Das Buch gliedert sich in mehrere unterschiedliche Teile.
Der erste Teil befaßt sich mit der Bekleidung von Männern und Frauen in der Zeit von Bronze- und Eisenzeit, sowie der Männerkleidung vom 9.-15. Jahrhundert. Hier wurden die Texte größtenteils anhand von Zeichnungen von Martin Baumeister illustriert.
Bis hierher kann man dem Buch durchaus noch 2 Sterne zugestehen - man darf natürlich nicht allzu verwöhnt sein und die "Geschichte des Kostüms" von Erika Thiel als Vergleich heranziehen.
Den Abschluß macht eine Abhandlung über die Materialkunde sowie zum Thema Schuhmode und Lederverarbeitung anhand des Beispiels einer Gürteltasche.
Auch hier bleibt das Buch aufgrund der Kürze zwangsläufig fachlich oberflächlich und anhand der schematischen Schnitte allein wäre es nicht möglich, ein funktionsfähiges Werkstück zu arbeiten.
Es wäre ratsam, sich weitere Informationen zum Thema Schuhbau durch entsprechende Fachliteratur zu beschaffen oder einfach mal im Internet zu recherchieren.
Was bei diesem Buch zur totalen Abwertung führt, ist der mittlere Teil, der sich mit der Damengewandung auseinandersetzt.
Die Zeichnungen hierzu sind schlichtweg indiskutabel. Hierzu ist zu bemerken, dass die Autorin Xenia Krämer diese Illustrationen und auch Schnittschemata selbst angefertigt hat (sorry, aber wahrscheinlich mit einem dicken Edding auf großen Blättern, die dann einfach solange kleiner kopiert wurden, bis sie zwischen die Texte paßten).
Diese Zeichnungen sind nicht nur ungenau, sondern auch ungelenk gezeichnet und von einer kindlichen Naivität. Ein Student hätte für eine derartig illustrierte Semesterarbeit eine schlechte Note bekommen - hier wird das Buch jedoch teuer an ahnungslose Einsteiger in das Thema verkauft!
Die Schnittschemata sind eher verwirrend als hilfreich. Dass sie auf der Umschlagrückseite als "fast 100 Schnittmuster" bezeichnet werden, erinnert an Etikettenschwindel.
Nähanfängern ist mit diesem Buch nicht geholfen, erfahrenere Hobbyschneider schütteln einfach nur den Kopf.
Anhand dieser Schemata ist es nicht machbar, ein Gewand zu schneidern, das auch tragbar und funktional ist.
Insofern bekommt dieser Abschnitt MINUS 3 Sterne, denn es wird von der Autorin wissentlich in Kauf genommen, dass jemand teuren Stoff und seine Zeit damit verschwendet, den Murks mangels besserer Information nachzuarbeiten.
Ein Rat an potentielle Käufer: Nehmen Sie, falls Sie funktionierende Anleitungen, zeitlich genaue Datierungen von Kleidungsformen und ein wesentlich besser illustriertes Buch suchen, lieber gleich die beiden Bücher von Wolf Zerkowski.
Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen.Grundausstattung für den Mann
bzw. den zweiten Band: Grundausstattung für die Frau.
Beide Bücher sind über Amazon.de erhältlich.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wesentlich besser, und vor allem ist der Autor bekannt dafür, dass die dort angegebenen Schnittmuster und Techniken im Reenactment-Einsatz und in musealer Arbeit mehrfach erprobt sind.