Wahrer Sozialismus: Alle ziehen an einem Strang - gemeinsam sind wir stark. Aber leider: Je mehr Leute an einem Strang ziehen, desto weniger strengt sich der Einzelne an. Experimentell bewiesen - und zwar schon 1883. Der französische Wissenschaftler Max Ringelmann hat Menschen beim Tauziehen vermessen und herausgefunden: Je größer die Gruppe, desto fauler der Einzelne. Schon wenn acht an einem Strang ziehen, leistet jeder nur noch halb so viel, wie er könnte. In Gedenken an den Entdecker nennen Psychologen das bis heute den Ringelmann-Effekt -darauf muss man erst einmal kommen: zu messen, wie Tauziehen funktioniert.
Tatsächlich kommen auch brilliante Forscher auf scheinbar absurde Ideen: Sich Katzenmilben ins Ohr zu setzen. Sich als Gesunder in die Psychatrie einliefern zu lassen. Spinnen versuchshalber mit Drogen zu füttern. Im Hörsaal den Mord an einem Studenten zu simulieren. Alles im Dienste des Erkenntnisgewinns.
Der Schweizer Wissenschaftsautor Reto Schneider hat diesen Forschern ein Denkmal gesetzt - im „Buch der verrückten Experimente". „Verrückt ist ein Experiment dann, wenn ich es für verrückt erkläre", sagt der Autor ganz offen. Er hat eine ganz eigene Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Mit vielen alten Bekannten übrigens aus der Welt der modernen Mythen: Etwa die Geschichte vom Gewicht der Seele, vom Regenmachen per Flugzeug, oder von der traurigen Erkenntnis, dass wir fast alle bereit sind, zu foltern, wenn man es uns nur mit genug Autorität vorschreibt - wie der amerikanische Psychologe Stanley Milgram herausfand, und das kostete ihn seine Karriere.
Reto Schneider hat sich all diese Experimente etwas genauer angeschaut. Und wir erfahren: So verrückt ist es gar nicht, Sex im Kernspintomographen zu untersuchen oder Studenten im Gefängnis. Oder eben Tauziehen im Labor.