Auch im stolzen Alter von 77 Jahren hat Ibrahim Ferrer nichts von seinem Charme eingebüßt. Nach seiner Produktion für den Buena Vista Social Club und seinem ersten Solo-Album griff Ry Cooder wiederum auf namhafte Gäste der Kuba-Szene zurück. Neben Cachaito Lopez und Chucho Valdes engagierte er auch Manuel Galban, mit dem er auch das Album "Mambo Sinuende" einspielte. Aus diesem Pool stammen auch Drummer Jim Keltner und sein Sohn.
Doch schon die Mitwirkung der Gospeltruppe Five Blind Boys Of Alabama sowie Akkordeon-Virtuose Flaco Jiminez zeigt, das dieses Album kein Nachfolger der Buena Vista-Ära sein soll. Denn "Buenos Hermanos" ist mit seinen unterschiedlichen Stilrichtungen wie Son, Guajira, Guaracha oder Bolero schon rhythmisch viel differenzierter. Und hier tauchen auch erstmals zwei Eigenkompositionen Ferrers auf, die dieser in den 40ern schrieb. Zwar werden hier auch wieder Klassiker aus der guten alten kubanischen Zeit eingespielt, doch passen sich die Songs in dieser abwechslungsreichen Produktion so perfekt an Ferrers Stimme an, dass dieses Album eine Offenbarung für ihn sein muss.
Ein Vergleich der Grundstimmung von "Buenas Hermanos" mit dem BVSC ist schwer möglich, denn die unterschiedlichen Sounds (besonders die etwas temperamentvollere Gangart) mag viele alte Fans vergraulen. Trotzdem - ein rundum perfektes Werk, das auf jeden Fall Einzug in die Top 10 des Jahres im Bereich Weltmusik halten wird.