Zunächst sollte ich vorausschicken, nach welchen Kriterien ich einen meines Erachtens guten bzw. schlechten Kriegsfilm beurteile. Ein guter Kriegsfilm sollte nach meiner persönlichen Meinung:
- realistisch sein und nichts verherrlichen, sondern die Grauen des Krieges "ungeschminkt" zeigen.
- neutral sein, also keine Seite bevorzugen.
- hinsichtlich der dargestellten Film-Geschichte historisch exakt und glaubwürdig sein.
- hinsichtlich der gezeigten Waffen, Ausrüstung etc. korrekt sein (beispielsweise hätte man im Film "Pearl Harbor" ohne Mühe recherchieren können, dass die angeblich gezeigte N° 71 "Eagle Squadron" (unterstellt, diese als "Eagle Squadron" bekannte, in der Tat aus amerikanischen Freiwilligen gebildete Einheit ist gemeint) der RAF den Code "XR" auf den Rümpfen hatte, nicht "RF". "RF" waren die Kennzeichen der N° 303 "Polish" Squadron. Dann hätte man darauf achten können, dass alle Spitfire "Mk. Vb" wie das Original eine Dreiblattluftschraube haben (und nicht einige einen Vierblattrotor, kennzeichnend erst ab der Variante Mk. VI). Zu allem Überfluss erhielt die N° 71 "Eagle Squadron" erst ab September 1941 den gezeigten Spitfire-Typ Mk. Vb und als Gegner wäre eine Bf 109 Typ F korrekter gewesen als das damals an der Kanalküste bereits weitestgehend ausgemusterte Modell Bf 109 Typ E ...).
Wie verhalten sich diese Kriterien beim Film "Buffalo Soldiers 44"?
- Die Kampfszene zu Beginn ist sehr realistisch und lässt es an Deutlichkeit nicht fehlen. Dieser Teil des Filmes ist sehr gut dargestellt. Es verwundert allenfalls ein wenig, dass die Deutschen ihre Gegner auf Handgranatenwurfweite herankommen lassen, das ist aber eine Marginalie. Allerdings hätte ich mir die Darstellung der Angst bei den Soldaten beider Seiten etwas subtiler und damit glaubwürdiger gewünscht. Eine solche Weinerlichkeit wie die eines im Film gezeigten vorrückenden farbigen GIs ist etwas zu dick aufgetragen - alle hatten Angst, aber alle versuchten das irgendwie zu verbergen. Auch die Dialoge beim Angriff sind mir etwas zu salopp - man sollte sich vor Augen halten, dass die Männer jeden Moment auf eine Mine treten können ...
Was mich aber sehr stört, ist die lange, fast friedensmäßige Passage in der Mitte des Filmes, in welcher vier GIs in einem angeblich von deutschen Truppen ringsum umgebenen Dorf in aller Ruhe an Feiern teilnehmen, kurzerhand auch mal in die Luft feuern und völlig ungeniert und sorglos über längere Zeit offen herumlaufen. In Anbetracht des Risikos für sie selber und die gastfreundliche italienische Zivilbevölkerung ist das völlig unplausibel! Anfangs ist davon die Rede, dass einer der Vier als Puertoricaner etwas italienisch spricht - nach wenigen Minuten unterhalten sich sämtliche Italiener und Italienerinnen munter drauflos mit den Amis, auch ein Junge, der sicher keine Fremdsprachen in der Schule gelernt hatte! Zu allem Überfluss taucht dann noch gegen Ende eine ganze amerikanische Kompanie auf - mit Jeeps ohne jeglichen Kampfeslärm einfach so durch die angeblich ringsum versammelten deutschen Kräfte und alle Frontlinien gefahren? Diese zu überwinden sah in der Eingangsszene doch etwas schwieriger aus! Die Deutschen rücken zum gleichen Zeitpunkt am helllichten Tag in langen Marschkolonnen auf Bergstraßen vor! Bei absoluter angloamerikanischer Luftherrschaft - ohne Deckung vor den in diesem Stadium des Krieges allgegenwärtigen alliierten Jagdbombern? Und als die Deutschen dann zum Gegenangriff antreten, rennen beide Seiten etwas gar zu ungeschützt mitten in den Gassen des Dorfes herum in den jeweiligen Kugelhagel des Gegners. Ein realistischer Straßenkampf sieht anders aus!
- Neutralität. Nun ja, es werden charakterstarke Männer auf beiden Seiten gezeigt, genauso wie auch miese Typen hier wie dort. Die schauspielerische Verkörperung könnte bisweilen glaubhafter sein, sie gerät doch oft ins Hölzerne. Aber sie ist fair.
- Die Filmgeschichte: ihre innere Unplausibilität wurde schon erwähnt. Ansonsten stimmt der Hintergrund der Handlung. Die 92. US-Infanteriedivision war tatsächlich im Herbst des Jahres 1944 an das Serchio-Tal nördlich von Livorno verlegt worden. Sie war eine neu aufgestellte unerfahrene Einheit und bestand aus Farbigen, die von weißen Offizieren befehligt wurden. Soldaten, die von ihren Vorgesetzten zumeist widerwillig und herablassend geführt wurden, da die weißen Offiziere ihren farbigen Untergebenen wenig zutrauten. Die fühlten sich prompt als Kanonenfutter, manche glaubten gar, absichtlich in Himmelfahrtskommandos geopfert zu werden. Und folgerichtig versagte die Division gründlich und wich fast kopflos zurück, als die Deutschen einen heftigen Gegenstoß unternahmen und erst von der kampferprobten 8. indischen Division zum Stehen gebracht werden konnten. Was einzelne ausgesprochen "heroische" (ich mag das Wort nicht) Aktionen aus den Reihen der 92. US-Infanteriedivision nicht ausschloss - manche farbige Soldaten erhielten hohe Auszeichnungen.
Das Massaker der Panzer-Aufklärungsabteilung 16 der Waffen-SS in Sant' Anna di Stazzema wird fast zu vorsichtig dargestellt. Es war Berichten zufolge teilweise noch menschenverachtend grausamer - aber das lässt sich wohl nicht zeigen. Vielleicht ist das für einen Zuschauer auch besser so, wenn er in der Folgenacht noch schlafen können soll. Dass es dabei - wie an einem Beispiel vorgeführt - auch einzelne Waffen-SS-Männer gab, die ihre "Opfer" so unauffällig wie möglich bewusst entkommen ließen, ist gemäß einigen Aussagen von Überlebenden vermutlich richtig. Leider waren das absolute Ausnahmen.
Ebenso gab es auf der Seite der italienischen Partisanen menschliche und ganz erheblich weniger menschliche Verhaltensweisen. Auch das gerät etwas zu harmlos. Man bemüht sich zwar, den Hass und die Brutalität ansatzweise "rüberzubringen", es gelingt in meinen Augen aber nicht ganz ...
- gezeigte Waffen und Ausrüstung: hier gibt es wenig zu beachten, denn außer Handfeuerwaffen und einigen Jeeps und Kanonen wird nicht viel gezeigt, was man falsch darstellen könnte. Hier ist mir (außer einem amerikanischen Halbkettenfahrzeug in deutschen Diensten, welches aber erbeutet worden sein könnte) nicht viel aufgefallen.
Fazit: der Film ist gut gemeint und hat auch gute Ansätze. Er ist an vielen Stellen gut gemacht, zu Beginn sogar sehr gut. Ein "Meisterwerk", wie es auf dem Cover steht, ist er in meinen Augen aber nicht. Dazu sind mir zu viele unplausible Handlungsdetails im Wege und auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen nur teilweise.
Krieg ist kein Gesellschaftsspiel - mit einigen Kampfszenen und dazwischen fast beschaulichem dolce vita.