Zwar selbst kein poetisches Genie, muß man Martin Opitz' Bedeutung für die deutsche Literatur hoch bewerten. In seinem "Buch von der deutschen Poeterey" faßte er knapp verschiedene Theorien über die Gestaltung von deutschsprachiger Literatur zusammen, was von seinen Mitbürgern mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.
In den ersten Kapiteln versucht er Grundzüge von Gattungen, Formen und Inhalten der Dichtung zu umreißen. Dann ermutigt er zur deutschen Literatursprache (zur Erinnerung: Latein war die dominierende schriftliche Sprache) mit Hinweisen, daß diese nicht ganz ohne Tradition dasteht. Am Schluß schließlich bietet er mit konkreten Regeln für die Poesie einen normativen Ansatz. Seine wohl wichtigste Neuerung war die Einteilung der Metrik nach betonten und unbetonten Silben und nicht mehr wie im Lateinischen nach der Länge der Silben.
Obwohl einige seiner Feststellungen heute überholt sind bzw. etwas simpel erscheinen, stellt die "Poeterey" einen Meilenstein in der deutschen Literatur(wissenschaft) dar. Sie ist relativ kurz und läßt sich leicht lesen. Dieses Buch gehört in den Lesekanon jedes Germanisten! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)