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Neben den Buddenbrooks, Doktor Faustus, dem Zauberberg, Königliche Hoheit und dem schmalen Band Lotte in Weimar finden sich auch die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Es lohnt sich, wieder einmal in den Werken eines hervorragenden Stilisten zu schmökern, der noch dazu gut Geschichten erzählen konnte. Für die Leser, die sich näher mit der Person Thomas Manns beschäftigen möchten, hat der S. Fischer Verlag die gesamten Tagebücher, es sind immerhin zehn Bände, in einer schönen Kassette zusammengefasst. Herausgegeben werden sie von Peter de Mendelssohn und Inge Jens, auf stattlichen 9500 Seiten. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die Kunst Thomas Manns besteht nicht zuletzt darin, Figuren zu schaffen, deren komplexe Schablonenhaftigkeit nicht nur den Schein des Individuellen gewinnt, ohne jedoch die Züge des Allgemeinen und manchmal Banalen zu verlieren. Diese Menschen leben und leben nicht, sie sind einem zugleich nah und fern. Es ist so, als befände sich gerade in ihrem Innersten etwas Unerreichbares, ja Totes, das nun, nach außen dringend, die körperlich-geistige Hülle mit einem unheimlichen Anschein von Lebendigkeit und Differenziertheit erfüllt. Wenn man mithin die Texte dieses Autors spricht oder seine Figuren stimmlich darstellt, besteht wohl hierin die schwierigste Aufgabe: die Balance zwischen individueller Präsenz und Stereotypie, Partizipation und ironischer Entfremdung zu halten. Zu größten Teilen ist das in dieser Radiobearbeitung geglückt. Palma - wer oder was immer das ist, erfährt man leider nicht - macht aus dem Präteritum des Romans ein Präsenz, in dem Gert Westphal die Ereignisse heranrückt und sie doch auch wieder ironisch bricht, ohne dabei in sarkastische Drastik zu verfallen. Ebenso sind beide Stimmen Tonys zugleich von naiver Frische und einer gewissen gesellschaftlich-festen Dummheit, und beides zusammen macht ihren paradoxen Reiz aus und prägt sich ein. Es ist wohl unvermeidlich, dass die Nebenfiguren, wie etwa Sesemi Weichbrodt oder Ida Jungmann, auf gewisse Schablonen festgelegt werden: "sei glücklich, mein Kind", mit der berühmten Übertreibung der Vokale und dem "leicht knallenden Geräusch" des Kusses auf die Stirn, hört man über weite Strecken hinweg beinahe als einziges von der ersten; aber das Hörspiel spiegelt hier nur die bereits in Thomas Manns Stil liegende Gefahr. Dieter Borsche und Lil Dagover sprechenebenfalls vorzüglich Johann Buddenbrook und seine Frau Elisabeth, die zweite Generation der Handelsfamilie, einzig eine Rolle scheint mir nicht so überzeugend und an einer wichtigen Stelle sogar falsch angelegt, nämlich die von Thomas, gesprochen ausgerechnet vom Regisseur selbst, Wolfgang Liebeneiner. Er macht seine Sache als Leiter der Schauspieler gut, spielt aber selbst ein wenig dünn und verfällt in der Szene, in der Thomas Buddenbrook am Gartentisch aus dem zweiten Band von Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" das Kapitel über den Tod liest, in einen merkwürdigen, ja übertriebenen und lächerlichen Klang, der völlig unangemessen ist. Überhaupt wurde hier eine Kürzung vorgenommen, die man bedauern muss. Von dem tiefen, geradezu mystischen Erlebnis, das diese Lektüre bei Thomas auslöst, und von dem er sich in der Folge beschämt distanziert, bleibt beinahe nichts, eben nur sein doch verfälschter Beginn. Andere Episoden des Romans, etwa das Auftreten Grünlichs und Permaneders, der beiden Ehemänner Tonis, oder auch die Schulszenen mit dem kleinen Hanno, dem unglücklichen Kind Thomas', sind breiter ausgeführt und vermitteln eine wirkliche atmosphärische Intensität, die sich durchaus zu einem entsprechenden Gesamteindruck erweitert.
Die Übersetzung eines Romans in ein anderes Medium - Film oder Hörspiel - ist immer prekär, ja gefährlich, aber wer sich auf die "Buddenbrooks" in dieser Form einlässt, erlebt tatsächlich, wie eine ganze Welt an ihm vorüberzieht.ist immer prekär, ja gefährlich, aber wer sich auf die "Buddenbrooks" in dieser Form einlässt, erlebt tatsächlich, wie eine ganze Welt an ihm vorüberzieht. Man wird die acht Stunden kaum in einem Zug anhören, sondern die sieben CDs auf vielleicht drei Tage oder Abende verteilen - umso besser, denn auf diese Weise entsteht ein ganz auf die akustische Sphäre bezogener Zeitraum, in dem Nerven und Psyche ruhig und konzentriert gleichsam im Geflecht der Stimmen mitschwingen. Wenn man innehält, fühlt man sich unleugbar erholt und erfrischt und begreift, dass diese Form der Wahrnehmung, gegenüber anderen reizüberflutenden, einen eigenen kulturellen Bezirk herstellt, wie es wohl sonst nur bei herausragenden Theateraufführungen geschieht.
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