48 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker für alle an Bucbinderei Interessierten., 8. Januar 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Bucheinband und die Pflege des Buches. Ein Handbuch für Buchbinder, Bibliothekare und Bibliophile (Gebundene Ausgabe)
Die englischen Buchbinder der Jahrhundertwende - und hier besonders der William Morris sehr nahestehende Thomas James Cobden-Sanderson und dessen Schüler Douglas Benett Cockerell - übten keinen geringen Einfluß auf die deutsche Buchbin-derei aus, insbesondere was die Einbandgestaltung angeht. Hier beobachtete und diskutierte man mit Interesse die Entwicklungen auf der britischen Insel. So wundert es nicht, daß das 1901 von Cockerell publizierte, grundlegende Werk „Bookbinding and the Care of Books" binnen eines Jahres in deutscher Sprache erschien. Die Übersetzung besorgte Felix Hübel, Leiter der Fachschule für Buchbinder in Gera, für den Verlag Hermann Seemann Nachf. in Leipzig. Das Echo auf das Erscheinen des Buches war ausgesprochen positiv „Das vortreffliche Werk wird dem deutschen Buchbinder viele wertvolle und neue Anregungen geben und auch dem Bücherliebhaber und Bibliothekar von Nutzen sein". (Börsenblatt des deutschen Buchhandels, Nr.60, 14.März 1903, S.2110)
Wie sich bald jedoch bald herausstellte, hafteten der ersten Übersetzung des Buches eine ganze Reihe von Fehlern an, da es allzu wörtlich ins Deutsche übertragen worden war. Die zweite Auflage von 1925 wurde daher von der Buchbinderin Maria Lühr, wie Cockerell eine Schülerin Cobden-Sandersons, überarbeitet und unter Zuhilfenahme der 4.Auflage des englischen Originals ergänzt. Von dieser 2.Auflage, seinerzeit erschienen bei Klinkhardt & Biermann, Leipzig, liegt nun ein Reprint in der Reihe libri rari des Verlags Th. Schäfer, Hannover, vor.
Der Autor, Douglas B. Cockerell (1870-1945), hatte eine Lehre in der 1893 gegründeten Doves Bindery von Cobden-Sanderson absolviert und leitete ab 1897 die Klasse für Buchbinderei an der Londoner Central School of Arts & Crafts, bevor er bereits 1898 eine eigene Werkstatt gründete. Neben seinem Lehrmeister wurde er der bedeutendste englische Buchbinder der Jahrhundertwende, der auch auf die Buchbin-derei des Kontinents erheblichen Einfluß ausübte. Seinem 1901 verfaßten grundlegenden Werk zum Bucheinband sollte eigenlich ein noch wesentlich umfangreicheres Buchbinderlehrbuch folgen, was jedoch nie geschah. Kann Cockerells Buch heute - außer an historischen Handwerksdarstellungen Interessierte - weitere Kreise ansprechen? Etwa „Bibliothekare, Buchbinder, Restauratoren, Bibliophile, Büchersammler, Hobbybuchbinder, Fachschulen, Bibliotheken, Museen oder Institute", wie es in der Werbung des Verlages heißt? Um es vorweg zu nehmen, Cockerells Darstellung ist kaum vergleichbar mit den deutschen Buchbinderlehrbüchern der Jahrhundertwende. Dies rührt im wesentlichen daher, daß der Autor, ebenso wie sein Lehrmeister Cobden-Sanderson, größten Wert auf die streng handwerkliche Ausführung des Einbandes legte - ganz im Sinne des Arts & Crafts Movement. Das hieß Rückbesinnung auf traditionelle Techniken und selbstverständlich Verzicht auf alle „neuartigen" Hilfsapparate und Maschinen, ebenso wie auf die getrennte Anfertigung von Buchblock und Decke, was er ablehnte. Cockerell stellte höchste Ansprüche an die handwerkliche Qualität von Bucheinbänden - das wird in seinen Ausführungen immer wieder sehr deutlich. So gesehen ist dieses Buch nicht nur ein Lehrbuch sondern ein Belehrungsbuch, was denn ein schöner, zweckmäßiger und haltbarer Einband sei.
Wie der Titel, so setzt sich der Inhalt aus zwei Teilen zusammen: „Der Einband" (I) und „Die Pflege des gebundenen Buches" (II). Ersterer befaßt sich mit der Technik des handwerklich gefertigten , anspruchsvollen Einbandes, ausgehend von losen Bogen bis hin zum fertigen ganzledernen Franzband mit Gold- und Blinddruckverzierungen. Aber auch die handwerkliche Herstellung von Bibliothekseinbänden, Skizzenbüchern Pergamenteinbänden u.a. kommt zur Sprache. Dabei wird, wie bereits erwähnt, gänzlich auf maschinelle Hilfsmittel verzichtet, selbst die Pappschere zum winkelgerechten Schnitt der Deckelpappen soll nicht verwendet werden, von einer Schneidemaschine ganz zu schweigen (stattdessen wird mit dem Zungenhobel beschnitten). Jeder Schritt der Einbandherstellung und -verzierung wird dargestellt und mit einfachen aber aus-sagekräftigen Abbildungen illustriert. Dabei setzt der Autor allerhand an Wissen und buchbinderischem Können voraus - was dieses Buch als Anleitung für Hobbybuchbinder unbrauchbar macht. Wer jedoch darüber verfügt und sich für die traditionelle Technik interessiert, der findet hier Hinweise und Anregungen in reichem Maße. Darüber hinaus vermittelt die Lektüre ein Gefühl dafür, was qualitätvolle Arbeit bedeutet und bietet Hilfestellung bei der Beurteilung und Einordnung von handgebundenen Einbänden. Unter diesem Aspekt ist das Buch sicher auch für Bücherliebhaber und Bibliothekare interessant. An letztere wendet sich insbesondere der zweite, nur knapp 20 Seiten umfassende Teil zur Pflege des Buches. Hier wird auf „Schädliche Einflüsse denen Bücher ausge-setzt sind" eingegangen, ebenso wie auf die Abwehr von Bücherwürmern, Ratten und Mäusen etc. Hinweise zur Erhaltung und Pflege alter Einbände runden dieses Kapitel ab. Nicht nur unter historischen Gesichtspunkten ist das Lesen dieses Teils interessant, denn hier werden viele grundlegende, teilweise auch heute noch gültige Ratschläge gegeben.
So wird dieses Buch, das nicht einmal sehr teuer ist, durch seine inhaltlichen Qualtiäten sicherlich eine ganze Reihe von Buchbindern, Bibliothekaren und Bücherliebhabern ansprechen - und darüber hinaus natürlich alle, die sich für die Kunst des Bucheinbandes begeistern.
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5.0 von 5 Sternen
Jetzt kann ich alle Teile des Buchs benennen, 24. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Bucheinband und die Pflege des Buches. Ein Handbuch für Buchbinder, Bibliothekare und Bibliophile (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch richtet sich hauptsächlich an Buchbinder und erklärt sämtliche Arbeitsgänge von Falzen, Zuschneiden, Heften und Ausbessern des Papiers, Deckel schneiden und befestigen, Einschlagen, Verzieren, Formen des Rückens, Materialien ... auch für andere Leute ist es nützlich, nach der Lektüre sämtliche Einzelteile eines Buchs benennen zu können und zu wissen, was ein Kapitalband ist. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Pflege und Lagerung von Büchern. Trotz seines Erscheinungsdatums ist das Thema heute noch bedeutsam.
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