Aus der Amazon.de-Redaktion
Seit 100 Jahren erscheinen bei S. Fischer die Werke Thomas Manns. Diesen Anlass nutzt der Verlag, um die sechs meistgelesenen Romane des Nobelpreisträgers in einer schönen Kassette herauszugeben.
Neben den Buddenbrooks, Doktor Faustus, dem Zauberberg, Königliche Hoheit und dem schmalen Band Lotte in Weimar finden sich auch die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Es lohnt sich, wieder einmal in den Werken eines hervorragenden Stilisten zu schmökern, der noch dazu gut Geschichten erzählen konnte. Für die Leser, die sich näher mit der Person Thomas Manns beschäftigen möchten, hat der S. Fischer Verlag die gesamten Tagebücher, es sind immerhin zehn Bände, in einer schönen Kassette zusammengefasst. Herausgegeben werden sie von Peter de Mendelssohn und Inge Jens, auf stattlichen 9500 Seiten. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2002
Rezensent Edo Reents vergibt eine Höchstwertung an die beiden Buddenbrooks-Bände der ersten, kommentierten und vollständigen Mann-Ausgabe. Was Editionsphilologie leisten könne, lasse sich hier beispielhaft illustrieren. Der vorliegende Roman-Text ist Reents zufolge etwa um ein Zehntel länger als der "bisher in der Forschung gebräuchliche" und folgt dem Druck der Erstausgabe von 1901. Besonders dem "üppigen" Kommentar widmet der Rezensent große Aufmerksamkeit. Die Briefe, die zum Roman gewechselt wurden, fand er in der "Entstehungsgeschichte" ebenso ausführlich zitiert und kommentiert, wie Hinweise auf literarische und geistesgeschichtliche Quellen und Anregungen. Dazu Familienchroniken, einen Auszug aus Meyers Konversationslexikon, der für das Typhuskapitel genutzt wurde, sogar die "Textstellen, die dann im Roman doch nicht auftauchten". Der Leser bekomme hier "in einer essayistischen, also ungemein lesbaren und großangelegten Chronik" alle wichtigen Quellen: "die bekannten wie auch die unbekannten oder bisher nur in der Fachliteratur mitgeteilten". Nach all den geglätteten Fassungen der vergangenen hundert Jahre habe man, so Reents, nun wieder die etwas rauere, kulturgeschichtlich nach hinten offene vor sich.
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 04.07.2002
Was hat es nur mit den Buddenbrooks auf sich, dass der Roman von Thoams Mann so lange nach seinem Erscheinen nichts an Attraktivität eingebüßt hat, fragt Thomas E. Schmidt und verweist auf die Frankfurter kommentierte Ausgabe, in der man nun detailliert nachlesen könne, was Mann alles in diesem Familienepos untergebracht hat. Ein kleines Problem hat der Rezensent allerdings damit: Der Kommentar schwebt über dem Roman "wie dichtes Gewölk über der Trave", seufzt Schmidt. Damit will er die Leistung des Kommentars nicht schmälern, im Gegenteil. Ohne Zweifel sei hier ein "großes wissenschaftliches Werk" entstanden, und zwar ein "verdienstvolles", "reifes" und "erschöpfendes", lobt Schmidt. Und doch! Er ist "ein großer Sieg der Philologie über die zauberhaft-verschämte Neigung der Literatur", ihr Geheimnis wohl zu hüten, erklärt der Rezensent melancholisch. Gott sei Dank könne er die Lektüre des Romans nicht ersetzen. Thomas Mann habe nicht für "informierte", sondern für "gebildete" Leser geschrieben. Diese sollten, wenn wir Schmidt richtig verstehen, den Kommentar einfach beiseite lassen.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Buddenbrooks
OA 1901 Form Roman Epoche Moderne
In seinem Erstlingsroman, für den er 1929 den Literaturnobelpreis erhielt, entwickelt Thomas Mann das schon in seinen ersten Erzählungen aufgeworfene Kardinalthema des Gegensatzes des Bürgers und Künstlers fort, das er vor dem Hintergrund der Lübecker Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in Form eines bürgerlichen Familienromans ausbreitet. Obwohl am Rande auch zeitgenössische Ereignisse wie die Revolution von 1848 Erwähnung finden, liegt der Schwerpunkt des Romans auf der psychologisch genauen Beobachtung der Charaktere des Romans, deren Schwächen und Eigenheiten bereits hier mit der charakteristischen, wenn auch noch zurückhaltend-verstehenden mannschen Ironie begegnet wird.
Inhalt: Der Untertitel des Romans Verfall einer Familie bezeichnet den wesentlichen Handlungsverlauf der vier Generationen umfassenden Geschichte der Lübecker Patrizierfamilie, die Thomas Mann in Anlehnung an seinen eigenen familiären Hintergrund fiktiv ausgestaltet hat. Obwohl der ethisch fundierte Kapitalismus der Buddenbrooks im Verlauf des Romans der neureichen, ökonomisch überlegenen Konkurrenz der Familie Hagenström weichen muss, liegen Untergang und Scheitern der Buddenbrooks nicht in ökonomischen Sachverhalten begründet. Trotz verschiedener wirtschaftlicher Fehlspekulationen und dem auch finanziell nachteiligen Scheitern mehrerer Ehen der Familienmitglieder ist die Hauptursache für den Verfall ein kontinuierlicher Prozess der Degeneration, der im sukzessiven Verlust von Vitalität, einer Verfeinerung der Nerven, zunehmender Reflexivität und wachsender künstlerischer Neigung seine Ausdrucksformen findet.
Aufbau: Die männlichen Familienoberhäupter, die zwischen 1835, dem Beginn des Romans, und 1877, dem Tod Hanno Buddenbrooks, innerhalb einer Zeitspanne von 42 Jahren auftreten, verlieren sukzessive an Lebenskraft und erleiden entsprechend in steigender Verfallslinie einen jeweils früheren Tod. Während der lebensfrohe Johann Buddenbrook senior 70-jährig stirbt, deutet die pietistische Frömmigkeit seines Sohnes Jean bereits eine dekadente Verfallslinie an.
Die Hauptfigur des Romans, Thomas Buddenbrook, ist, der äußerlich präsentierten bürgerlich-puritanischen Haltung zum Trotz, ein Ästhet, der noch vor seinem 50. Geburtstag stirbt. Der lebensuntüchtige, früh an Krankheiten leidende Hanno schließlich, der Musik vor allem von Richard Wagner (181383) als Traum- und Rauscherlebnis von Kindesbeinen verfallen, stirbt 16-jährig an Typhus. Neben diesen männlichen Protagonisten lebt der Roman nicht zuletzt von einer Reihe anschaulich geschilderter, bekannt gewordener Charakterfiguren, die Mann in teils karikaturhafter Zuspitzung geschildert hat. Sie verleihen dem Roman über das Künstler- und Verfallsthema hinaus einen durch die Breite der dargestellten Charaktere einen allgemeingültigen Zug.
Wirkung: Der Roman wurde mit der Anfang 1903 erschienenen zweiten Auflage ein großer Erfolg, der sich mit dem Nobelpreis noch einmal erheblich steigerte. Dreimal 1923, 1959 und 1979 wurde das Buch verfilmt. Sein Erfolg gründet nicht zuletzt auf den Vorlieben einer im Wesentlichen bürgerlichen Leserschaft, die sich selbst und ihre eigenen Lebensformen dank der realistischen Darstellungsform großbürgerlichen Lebens und Denkens wiedergegeben fand, während die Verfallsthematik im Vergleich nur am Rande zur Kenntnis genommen wurde. . -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Buddenbrooks
OA 1901 Form Roman Epoche Moderne
In seinem Erstlingsroman, für den er 1929 den Literaturnobelpreis erhielt, entwickelt Thomas Mann das schon in seinen ersten Erzählungen aufgeworfene Kardinalthema des Gegensatzes des Bürgers und Künstlers fort, das er vor dem Hintergrund der Lübecker Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in Form eines bürgerlichen Familienromans ausbreitet. Obwohl am Rande auch zeitgenössische Ereignisse wie die Revolution von 1848 Erwähnung finden, liegt der Schwerpunkt des Romans auf der psychologisch genauen Beobachtung der Charaktere des Romans, deren Schwächen und Eigenheiten bereits hier mit der charakteristischen, wenn auch noch zurückhaltend-verstehenden mannschen Ironie begegnet wird.
Inhalt: Der Untertitel des Romans Verfall einer Familie bezeichnet den wesentlichen Handlungsverlauf der vier Generationen umfassenden Geschichte der Lübecker Patrizierfamilie, die Thomas Mann in Anlehnung an seinen eigenen familiären Hintergrund fiktiv ausgestaltet hat. Obwohl der ethisch fundierte Kapitalismus der Buddenbrooks im Verlauf des Romans der neureichen, ökonomisch überlegenen Konkurrenz der Familie Hagenström weichen muss, liegen Untergang und Scheitern der Buddenbrooks nicht in ökonomischen Sachverhalten begründet. Trotz verschiedener wirtschaftlicher Fehlspekulationen und dem auch finanziell nachteiligen Scheitern mehrerer Ehen der Familienmitglieder ist die Hauptursache für den Verfall ein kontinuierlicher Prozess der Degeneration, der im sukzessiven Verlust von Vitalität, einer Verfeinerung der Nerven, zunehmender Reflexivität und wachsender künstlerischer Neigung seine Ausdrucksformen findet.
Aufbau: Die männlichen Familienoberhäupter, die zwischen 1835, dem Beginn des Romans, und 1877, dem Tod Hanno Buddenbrooks, innerhalb einer Zeitspanne von 42 Jahren auftreten, verlieren sukzessive an Lebenskraft und erleiden entsprechend in steigender Verfallslinie einen jeweils früheren Tod. Während der lebensfrohe Johann Buddenbrook senior 70-jährig stirbt, deutet die pietistische Frömmigkeit seines Sohnes Jean bereits eine dekadente Verfallslinie an.
Die Hauptfigur des Romans, Thomas Buddenbrook, ist, der äußerlich präsentierten bürgerlich-puritanischen Haltung zum Trotz, ein Ästhet, der noch vor seinem 50. Geburtstag stirbt. Der lebensuntüchtige, früh an Krankheiten leidende Hanno schließlich, der Musik vor allem von Richard Wagner (181383) als Traum- und Rauscherlebnis von Kindesbeinen verfallen, stirbt 16-jährig an Typhus. Neben diesen männlichen Protagonisten lebt der Roman nicht zuletzt von einer Reihe anschaulich geschilderter, bekannt gewordener Charakterfiguren, die Mann in teils karikaturhafter Zuspitzung geschildert hat. Sie verleihen dem Roman über das Künstler- und Verfallsthema hinaus einen durch die Breite der dargestellten Charaktere einen allgemeingültigen Zug.
Wirkung: Der Roman wurde mit der Anfang 1903 erschienenen zweiten Auflage ein großer Erfolg, der sich mit dem Nobelpreis noch einmal erheblich steigerte. Dreimal 1923, 1959 und 1979 wurde das Buch verfilmt. Sein Erfolg gründet nicht zuletzt auf den Vorlieben einer im Wesentlichen bürgerlichen Leserschaft, die sich selbst und ihre eigenen Lebensformen dank der realistischen Darstellungsform großbürgerlichen Lebens und Denkens wiedergegeben fand, während die Verfallsthematik im Vergleich nur am Rande zur Kenntnis genommen wurde. . -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
"Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich", urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns, ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. >Verfall einer FamilieBuddenbrooksGroße kommentierte Frankfurter Ausgabe< der Werke Thomas Manns.
Über den Autor
1875 Paul Thomas Mann wird am 6. Juni als zweites Kind von Thomas Johann Heinrich Mann und seiner Frau Julia, geb. da Silva-Bruhns, in Lübeck geboren. Geschwister: Luiz Heinrich (1871), Julia (1877), Carla (1882), Viktor (1890). 1877 Wahl des Vaters zum Senator der Freien und Hansestadt Lübeck. 1889 Eintritt Thomas Manns in das "Katharineum". 1891 Tod des Vaters. Die Getreidefirma der Kaufmannsfamilie wird aufgelöst. 1893 Übersiedlung der Mutter und der jüngeren Geschwister nach München. Herausgabe der Schülerzeitschrift "Der Frühlingssturm". 1894 Umzug nach München. Eintritt bei der Süddeutschen Feuerversicherungsbank als Volontär. Im Herbst wird ihm gekündigt. Thomas Mann wird Gasthörer an der Technischen Hochschule München, mit der Absicht, Journalist zu werden. Im Oktober erste Veröffentlichung: Gefallen. Novelle (veröffentlicht in: "Die Gesellschaft"). 1896 August/September: Der Wille zum Glück. Erzählung ("Simplicissimus"). 1897 Mai: Der kleine Herr Friedemann. Novelle ("Neue Deutsche Rundschau"). September: Der Bajazzo. Novelle ("Neue Deutsche Rundschau"). 1898 Thomas Mann wird Lektor beim "Simplicissimus". Im Frühjahr erscheint bei S. Fischer in Berlin der Novellenband Der kleine Herr Friedemann. 1899 Juni: Der Kleiderschrank. Novelle ("Neue Deutsche Rundschau"). 1900 Am 1. Oktober beginnt Thomas Mann seinen Militärdienst. Im Dezember wird er wegen Dienstuntauglichkeit entlassen. 1901 Im Oktober erscheint der Roman Buddenbrooks (Berlin: S. Fischer). 1903 Im Frühjahr erscheinen: Tonio Kröger. Novelle ("Neue Deutsche Rundschau"); Tristan. Sechs Novellen (Berlin: S. Fischer). 1904 3. Oktober: Verlobung mit Katia Pringsheim. 1905 11. Februar: Hochzeit in München. Mai: Schwere Stunde. Novelle ("Simplicissimus"). Juli/August: Fiorenza. Drama ("Die Neue Rundschau"). Am 9. November wird die Tochter Erika Julia Hedwig geboren. 1906 Februar: Bilse und ich. Essay ("Münchner Neueste Nachrichten"). Am 18. November wird der Sohn Klaus Heinrich geboren. 1907 Uraufführung von Fiorenza im Schauspielhaus Frankfurt am Main (11. Mai). 1909 Geburt des Sohnes Angelus Gottfried Thomas, genannt Golo (27. März). Oktober: Königliche Hoheit. Roman (Berlin: S. Fischer). 1910 Am 7. Juni wird die Tochter Monika geboren. Am 30. Juli nimmt sich Thomas Manns Schwester Carla das Leben. 1912 Sommer: Der Tod in Venedig. Erzählung (München: Hyperionverlag). 1914 Januar: Bezug des ersten eigenen Hauses in München, Poschingerstraße 1. Oktober: Das Wunderkind. Novellen (Berlin: S. Fischer). November. Gedanken im Kriege. Essay ("Die Neue Rundschau"). 1918 Am 24. April wird die Tochter Elisabeth Veronika geboren. Oktober: Betrachtungen eines Unpolitischen (Berlin: S. Fischer). 1919 21. April: Geburt des Sohnes Michael Thomas. August: Ehrendoktorat der Universität Bonn. 1921 11. März: Tod der Mutter. 1922 März: Goethe und Tolstoi. Vortrag (Deutsche Rundschau). November: Von deutscher Republik. Essay (Die Neue Rundschau) 1924 November: Der Zauberberg. Roman (Berlin: S. Fischer) 1925 6. Juni: 50. Geburtstag mit Festveranstaltungen in München und Wien. Im gleichen Monat: Unordnung und frühes Leid. Novelle ("Die Neue Rundschau") 1926 Mai-Juli: Pariser Rechenschaft. Essay ("Die Neue Rundschau") 1927 10. Mai: Selbstmord der Schwester Julia. 1928 April: Kultur und Sozialismus. Essay ("Preußische Jahrbücher"). 1929 10. Dezember: Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1930 Oktober: Die Forderung des Tages. Essays (Berlin: S. Fischer). 1931 Mai: Vom Beruf des deutschen Schriftstellers in unserer Zeit. Essay ("Die Neue Rundschau"). 1932 April: Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters. Essay ("Die Neue Rundschau"). 1933 April: Leiden und Größe Richard Wagners. Vortrag ("Die Neue Rundschau"). 11. Februar: Abreise nach Holland. Beginn des Exils. Frühherbst: Niederlassung in Küsnacht bei Zürich, Schiedhaldenstraße 33. Oktober: Erster Band der Joseph-Tetralogie: Die Geschichten Jaakobs. Roman (Berlin: S. Fischer). 1934 April: Zweiter Band der Joseph-Tetralogie: Der junge Joseph. Roman (Berlin: S. Fischer). Mai-Juni: Erste Reise in die USA. 1935 März: Leiden und Größe der Meister. Neue Aufsätze (Berlin: S. Fischer). Juni - Juli: Zweite Reise in die USA. 1936 Oktober: Dritter Band der Joseph-Tetralogie: Joseph in Ägypten. Roman (Wien: Bermann-Fischer). 19. November: Thomas Mann nimmt die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. 1937 April: Dritte Reise in die USA. Ab September 1937: Herausgabe der Exilzeitschrift "Mass und Wert". 1938 1. Juni: Verleihung des Ehrendoktorats der Columbia University, New York. September: Übersiedlung nach Amerika. Tätigkeit als "Lecturer in the Humanities" an der Universität Princeton. 1939 Dezember: Lotte in Weimar. Roman (Stockholm: Bermann-Fischer). 1940 Oktober: Beginn der monatlichen Radiosendungen nach Deutschland. 1941 April: Umzug nach Kalifornien, Pacific Palisades, 740 Amalfi Drive. 1942 Deutsche Hörer! 25 Radiosendungen (Stockholm: Bermann-Fischer). Februar: Umzug ins eigene Haus in Pacific Palisades, 1550 San Remo Drive. 1943 Dezember: Vierter Band der Joseph-Tetralogie: Joseph, der Ernährer. Roman (Stockholm: Bermann-Fischer). 1944 Am 23. Juni wird Thomas Mann amerikanischer Staatsbürger. 1945 Deutsche Hörer! 55 Radiosendungen (Stockholm: Bermann-Fischer). 6. Juni: 70. Geburtstag mit großen Ehrungen. Oktober: Adel des Geistes. Essays (Stockholm: Bermann-Fischer). 1946 April/Mai: Lungenoperation. 1947 April - September: Erste Europa-Reise nach dem Krieg. Oktober: Doktor Faustus. Roman (Stockholm: Bermann-Fischer). 1948 Juni: Neue Studien. Essays (Stockholm: Bermann-Fischer). 1949 April: Die Entstehung des Doktor Faustus. Roman eines Romans (Amsterdam: Bermann-Fischer / Querido). 21. April: Tod des Bruders Viktor. Mai-August: Zweite Europa-Reise und erster Besuch im Nachkriegsdeutschland. Vorträge zu Goethes 200. Geburtstag in Frankfurt am Main und Weimar. 13. Mai: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Oxford. 21. Mai: Selbstmord des Sohnes Klaus. 31. Mai: Ernennung zum Ehrendoktor der Universität Lund. 28. August: Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt am Main. 1950 12. März: Tod des Bruders Heinrich. Mai-August: Dritte Europa-Reise. 1951 März: Der Erwählte. Roman (Frankfurt am Main: S. Fischer). Juli-September: Vierte Europa-Reise. 1952 Juni: Rückkehr nach Europa. Dezember: Endgültige Übersiedlung in die Schweiz, Erlenbach bei Zürich, Glärnischstraße 12. 1953 März: Altes und Neues. Essays (Frankfurt am Main: S. Fischer). 4. Juni: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. 11. Juni 1953: Privater Besuch in Lübeck und Travemünde. 24. Juli: 70. Geburtstag Katia Manns. September 1953: Die Betrogene. Erzählung (Frankfurt am Main: S. Fischer). 1954 April: Einzug in das Haus in Kilchberg, Alte Landstraße 39. September: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Roman (Frankfurt am Main: S. Fischer). 1955 11. Februar: Goldene Hochzeit. 8. Mai: Schillerrede in Stuttgart. 14. Mai: Schillerrede in Weimar. 15. Mai: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Friedrich Schiller-Universität Jena. 20. Mai: Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Lübeck. Juni: Versuch über Schiller (Frankfurt am Main: S. Fischer). 6. Juni: 80. Geburtstag mit großen Ehrungen. 30. Juni: Abreise nach Holland. 18. Juli: Beginn der Erkrankung. 23. Juli: Überführung ins Kantonsspital nach Zürich. 12. August: Tod Thomas Manns. 16. August: Beisetzung auf dem Friedhof in Kilchberg.
Auszug aus Buddenbrooks von Thomas Mann. Copyright © 1997. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Zwei und ein halbes Jahr später, um die Mitte des April schon, war zeitiger als jemals der Frühling gekommen, und zu gleicher Zeit war ein Ereignis eingetreten, das den alten Johann Buddenbrook vor Vergnügen trällern machte und seinen Sohn aufs freudigste bewegte.
Um 9 Uhr, eines Sonntag morgens, saß der Konsul im Frühstückszimmer vor dem großen, braunen Sekretär, der am Fenster stand und dessen gewölbter Deckel vermittelst eines witzigen Mechanismus zurückgeschoben war. Eine dicke Ledermappe, gefüllt mit Papieren, lag vor ihm; aber er hatte ein Heft mit gepreßtem Umschlage und Goldschnitt herausgenommen, und schrieb, eifrig darüber gebeugt, in seiner dünnen, winzig dahineilenden Schrift, - emsig und ohne Aufenthalt, es sei denn, daß er die Gänsefeder in das schwere Metall-Tintenfaß tauchte...
Die beiden Fenster standen offen, und vom Garten her, wo eine milde Sonne die ersten Knospen beschien, und wo ein paar kleine Vogelstimmen einander kecke Antworten gaben, wehte voll frischer und zarter Würze die Frühlingsluft herein und trieb dann und wann sacht und geräuschlos die Gardinen ein wenig empor. Drüben, auf dem Frühstückstische, ruhte die Sonne blendend auf dem weißen, hie und da von Brosamen gesprenkelten Leinen und spielte in kleinen, blitzenden Drehungen und Sprüngen auf der Vergoldung der mörserförmigen Tassen ...
Beide Flügel der Tür zum Schlafzimmer waren geöffnet, und von dorther vernahm man die Stimme Johann Buddenbrooks, der ganz leise nach einer alten drolligen Melodie vor sich hin summte:
"Ein guter Mann, ein braver Mann,
Ein Mann von Complaisancen;
Er kocht die Stipp' und wiegt das Kind
Und riecht nach Pomeranzen. "
Er saß zur Seite der kleinen Wiege mit grünseidenen Vorhängen, die bei dem hohen Himmelbett der Konsulin stand und die er mit einer Hand in gleichmäßiger Schwingung erhielt. Die Konsulin und ihr Gatte hatten sich, der leichteren Bedienung halber, für einige Zeit hier unten eingerichtet, während ihr Vater und Madame Antoinette, die, eine Schürze über dem gestreiften Kleide und eine Spitzenhaube auf den dicken weißen Locken, sich dort hinten am Tische mit Flanell und Linnen zu schaffen machte, das dritte Zimmer des Zwischengeschosses zum Schlafen benutzten.
Konsul Buddenbrook warf kaum einen Blick in das Nebenzimmer, so sehr war er von seiner Arbeit in Anspruch genommen. Sein Gesicht trug einen ernsten und vor Andacht beinahe leidenden Ausdruck. Sein Mund war leicht geöffnet, er ließ das Kinn ein wenig hängen, und seine Augen verschleierten sich dann und wann. Er schrieb:
"Heute, d. 14. April 1838, morgens um 6 Uhr, ward meine liebe Frau Elisabeth, geb. Kröger, mit Gottes gnädiger Hilfe aufs glücklichste von einem Töchterchen entbunden, welches in der hl. Taufe den Namen Clara empfangen soll. Ja, so gnädig half ihr der Herr, obgleich nach Aussage des Doktors Grabow die Geburt um etwas zu früh eintrat und sich vordem nicht alles zum Besten verhielt und Bethsy große Schmerzen gelitten hat. Ach, wo ist doch ein solcher Gott, wie du bist, du Herr Zebaoth, der du hilfst in allen Nöten und Gefahren und uns lehrst deinen Willen recht zu erkennen, damit wir dich fürchten und in deinem Willen und Geboten treu mögen erfunden werden! Ach Herr, leite und führe uns alle, solange wir leben auf Erden ... " - Die Feder eilte weiter, glatt, behende und indem sie hie und da einen kaufmännischen Schnörkel ausführte, und redete Zeile für Zeile zu Gott. Zwei Seiten weiter hieß es:
"Ich habe meiner jüngsten Tochter eine Police von 150 Courant-Talern ausgeschrieben. Führe du sie, ach Herr! auf deinen Wegen, und schenke du ihr ein reines Herz, auf daß sie einstmals eingehe in die Wohnungen des ewigen Friedens. Denn wir wissen wohl, wie schwer es sei, von ganzer Seele zu glauben, daß der ganze liebe süße Jesus mein sei, weil unser irdisches kleines schwaches Herz..." Nach drei Seiten schrieb der Konsul ein "Amen", allein die Feder glitt weiter, sie glitt mit feinem Geräusch noch über manches Blatt, sie schrieb von der köstlichen Quelle, die den müden Wandersmann labt, von des Seligmachers heiligen, bluttriefenden Wunden, vom engen und vom breiten Wege und von Gottes großer Herrlichkeit. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Konsul nach diesem oder jenem Satze die Neigung verspürte, es nun genug sein zu lassen, die Feder fortzulegen, hinein zu seiner Gattin zu gehen oder sich ins Comptoir zu begeben. Wie aber! Wurde er es so bald müde, sich mit seinem Schöpfer und Erhalter zu bereden? Welch ein Raub an Ihm, dein Herrn, schon jetzt einzuhalten mit Schreiben... Nein, nein, als Züchtigung gerade für sein unfrommes Gelüste citierte er noch längere Abschnitte aus den heiligen Schriften, betete für seine Eltern, seine Frau, seine Kinder und sich selbst, betete auch für seinen Bruder Gotthold, - und endlich, nach einem letzten Bibelspruch und einem letzten, dreimaligen Amen, streute er Goldsand auf die Schrift und lehnte sich aufatmend zurück. (...)
Um 9 Uhr, eines Sonntag morgens, saß der Konsul im Frühstückszimmer vor dem großen, braunen Sekretär, der am Fenster stand und dessen gewölbter Deckel vermittelst eines witzigen Mechanismus zurückgeschoben war. Eine dicke Ledermappe, gefüllt mit Papieren, lag vor ihm; aber er hatte ein Heft mit gepreßtem Umschlage und Goldschnitt herausgenommen, und schrieb, eifrig darüber gebeugt, in seiner dünnen, winzig dahineilenden Schrift, - emsig und ohne Aufenthalt, es sei denn, daß er die Gänsefeder in das schwere Metall-Tintenfaß tauchte...
Die beiden Fenster standen offen, und vom Garten her, wo eine milde Sonne die ersten Knospen beschien, und wo ein paar kleine Vogelstimmen einander kecke Antworten gaben, wehte voll frischer und zarter Würze die Frühlingsluft herein und trieb dann und wann sacht und geräuschlos die Gardinen ein wenig empor. Drüben, auf dem Frühstückstische, ruhte die Sonne blendend auf dem weißen, hie und da von Brosamen gesprenkelten Leinen und spielte in kleinen, blitzenden Drehungen und Sprüngen auf der Vergoldung der mörserförmigen Tassen ...
Beide Flügel der Tür zum Schlafzimmer waren geöffnet, und von dorther vernahm man die Stimme Johann Buddenbrooks, der ganz leise nach einer alten drolligen Melodie vor sich hin summte:
"Ein guter Mann, ein braver Mann,
Ein Mann von Complaisancen;
Er kocht die Stipp' und wiegt das Kind
Und riecht nach Pomeranzen. "
Er saß zur Seite der kleinen Wiege mit grünseidenen Vorhängen, die bei dem hohen Himmelbett der Konsulin stand und die er mit einer Hand in gleichmäßiger Schwingung erhielt. Die Konsulin und ihr Gatte hatten sich, der leichteren Bedienung halber, für einige Zeit hier unten eingerichtet, während ihr Vater und Madame Antoinette, die, eine Schürze über dem gestreiften Kleide und eine Spitzenhaube auf den dicken weißen Locken, sich dort hinten am Tische mit Flanell und Linnen zu schaffen machte, das dritte Zimmer des Zwischengeschosses zum Schlafen benutzten.
Konsul Buddenbrook warf kaum einen Blick in das Nebenzimmer, so sehr war er von seiner Arbeit in Anspruch genommen. Sein Gesicht trug einen ernsten und vor Andacht beinahe leidenden Ausdruck. Sein Mund war leicht geöffnet, er ließ das Kinn ein wenig hängen, und seine Augen verschleierten sich dann und wann. Er schrieb:
"Heute, d. 14. April 1838, morgens um 6 Uhr, ward meine liebe Frau Elisabeth, geb. Kröger, mit Gottes gnädiger Hilfe aufs glücklichste von einem Töchterchen entbunden, welches in der hl. Taufe den Namen Clara empfangen soll. Ja, so gnädig half ihr der Herr, obgleich nach Aussage des Doktors Grabow die Geburt um etwas zu früh eintrat und sich vordem nicht alles zum Besten verhielt und Bethsy große Schmerzen gelitten hat. Ach, wo ist doch ein solcher Gott, wie du bist, du Herr Zebaoth, der du hilfst in allen Nöten und Gefahren und uns lehrst deinen Willen recht zu erkennen, damit wir dich fürchten und in deinem Willen und Geboten treu mögen erfunden werden! Ach Herr, leite und führe uns alle, solange wir leben auf Erden ... " - Die Feder eilte weiter, glatt, behende und indem sie hie und da einen kaufmännischen Schnörkel ausführte, und redete Zeile für Zeile zu Gott. Zwei Seiten weiter hieß es:
"Ich habe meiner jüngsten Tochter eine Police von 150 Courant-Talern ausgeschrieben. Führe du sie, ach Herr! auf deinen Wegen, und schenke du ihr ein reines Herz, auf daß sie einstmals eingehe in die Wohnungen des ewigen Friedens. Denn wir wissen wohl, wie schwer es sei, von ganzer Seele zu glauben, daß der ganze liebe süße Jesus mein sei, weil unser irdisches kleines schwaches Herz..." Nach drei Seiten schrieb der Konsul ein "Amen", allein die Feder glitt weiter, sie glitt mit feinem Geräusch noch über manches Blatt, sie schrieb von der köstlichen Quelle, die den müden Wandersmann labt, von des Seligmachers heiligen, bluttriefenden Wunden, vom engen und vom breiten Wege und von Gottes großer Herrlichkeit. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Konsul nach diesem oder jenem Satze die Neigung verspürte, es nun genug sein zu lassen, die Feder fortzulegen, hinein zu seiner Gattin zu gehen oder sich ins Comptoir zu begeben. Wie aber! Wurde er es so bald müde, sich mit seinem Schöpfer und Erhalter zu bereden? Welch ein Raub an Ihm, dein Herrn, schon jetzt einzuhalten mit Schreiben... Nein, nein, als Züchtigung gerade für sein unfrommes Gelüste citierte er noch längere Abschnitte aus den heiligen Schriften, betete für seine Eltern, seine Frau, seine Kinder und sich selbst, betete auch für seinen Bruder Gotthold, - und endlich, nach einem letzten Bibelspruch und einem letzten, dreimaligen Amen, streute er Goldsand auf die Schrift und lehnte sich aufatmend zurück. (...)