Aus der Amazon.de-Redaktion
So ist nun auch das zweite, von Cooder produzierte Soloalbum Buenos Hermanos wunderbar auf die Qualitäten des Sängers zugeschnitten. Zugleich aber ist es vielseitiger als der Erstling: Neben vier Boleros und drei Guarachas sind darauf drei Sones, eine Guajira, ein Guaguancó und ein Bolero-Cha zu hören. Begleitet wird Ferrer nicht nur von den Mitstreitern aus dem Buena Vista Social Club, sondern auch von einigen prominenten Gästen. Neben Ry Cooder und dessen Sohn sind das u.a. der Tex-Mex-Akkordeonspieler Flaco Jiménez, der im Jazz und Rock bewanderte Drummer Jim Keltner, der kubanische Meisterperkussionist Miguel "Angá" Díaz oder The Blind Boys of Alabama. Mit dieser Besetzung erhält mancher Bolero das Gewand einer rauchigen Jazz-Ballade.
Zur Besonderheit aber zählt auch, dass sich auf Buenos Hermanos erstmals zwei Eigenkompositionen Ferrers aus den 40er-Jahren finden, die nie zuvor aufgeführt wurden. Völlig zu Unrecht, wie sich nun zeigt. In der Guaracha "Hay Que Entrarle A Palos A Ése" etwa will Ferrer jeden Macho niederknüppeln, der sich Frauen gegenüber ungebührlich verhält. Chucho Valdés, Grammy-Preisträger und Gründer der Jazzformation Irakere, sitzt am Piano, eine achtköpfige Bläsergruppe schmettert einen gefühlvollen Chor, und Manuel Galbán, Ex-Mitglied der Doo-Wop-inspirierten Los Zafiros, steuert ein Solo auf der Hammondorgel bei. Eine glanzvolle Premiere. Ebenso einzigartig ist das komplexe Titelstück, eine nur behutsam neu arrangierte Version jenes Klassikers, den die Gebrüder Matamoros vor über 60 Jahren gemeinsam mit Beny Moré aufgenommen hatten. Das Album verlegt Nostalgie in die unmittelbare Gegenwart, und Ferrers Gesang berauscht jedes Mal aufs Neue. Es ist das bisher ausgereifteste Werk des Sängers, und so werden wohl auch die Hörer mehr als zufrieden sein. --Roman Rhode