Der Auftakt zu Theweleits auf vier Bände angelegtem Opus magnum geht ein auf die Grundlagen: Wie und warum entsteht Kunst? Was wächst dabei, was wird geopfert? Das Buch gleicht einer Reise, die Theweleit unternimmt zu verschiedenen Psychoanalytikern (DeMause, Miller), durch verschiedene Bücher (Understanding Media, Aufschreibesysteme 1800 1900, Masse und Macht), auf der Suche nach Erklärungen. Eine Reise, die auch in die eigene Vergangenheit führt: Ein großer Teil des Buches bezieht sich auf selbst erlebtes, viele Freunde sind mit ihrer Kritik und Zustimmung mit in das Buch eingegangen. Außerdem treten auf: Dante, Kafka, Rilke, Benn, Hamsun, Goethe. Es ist ein übervolles Buch geworden, das alles aufnimmt und sich weigert, es in eine Struktur zu pressen. Trotz allem ist es kein wirres, geschwätziges Buch. Das Kapitel "Schwierigkeiten mit der Geschichte", das um die Zurechtlegung der eigenen Herkunft, des eigenen Lebens kreist (und darin konkret der Teil "Totensonntag" über revolutionäres Erwachen mit Elvis im Nachkriegsdeutschland) ist so klar und genau, daß man erschrickt beim Lesen (seiner eigenen Gedanken). Abseits der universitären Wissenschaft entwickelt Theweleit einen wunderbaren Garten der Theorien, in dem alles seinen Platz hat, nur lose gruppiert um den zentralen Orpheus-Kunstproduktions-Mechanismus, den er auch beschreibt. Ich jedenfalls habe mit diesem Buch, wie ich glaube, einen schärferen Blick bekommen für die Quellen, aus denen einige ihr Leben speisen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)