Hin und wieder brauche ich ein paar neue Anstöße, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Auf der Suche nach solchen Impulsen bin ich vor einigen Jahren auf den Wim Wenders-Film "Buena Vista Social Club" gestoßen, der sich dokumentarisch mit dem Leben mehrerer kubanischer Musiker beschäftigte. Die Musik, in erster Linie als "Son" bekannt, begeisterte mich dermaßen, dass ich beschloss, mich eingehender mit ihr zu beschäftigen. Was mich am meisten an ihr beeindruckt, ist die Lebensfreude, die sie ausstrahlt. Während reiche und übersättigte europäische und nordamerikanische Musiker gerne schon mal auf Weltschmerz machen, ist der vorliegenden Musik die lebensbejahende Einstellung ihrer Interpreten anzumerken. Und das, obwohl sie traditionsgemäß ja eher von armen, am Existenzminimum lebenden Menschen geschrieben und gespielt wurde. Davon können wir uns vielleicht eine Scheibe abschneiden, wenn wir in unseren Industriestaaten darüber meckern, wie grausam die Welt doch ist und uns beim Abendbrot die neuesten Bilder von den Krisenherden dieser Erde regungs- und kommentarlos anschauen, um danach über die ansteigenden Benzinpreise zu meckern.
All dies spürt man nicht auf der CD. Mir scheint sie wie von einem anderen Stern. Die "Einfachheit" der Menschen, die diese Musik machen, hat etwas herzhaft Erfrischendes, was der Musik aus unserem Kulturkreis doch häufig abgeht.
Und dann ist da noch die Virtuosität der alten Herren zu erwähnen. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie ihre Instrumente spielen und auch technisch anspruchsvolle Passagen mit links erledigen. Besonders beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang der Pianist Rubén González, der, damals schon über 80jährig, die flinken Finger eines Teenagers zu haben scheint.
Unereicht ist auch der über 90 Jahre alte Compay Segundo, dessen lausbubenhafter Charme und Charisma sehr einnehmend sind.
Das einzige störende Element sind Ry Cooders Slidegitarreneinlagen, die irgendwie fehl am Platze wirken - ist aber kaum der Rede wert.
Wer sich die CD kauft, sollte sich über kurz oder lang auch mal mit dem gleichnamigen Film beschäftigen, denn er macht es leichter, die Zusammenhänge zu verstehen und veranschaulicht die Lebensumstände und den Werdegang der Musiker auf eine gut nachvollziehbare Weise.