschloss dieser den teuren Problem-Wagen im Lago Maggiore zu entsorgen.
Jordis Bergungsaktion wird schließlich zum Desaster, denn sein vor Anker liegendes Bergungsschiff versenkt ein Gewittersturm. Jordi entschließt sich, motiviert von dem alten Bugatti-Experten, den er im Rahmen seiner Recherchen besucht, das Vorhaben dennoch zu Ende zu bringen: Er wird Luca ein ziemlich originelles Denkmal setzen.
Dass in diesem Roman zusammenwächst, was zusammengehört, kann man nun wahrlich nicht behaupten, denn ein jugendlicher Gewaltausbruch, der ein Todesopfer fordert, die Depressionen des Rembrandt Bugatti in den letzten beiden Lebensjahren vor seinem Freitod 1916 und ein von einer mittelschweren Sinnkrise gebeutelter Mittvierziger mit Taucherausrüstung - man braucht schon viel Fantasie, um daraus eine zusammenhängende Geschichte zu stricken. Entsprechend konstruiert wirken diese Zusammenhänge auch.
Der 200-Seiten-Roman der populären Theaterautorin fällt überdies in sich zusammen wie ein misslungenes Soufflé, dem die heiße Luft entweicht, wenn man etwas genauer unter die Lupe nimmt, wie sie auf diese 200 Seiten gekommen ist. Denn offenbar musste sie zunächst den Verfremdungseffekten des Theaters huldigen, dem sie ihren Ruhm verdankt, ehe sie zur Romancière mutieren konnte. Anders lässt sich kaum erklären, dass sie in einer endlosen monotonen Sprechmotette aus Zeugenaussagen rekonstruiert, wie Luca umgebracht wurde. Auch zehn Seiten wären noch schockierend genug gewesen, um den sinnlosen Gewaltausbruch als Symptom für den soziologischen Befund einer sittlich degenerierten Jugend würdigen zu können. Das repetitive Spiralverfahren der Autorin führt indes zu einer Lähmung, von der mancher Leser nur durch das rasche Überschlagen des zweiten Teils zu heilen sein dürfte.
Erst dann also, im dritten Teil, Jordis Geschichte, in die das Leben, das die Autorin zuvor in der Schilderung der Marter, die Luca das Leben kostet, weitgehend zum Erlöschen brachte, jedoch nicht mehr so recht zurückkehren will. Man folgt dem oft teilnahmslosen Jordi, der so ganz nebenbei noch den Tod seines Vaters und die Unversöhnlichkeit des Bruders Manuel, eines Drogenrekonvaleszenten, der sich mit den Eltern überworfen hat, verkraften muss, man folgt Jordi also bei seinen mannigfachen Verrichtungen und den Zweifeln, die ihn dabei immer wieder hemmen; man sieht ihn aus dem Fenster pinkeln, weil die Bücherberge, die die Recherche bei dem kauzigen Bugatti-Kenner aufgetürmt hat, den Weg zum Klo versperren wie sein sonstiger Alltag den zu schlicht gelingendem Leben. Am Ende ist das Werk vollbracht, aber genau wie Jordi bleibt auch der Leser unschlüssig, ob sich das alles jetzt wirklich gelohnt hat.