"Alle große Kunst gruppiert sich um einen linken Kern", dekretierte Alfred Andersch vor fünftig Jahren: Ein Wunschdenken der jungen Bundesrepublik (und noch mehr der DDR). Was aber, wenn das Kunstempfinden gerade bei politisch eher zweifelhaften Personen ausschlägt: bei Benn, der sich öffentlich für Hitler einsetzte, bei Hamsun, der Goebbels seinen Literaturnobelpreis schenkte, bei Celine, bis zu seinem Tod 1962 bekennender Faschist und Antisemit, bei Pound, der sich als Berater Mussolini andiente? Andererseits, der rasch gezogene Umkehrschluß: Expressionismus führt zu Faschismus, Ästhetizismus führt zu Faschismus, ist ebenso unbefriedigend. Das Verhältnis von Kunst und Macht scheint komplexer zu sein. Theweleit, Chronist der Moderne, beschäftigt sich in diesem Band des "Buches der Könige" hauptsächlich mit Gottfried Benn und anderen, die (zweitweise) zu Faschisten mutierten. Das hohe Niveau der Psychologie sowie die Breite der Assoziationen sind fesselnd. Der zweite Teil des Bandes widmet sich Amerika: Elvis und Warhol. Ihren Arten, damit umzugehen, daß sie Herrscher in einem Kunststaat waren. Elvis' Wirken als FBI-Ermittler, Warhols Erlösung im Seriellen. Theweleit berichtet alle jene Geschichten, die sonst gerne unter den Tisch fallen oder umgeschrieben werden. Er schreibt keine Polemik, er geht seinen geistigen Wurzeln nach. Auch wenn er meist persönlich bleibt, den Untertönen der Texte nachspürt, treffen seine Analysen oft gesellschaftliche Entwicklungen (in der Art Deleuzes, McLuhans oder DeMauses). angesichts der substanzlosen aber erbitterten Zeitungsdebatten gerade über die oben genannten ist es erstaunlich, daß man ein derart ruhiges, riesiges Buch über das Thema Kunst und Macht schreiben kann. "Wer zwei Paar Hosen hat, sollte eines versetzen, um sich dieses Buch zu kaufen" (Lichtenberg) (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)