Auch wenn Buffy und Co ihre kalifornische Kleinstadt gegen die schottischen Highlands als Zuhause eingetauscht haben, ist beruhigend vieles beim Alten geblieben. Obwohl Whedon in seinem Staffel-Auftakt" auf Action setzt, nehmen auch weiterhin die Beziehungen zwischen den Charakteren einen zentralen Platz in der Handlung ein. Diese sind übrigens nicht ganz so idyllisch und friedlich, wie es am Ende der TV-Serie den Eindruck erweckt hat: Giles und Willow sind nicht mit nach Schottland gekommen, tauchen allerdings im Verlauf der Handlung auf, und auch Faith hat sich offensichtlich ein anderes Zuhause gesucht. Jeder trägt seine eigenen Probleme mit sich herum, das augenscheinlich größte hat eingangs allerdings Buffys jüngere Schwester Dawn. Da hilft es auch nicht gerade, dass jede noch so friedlich begonnene Diskussion zwischen den beiden in einem Streit zu enden scheint.
Trotzdem sind es gerade solche Gespräche, die den lange vermissten Buffy-Flair" wieder aufleben lassen.
Ansonsten kleckert Whedon nicht und nutzt die Tatsache, beim Medium Comic nicht auf ein knapp bemessenes Special Effekt-Budget beschränkt zu sein: eine Armee von Zombies, Sprünge aus fliegenden Helikoptern, magische Luftkämpfe und überdimensionale Monster sorgen für Spannung. Einzig die kleinen geflügelten Feen, die ein paar Mal durch die Geschichte flattern, wirken etwas deplaziert und die Tatsache, dass man im Auftaktband der Serie kaum Vampire zu Gesicht bekommt, überrascht etwas.
Darüber sieht man jedoch leichten Herzens hinweg, denn ansonsten kommt die Geschichte sowohl erfrischend als auch überzeugend daher.
Mit der Übersetzung der TV-Episoden der Mystery-Serie hat das verantwortliche Synchronstudio seinerzeit (um es freundlich auszudrücken) ja nicht gerade eine Glanzleistung abgeliefert. Deshalb möchte man Panini herzlich dazu gratulieren, sich für die Comics mit Claudia Kern eine Übersetzerin an Land gezogen zu haben, für die die Arbeit an "Buffy" nicht nur ein Job ist, sondern eine Passion. Kern, selbst erklärter "Buffy"-Fan, hat in der Vergangenheit bereits diverse Artikel über die Kultserie veröffentlicht, sowie den originellen Serienführer "Das große Handbuch der Dämonen & Vampire". Aus diesem Grund ist sie sicher die richtige Wahl. Wenn es auch selbst ihr nicht zu hundert Prozent gelingt, die extrem pointierte Ausdrucksweise von Joss Whedon, von Insidern inzwischen augenzwinkernd "Buffy-Slang" genannt, eins zu eins ins Deutsche zu übertragen, so ist sie doch sehr nahe dran und begeht nicht den Fehler, die spritzigen Dialoge in eine peinlich anmutende Pseudo-Teenie-Sprache zu transponieren.
Ebenfalls erfreulich ist das redaktionelle Vorwort des Herausgebers, welches die wichtigsten Ereignisse der sieben TV-Jahre "Buffy" nochmal zur Auffrischung im Schnelldurchlauf Revue passieren lässt. Dies macht es auch jenen Comiclesern leichter, die nicht akribisch jede einzelne Folge der Serie verfolgt haben und mit der Zuordnung der Nebencharaktere aus verschiedensten Staffeln, die sich im Comic ein Stelldichein geben, sonst sicher mehr Schwierigkeiten hätten. Für die weiteren Bände dürfte der redaktionelle Teil sogar noch etwas ausführlicher ausfallen. Schön ist auch, dass Panini am Ende des Softcovers alle amerikanischen Cover und Variant-Cover mit abdruckt, denn gerade die faszinierend realistischen Gemälde der Zeichnerin Jo Chen sind ein Augenschmaus.
Alles in allem bietet "Buffy (1) Die Rückkehr der Jägerin" all das, was die ehemaligen Fans seit Einstellung der Serie schmerzlich vermisst haben: intelligente, rasante und witzige Dialoge, große Momente und wunderbare kleine Szenen. Wenn der Auftakt auch in kleinen Punkten noch nicht hundertprozentig überzeugt, hebt sich der Comic dennoch qualitativ signifikant von der breiteren Masse anderer Film- und TV-Adaptionen in Comicform ab. Joss Whedon stellt ein weiteres Mal unter Beweis, dass er das Zeug dazu hat, Legenden zu schaffen.