Dass Joss Whedon, Produzent der Buffy-Serien, experiementierfreudig und "Buffy" keine "Mainstream-Soap" ist, ist spätenstens seit den Folgen "Hush" und "The Body" hinlänglich bekannt. Ein Unternehmen wie "Noch einmal mit Gefühl", fordert jedoch von allen - Produzent, Schreiber und Schauspielern - weit mehr, als man von einer durchschnittlichen Seriencrew erwarten würde. - Nicht unbedingt an Stimmgewaltigkeit und Musikalität (da hätten außer den Darstellern von Tara, Spike und Giles wohl die meisten versagt ;-)) sondern vielmehr an Mut und Enthusiasmus.
Die schrägen Stimmlagen, die den Soundtrack so herrlich professionell unprofessionell machen, sind gewollt und perfekt ins Konzept der Folge eingewebt: Ein Dämon zwingt alle Beteiligten zu Musik und Tanz - und zur Offenlegung all der kleinen und großen Geheimnisse, die bis dato verborgen waren. Performance und Texte sparen nicht mit Selbstkritik und Humor und bringen andererseits ernste, ja existentielle Probleme teils mit einer Leichtigkeit teils mit einer Dramatik zutage, wie man es von "großen" Musicals wie der "Westside Story" kennt. Entsprechend fordern gerade auch die Texte vom Zuhörer nicht nur Kenntnissse bisheriger Folgen und Staffeln, sondern auch einigermaßen fundiertes Englisch-Know-How, sonst bleibt vieles auf der Strecke.
Die Anknüpfung an die Musical-Tradition schlägt sich nicht nur in den Melodien nieder, die oft mehr an die "Ohrwürmer" von Leonard Bernstein und Andrew Lloyd Webber erinnern, als an die Bands, die üblicherweise die Musikuntermalung der Folgen bestreiten, sondern auch in Kostümen, Requisiten und so auch auf dem Cover der CD. Bei aller Traditionspflege ist "Noch einmal mit Gefühl" jedoch sehr modern und mit allen "pop culture references" ganz eindeutig ein "Kind" des 21. Jahrhunderts.
"Noch einmal mit Gefühl" ist ein erfrischend anderer Soundtrack, der nicht nur eingefleischte Buffy-Fans überzeugen, sondern auch andere Hörer neugierig machen dürfte!