Schon kurz nach ihrer Gründung ging Buffalo Springfield mit The Byrds auf Tour in Südkalifornien. Danach erhielten sie ein sechsmonatiges Engagement als Hausband im Whiskey-A-Go-Go. Das ist der Club in Los Angeles, in dem auch The Doors Furore machten. Auf Vermittlung ihres Managements bekamen sie einen Plattenvertrag bei Atco, einem Sub-Label von Atlantic-Records. Im Juni 1966 begannen sie dann mit den Aufnahmen zu ihrem ersten Album. Und das geriet höchst bemerkenswert. Nicht nur deshalb, weil es 12 ausgereifte, detailverliebte, mit Hingabe musizierte Songs enthielt. Sondern auch, weil es trotz der internen Reibereien eine harmonische Atmosphäre ausstrahlte und eine demokratische Vorgehensweise bei der Umsetzung der Ideen suggerierte. So überlassen Stills und Young etliche Male die Lead-Vocals bei ihren Kompositionen ihrem weniger kantig singenden Kollegen Richie Furay. Im Fall von Neil Young soll das Management sogar darauf gedrungen haben, weil sie Neil`s Stimme zu schräg fanden. Die Manager Charles Greene und Brian Stone - die auch Sonny & Cher unter ihren Fittichen hatten - übernahmen auch die Produktion des 1. Albums, schlicht Buffalo Springfield betitelt. Noch heute beklagen sich die Musiker über den Sound der Platte. Sie wollten bei den Studioaufnahmen ihre Live-Energie umsetzen und in eine druckvolle Produktion transferieren, was ihrer Meinung nach aber nicht gelungen ist. Wenn man das Album jetzt hört, kann man diese Kritik nicht unbedingt nachvollziehen. Der Klang bewegt sich technisch im Rahmen des damals möglichen. Die Energie ist ständig spürbar, der Funke springt über. Die Scheibe begann mit dem Byrds-alike-Folk-Rock Baby Don`t Scold Me. Dieses Lied wurde aber bereits bei der Zweitpressung 1967 durch den einzigen Top 10-Hit der Band - den Protest-Song For What It's Worth - ersetzt. Er wurde von Stephen Stills zur Zeit der Unruhen und Straßenkämpfe, die auf Grund von Grundstücksspekulationen am Sunset Strip in L.A. stattfanden, geschrieben. Das Stück war mit seinem aufrührerischen Text die Hymne einer ganzen Generation zwischen Vietnam und Watergate. Aber auch die restlichen 11 Songs der LP hatten es in sich. In Summe bildeten sie nicht weniger als eines der beeindruckensten Debutalben der 60er Jahre. Man hört bei Go And Say Goodbye die Anfänge des Country-Rock, der später in verwässerter Form durch Bands wie The Eagles zu Weltruhm gelangte. Dann mischten sie mehrfach Pop und Folkrock (Sit Down I Think I Love You, Hot Dusty Roads, Everybody`s Wrong, Burned). Oder sie peppten Balladen durch Integration eines Walzerrhythmus (Nowadays Clancy Can`t Even Sing), durch cleveren Tempowechsel (Flying On The Ground Is Wrong) oder durch himmlische Gesangsharmonien (Do I Have To Come Right Out And Say It; Out Of My Mind) auf. Ihre ruppige Seite zeigten sie in einem Hybrid aus Garagenrock und Rhythm & Blues, das sie Leave tauften und im flotten Tanzbodenfeger Pay The Price. Buffalo Springfield überzeugt durch unwiderstehliche Melodien, souveräne Kompositionen und Spaß an instrumentalen Finessen.