Eines hat Mark Lanegan bei den Queens mit Sicherheit dazu gelernt. Nämlich dass eine größere Zahl an kreativen Gästen für die Vielfalt einer Platte durchaus von Vorteil sein kann. Jetzt aber die Gästeliste für "Bubblegum" runter zu kauen, verbietet der gesunde Menschenverstand, dass unter anderem aktueller und ehemaliger Steinzeitadel beteiligt war, versteht sich von selbst.
Nach dem ruhigen, noch in Bodennähe verharrenden Einstieg "When Your Number Isn't Up" wird mit dem großartigen Duett mit der verzaubernden PJ Harvey "Hit The City" auch schon ein wichtiges Grundelement dieses hervorragenden Albums vorgegeben: Bestechende Lässigkeit, wie sie schon lange nicht mehr durch den Äther daher rauschte. Lanegan verzieht beim Singen wahrscheinlich nur den rechten Mundwinkel, denn im linken steckt immer eine seiner Fluppen, die er sich täglich in übermäßiger Anzahl zum Stimmbänderstreicheln durch die Kehle quält.
Der bereits von seiner letzten EP bekannte "Metamphetamine Blues" wird mit seinen verstörenden Metallverarbeitungsgeräuschen und den verzerrten Gesängen seinem Namen ehrenhaft gerecht. Lanegan beweist, dass Ohren auch mit Schleifpapier gesäubert werden können.
Gemeinsam mit Chris Goss und unter spärlicher Instrumentalisierung durchschreitet Lanegan die Prärie "One Hundred Days" lang auf der Suche nach musikalischer Askese, die er mit "Bombed" gnadenlos auf die Spitze treibt. Kann dieses gut einmütige Duett, ein Songskelett so aufwendig wie eine nackte Glühbirne als Deckenlampe, heutzutage überhaupt noch begeistern? Und wie es das kann, immer wieder wird man den Player diesen kurzen, mit geschlossen Augen vernommenen Hauch noch ein weiteres Mal zu spielen veranlassen.
Um daraufhin nicht gleich mit dem ganzen Körper gegen die Zimmerwand geschmettert zu werden, schließt sich das wunderschön melancholische "Strange Religion" an.
Danach rockt "Sideways in Reverse" geradlinig ohne Hoch- und Tiefpunkte, gefolgt vom schwermütigen "Come To Me", ein weiteres Tränen in die Augen treibendes Stück mit PJ Harvey.
Eine kurze Beschreibung für "Like Little Willie John"? Coolness pur. Mark Lanegan sitzt fern jeglicher Klischees im Saloon und singt über die Liebe, die Westerngitarre kommt hinzu, der Hörer setzt die Sonnenbrille auf und nickt.
"Can't Come Down" und der "Death Valley Blues" veranlassen wieder zu Psychosen und die Desert Sessions lassen grüßen, "Head" besticht mit spritzigem Midtempo und verzerrter Begleitung.
Und dann ist man wirklich "Out Of Nowhere", die Orientierung fehlt, kann die letzten 50 Minuten nicht richtig einordnen, sitzt neben Mark Lanegan schweigend in der Landschaft und irgendwo von der Palm Desert her scheint ein uns sehr bekannter Blondschopf zu winken, zum nochmaligen Kauen veranlassend, auf dass wir weitere, bisher verborgene Geschmacksrichtungen auf der Zunge spüren.