Mary Buffet war zwölf Jahre lang die Schwiegertochter von Warren Buffett - dem erfolgreichsten Investor aller Zeiten. Zusammen mit David Clark, einem Portfolio-Manager und Freund der Familie Buffett, hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie die Anlagestrategie von Warren Buffett offenlegt.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile:
Im qualitativen Teil wird auf 220 Seiten beschrieben, an welchen Unternehmen man sich beteiligen soll: Man soll nach Unternehmen ausschauen, die über ein Verbrauchermonopol verfügen und Markenprodukte vertreiben, oder die über einen einzigartigen Marktzugang verfügen. Beispiele sind Coca-Cola oder Gillette, deren Produkte man überall auf der Welt kaufen kann, und die jeder Laden führen muß, oder Verlage und Fernsehsender, die in ihrer Region über ein Monopol verfügen, so daß die Werbebranche auf sie zugreifen muß.
Im qualitativen Teil wird auf 150 Seiten beschrieben, welche Rendite man beim Kauf von Aktien eines solchen Unternehmens erwarten kann. Warren Buffett achtet laut seiner Ex-Schwiegertochter besonders auf folgende zwei Kenngrößen: Eine hohe Eigenkapitalrendite von über 12% und ein beständiges hohes Gewinnwachstum. In dem Buch werden die Unternehmensgewinne nun mit dem historischen Gewinnwachstum über die nächsten zehn Jahre extrapoliert, die zu erwartenden Dividendenzahlungen abgezogen und dann der Kurs der Aktie durch Anlegen des historischen KGV-Bereiches vorhergesagt. Daraus wird dann die Rendite berechnet. Es wird also nicht beschrieben, zu welchem Kurs eine Aktie kaufenswert ist, sondern welche Rendite man mit dem derzeitigen Aktienkurs in zehn Jahren erzielen kann. Der qualitative Teil des Buches wird mit drei Fallstudien und einer Liste von 55 Unternehmen, die angeblich auf Warren Buffetts Beobachtungsliste stehen, abgeschlossen.
Das Buch ist verständlich geschrieben. Der Leser wird aufgefordert, sich die Unternehmen, in die er investiert, sorgfältig auszusuchen und langfristig investiert zu bleiben. Das Buch bestätigt die alte Börsenweisheit, daß nur steigende Unternehmensgewinne dauerhaft zu steigenden Aktienkursen führen.
Das Buch ist sehr auf amerikanische Unternehmen konzentriert und auf die amerikanischen Steuergesetzgebung ausgerichtet (ist natürlich verständlich, da Warren Buffett ja Amerikaner ist). So ist unter den 55 Vorzeigeunternehmen nur ein europäisches dabei(Nestle), und Buffetts Hang zu langfristigen Anlagen (die Autorin nennt es „Zinseszinseffekt") und geringen Dividendenausschüttungen liegt unter anderem darin begründet, daß in den USA Gewinne aus Aktien immer steuerpflichtig sind, egal wie lange der Aktienkauf zurückliegt, und daß es keine Freibeträge gibt. Für deutsche Anleger treffen diese Argumente nicht zu, da es hier einen Freibetrag gibt, und Aktiengewinne nach einem Jahr steuerfrei sind.
Vom sachlichen Standpunkt kann man aussetzen, daß zur Abzinsung zukünftiger Erträge der Zinssatz von Staatsanleihen herangezogen wird, obwohl doch Aktien aufgrund des höheren Risikos eine höhere Prämie beinhalten müßten, und daß der Gewinn anstelle des heute üblichen Cash Flows herangezogen wird.
Die letzten Jahre an der Börse haben auch gezeigt, daß man Unternehmensgewinne nicht einfach extrapolieren kann. So hat z.B. Coca-Cola 2002 weniger verdient als 1996, obwohl doch der Gewinn um 19% pro Jahr steigen sollte.
Insgesamt ist es jedoch ein lesenswertes Buch, das einen ersten Einblick in die Buffettsche Denkweise vermittelt.