Neue Zürcher Zeitung
Verrückte und berühmte Experimente Neue Erkenntnisse beruhen zu einem grossen Teil auf Experimenten. Reto U. Schneider, Redaktor beim «Neue Zürcher Zeitung-Folio», hat über 100 mehr oder weniger verrückte Experimente aus der Wissenschaft zusammengestellt und in einem Buch veröffentlicht dem «Buch der verrückten Experimente». Ein Teil der Geschichten ist bereits aus dem «Neue Zürcher Zeitung-Folio» bekannt, der Löwenanteil wurde jedoch eigens recherchiert. Das älteste der im Buch beschriebenen Experimente fand um 1300 statt: Ein Dominikanermönch wollte dem Geheimnis des Regenbogens auf die Spur kommen und benützte dazu eine mit Wasser gefüllte Flasche. Das jüngste Experiment stammt aus dem Jahre 2003 und trägt den Titel «Begegnungen eines Roboters». Schneider beschreibt in seinem Buch jedoch nicht nur «verrückte» Experimente. Der Leser entdeckt auch zahlreiche Klassiker, die über die Wissenschaft hinaus berühmt geworden sind. Dazu zählen beispielsweise die Pawlowschen Hunde, die Skinner-Box, das Gefangenendilemma und das umstrittene Experiment von Stanley Milgram, bei dem dieser untersuchte, wie hoch die Bereitschaft einer Versuchsperson ist, einem anderen Menschen Schmerzen zuzufügen. Ausführlich beschrieben wird auch das Stanford-Prison-Experiment aus dem Jahre 1971, das im vergangenen Frühjahr unerwartet neue Aktualität erhielt. Bei diesem Experiment wurde die Situation in einem Gefängnis nachgeahmt. Elf Studenten waren Gefangene, zehn waren Wärter, und der Leiter des Experimentes spielte den Gefängnisdirektor. Der Versuch geriet ausser Kontrolle und musste am fünften Tag abgebrochen werden. Die Geschichte dieses Experimentes erschien im «Neue Zürcher Zeitung-Folio» vom Juni dieses Jahres, kurz nachdem die Folterungen in Abu Ghraib im Irak bekannt geworden waren. Auch andere Experimente, bei denen Menschen als Versuchskaninchen herhalten mussten, stimmen nachdenklich. So geschehen unter anderem 1955, als die amerikanische Armee in der Wüste von Utah die Wirkung biologischer Waffen an «Freiwilligen» testete. Erstaunt liest man auch, was im Namen der Wissenschaft mit Tieren alles gemacht wurde. Um die Wichtigkeit des Schlafes zu zeigen, hielt eine russische Wissenschafterin 1894 vier Hundewelpen so lange wach, bis diese starben. Auch an Menschen wurden «Schlafexperimente» durchgeführt, allerdings ohne tödliche Folgen. Meist handelt es sich bei den von Schneider beschriebenen Experimenten aber tatsächlich um bizarre Geschichten. So versuchte etwa ein amerikanischer Arzt 1907, das Gewicht der Seele zu bestimmen, indem er Menschen während des Sterbens wog. Man könnte meinen, dass dies kaum jemanden interessierte, aber die Meldung wurde damals in der «New York Times» abgedruckt. Ein anderes Beispiel ist der Arzt Sanctorius aus Padua, der um 1600 angeblich 30 Jahre auf einer Waage verbrachte, um jede Gewichtsänderung seines Körpers festzustellen. Sein Arbeitstisch, sein Stuhl und sein Bett alles hing an Seilen, die mit der Waage verbunden waren. Das Resultat der Versuche hielt Sanctorius in seinem Werk «De Statica Medicina» fest, das heute als Klassiker der Medizin gilt. Lukas Denzler
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Anhand von mehr als 100 skurrilsten Versuchen aller Art belegt der Schweizer Feingeist, wie viel Hirnschwurbelei auf dem freien Feld der Wissenschaft möglich ist. Genial." (Neue Vorarlberger Zeitung )
"Ein aberwitziges Vergnügen." (Schweizer Illustrierte )
"Schneider schreibt elegant und witzig. Und er hat akribisch recherchiert. Ein wunderbares Buch." (Westdeutsche Zeitung )
"Ein aberwitziges Vergnügen." (Schweizer Illustrierte )
"Schneider schreibt elegant und witzig. Und er hat akribisch recherchiert. Ein wunderbares Buch." (Westdeutsche Zeitung )
Kurzbeschreibung
Um die Welt zu begreifen, machen Forscher die ungewöhnlichsten Experimente. Einige Wissenschaftler haben damit Geschichte geschrieben, viele verloren dabei ihre körperliche oder geistige Unversehrtheit. Reto U. Schneider hat über 200 der verrücktesten Experimente recherchiert und beschrieben – Wissenschaftsgeschichte als unterhaltsam-spannendes Lesevergnügen.
Klappentext
"Über 100 außergewöhnliche Versuche, in schöner Ausführlichkeit und sehr unterhaltsam dargestellt."
Bild der Wissenschaft
Bild der Wissenschaft
"Humorvoll und unterhaltsam geschrieben. Mal befremdet es den Leser, mal entsetzt es ihn, und manchmal bringt es ihn auch einfach nur zum Lachen."
WDR 5
"Nun hat er die bizarrsten wissenschaftlichen Versuche aus den letzten paar Jahrhunderten ausgewählt und daraus einen Sammelband gemacht, aus dem jeder noch so ignorante Laie schlau wird."
FALTER
Über den Autor
Reto U. Schneider, geboren 1963, ist Redakteur bei NZZ-Folio, dem Magazin der Neuen Zürcher Zeitung, in der auch viele seiner verrückten Experimente als Kolumne erschienen. Der Wissenschaftsjournalist wurde für seine Artikel mehrfach ausgezeichnet. Mit dem ersten Band der „Verrückten Experimente“ landete er einen Bestseller.
Auszug aus Das Buch der verrückten Experimente von Reto U. Schneider. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Einleitung
Dieses Buch entstand aus Abfallprodukten. Wer als Wissenschaftsjournalist arbeitet, häuft zwangsläufig einen Stapel von Studien an, über die er schreiben will, wenn er einmal Zeit dazu hat. Natürlich hat er nie Zeit. Und selbst wenn Zeit wäre - das Sammelgut widerspricht allen journalistischen Kriterien: Entweder ist es uralt, grotesk unwichtig oder beides zusammen. Und trotzdem hat man, aus Gründen, die einem selbst schleierhaft bleiben, sein Herz daran gehängt.
Meine Leidenschaft sind ungewöhnliche Experimente, und mein Stapel sah schon seiner Entsorgung entgegen, als ich in NZZ-Folio, der Zeitschrift der Neuen Zürcher Zeitung, die Gelegenheit bekam, eine Wissenschaftskolumne zu verfassen, die sich nicht an der aktuellen Nachrichtenlage orientierte. Endlich konnte ich über den getürkten Mordversuch im Hörsaal schreiben, über das Lebenselixier aus Meerschweinchenhoden, über den Puls beim Orgasmus. Die Texte in NZZ-Folio, die einen Teil dieses Buches ausmachen, hatten bald eine feste Fan-Gemeinde. Leserinnen gaben mir Hinweise auf Tramper-Tipps, Leser wollten genauere Informationen über die Stripteaseversuche in Las Vegas.
Doch die Kolumne entschärfte die Lage in meiner Abfallbewirtschaftung nur vorübergehend, denn während meiner Recherchen stieß ich auf immer neue Versuche, die auf dem Stapel landeten. Durch die Spinnen im Weltall entdeckte ich die Spinnen unter LSD, durch die Autohupforschung die Anhalterforschung. So entstand die Idee für "Das Buch der verrückten Experimente". Ein Experiment ist nach Brockhaus "die künstliche Herbeiführung und Abwandlung von Beobachtungsbedingungen zur Gewinnung wissenschaftlicher Unterlagen". Verrückt ist ein Experiment dann, wenn ich es für verrückt erkläre. Das kann auf Grund der unterschiedlichsten Kriterien geschehen. Zum Beispiel wegen einer ungewöhnlichen Fragestellung: Wie beeinflusst die Einnahme von Drogen das Erleben eines Gottesdienstes? Wegen einer seltsamen Methode: die Fernsteuerung eines Stiers in der Arena. Wegen einer bizarren Erkenntnis: In einem Prozent der Fälle kommt es beim Geschlechtsverkehr zum Austausch von Schamhaaren.
In wissenschaftlichen Publikationen erscheint die Durchführung eines Experiments oft geradlinig: Die Forscher studieren des relevante Material, bilden eine Hypothese, entwerfen ein Experiment, das sie dann ohne größere Probleme in die Tat umsetzen. In Wirklichkeit, so erklärte mir ein Forscher, ist die Durchführung eines Experiments ein bisschen, als würde man in den Krieg ziehen: "Beim ersten Feindkontakt werden alle Pläne über den Haufen geworfen. " Für dieses Buch interessierten mich die offiziellen Publikationen genauso wie die inoffiziellen Schwierigkeiten bei der Durchführung der Experimente. Ich griff auf Hintergrundmaterial, unveröffentlichte Aufzeichnungen und Zeitungsartikel zurück und befragte die beteiligten Wissenschaftler persönlich, sofern das möglich war. Dabei bin ich auf Experimente gestoßen, die Ehen zerstörten und Karrieren beendeten, auf solche, die Schlagzeilen machten, und andere, die standhaft weitererzählt werden, obwohl sie nie durchgeführt worden sind.
Man kann dieses Buch wie jedes andere von vorne bis hinten durchlesen. Die Experimente sind chronologisch geordnet, sie beginnen im Mittelalter und enden in der Gegenwart. Ab Seite 281 finden Sie ein thematisch geordnetes Inhaltsverzeichnis, zudem wird in vielen Texten auf verwandte Experimente im Buch verwiesen. Sie können aber auch einfach blättern und sich von den Bildern zum Lesen verführen lassen. Jeder Text steht für sich. Die Jahreszahlen in den Überschriften geben an, wann ein Experiment durchgeführt worden ist. Wo sich das exakte Jahr nicht ermitteln ließ, habe ich mit Hilfe anderer Quellen das Jahr geschätzt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Dieses Buch entstand aus Abfallprodukten. Wer als Wissenschaftsjournalist arbeitet, häuft zwangsläufig einen Stapel von Studien an, über die er schreiben will, wenn er einmal Zeit dazu hat. Natürlich hat er nie Zeit. Und selbst wenn Zeit wäre - das Sammelgut widerspricht allen journalistischen Kriterien: Entweder ist es uralt, grotesk unwichtig oder beides zusammen. Und trotzdem hat man, aus Gründen, die einem selbst schleierhaft bleiben, sein Herz daran gehängt.
Meine Leidenschaft sind ungewöhnliche Experimente, und mein Stapel sah schon seiner Entsorgung entgegen, als ich in NZZ-Folio, der Zeitschrift der Neuen Zürcher Zeitung, die Gelegenheit bekam, eine Wissenschaftskolumne zu verfassen, die sich nicht an der aktuellen Nachrichtenlage orientierte. Endlich konnte ich über den getürkten Mordversuch im Hörsaal schreiben, über das Lebenselixier aus Meerschweinchenhoden, über den Puls beim Orgasmus. Die Texte in NZZ-Folio, die einen Teil dieses Buches ausmachen, hatten bald eine feste Fan-Gemeinde. Leserinnen gaben mir Hinweise auf Tramper-Tipps, Leser wollten genauere Informationen über die Stripteaseversuche in Las Vegas.
Doch die Kolumne entschärfte die Lage in meiner Abfallbewirtschaftung nur vorübergehend, denn während meiner Recherchen stieß ich auf immer neue Versuche, die auf dem Stapel landeten. Durch die Spinnen im Weltall entdeckte ich die Spinnen unter LSD, durch die Autohupforschung die Anhalterforschung. So entstand die Idee für "Das Buch der verrückten Experimente". Ein Experiment ist nach Brockhaus "die künstliche Herbeiführung und Abwandlung von Beobachtungsbedingungen zur Gewinnung wissenschaftlicher Unterlagen". Verrückt ist ein Experiment dann, wenn ich es für verrückt erkläre. Das kann auf Grund der unterschiedlichsten Kriterien geschehen. Zum Beispiel wegen einer ungewöhnlichen Fragestellung: Wie beeinflusst die Einnahme von Drogen das Erleben eines Gottesdienstes? Wegen einer seltsamen Methode: die Fernsteuerung eines Stiers in der Arena. Wegen einer bizarren Erkenntnis: In einem Prozent der Fälle kommt es beim Geschlechtsverkehr zum Austausch von Schamhaaren.
In wissenschaftlichen Publikationen erscheint die Durchführung eines Experiments oft geradlinig: Die Forscher studieren des relevante Material, bilden eine Hypothese, entwerfen ein Experiment, das sie dann ohne größere Probleme in die Tat umsetzen. In Wirklichkeit, so erklärte mir ein Forscher, ist die Durchführung eines Experiments ein bisschen, als würde man in den Krieg ziehen: "Beim ersten Feindkontakt werden alle Pläne über den Haufen geworfen. " Für dieses Buch interessierten mich die offiziellen Publikationen genauso wie die inoffiziellen Schwierigkeiten bei der Durchführung der Experimente. Ich griff auf Hintergrundmaterial, unveröffentlichte Aufzeichnungen und Zeitungsartikel zurück und befragte die beteiligten Wissenschaftler persönlich, sofern das möglich war. Dabei bin ich auf Experimente gestoßen, die Ehen zerstörten und Karrieren beendeten, auf solche, die Schlagzeilen machten, und andere, die standhaft weitererzählt werden, obwohl sie nie durchgeführt worden sind.
Man kann dieses Buch wie jedes andere von vorne bis hinten durchlesen. Die Experimente sind chronologisch geordnet, sie beginnen im Mittelalter und enden in der Gegenwart. Ab Seite 281 finden Sie ein thematisch geordnetes Inhaltsverzeichnis, zudem wird in vielen Texten auf verwandte Experimente im Buch verwiesen. Sie können aber auch einfach blättern und sich von den Bildern zum Lesen verführen lassen. Jeder Text steht für sich. Die Jahreszahlen in den Überschriften geben an, wann ein Experiment durchgeführt worden ist. Wo sich das exakte Jahr nicht ermitteln ließ, habe ich mit Hilfe anderer Quellen das Jahr geschätzt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.