Bubble Gum ist Lolita Pilles zweites Buch und ist– auch wenn es geradezu grotesk klingt, dies über das Werk einer 24-Jährigen zu behaupten – ein Stück gereifter als „Pradasüchtig“. Lolita Pille, selbst in den höhere Kreisen der Pariser Gesellschaft aufgewachsen, schöpft auch in ihrem zweiten Buch aus ihrer Erfahrung mit den berühmten Schattenseiten der glitzernden Welt der Reichen und Schönen. Zum zweiten Mal möchte sie dem Leser unmissverständlich klar machen, es ist nicht alles Gold was glänzt; der reife, von der Sonne verwöhnte Apfel ist innen faul, hohl und madig. In ihrem ersten Buch „Pradasüchtig“ war es die Liebe zweier Schickeria-Sprösslingen, die auf dem verbrauchten Boden der noblen Gesellschaft nicht gedeihen konnte. Zwei junge Menschen waren derart ausgesaugt von der materialistischen Wertewelt, so dass für ihre große Liebe keine Gefühlsbasis mehr vorhanden war.
Nun wird Lolita Pille konkreter: Aus der Wut auf die Arroganz der Snobs kreiert sie Derek, ein ultrareicher Erbe eines Modeimperiums, eltern- und seelenlos, maßlos in seiner Unmoral. Alles ist erlaubt, denn alles kann er sich erkaufen, doch genau darum ist sein Leben ja so ätzend. Sex- und Drogenorgien, Partys auf der ganzen Welt, Konsum-Hype, nichts ist unmöglich und alles hat er schon gehabt. Seine Langeweile gepaart mit dem Glauben, Geld reißt jede Grenze ein, entwickelt sich zu einer teuflischen Kreativität und er beschließt eine Existenz zu zerstören. Die Gelegenheit lässt nicht lang auf sich warten, auf einer Party streift Manon sein Leben: Ihr Pech! Ein naives, junges und schönes Mädchen, die den Traum von Millionen Teenies träumt: Einmal ganz oben zu stehen, begehrt und berühmt zu sein. Ach wenn sie doch nur wüsste! Devil Derek hat ein nur allzu leichtes Spiel mit ihr. Bringt sie ganz groß raus, katapultiert sie dahin, wohin offenbar jeder hin will, an die Spitze.
Und an dieser Stelle wird es leider allzu klischeehaft: Mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der Manon zum Star aufsteigt, erkrankt sie auch an den auch so typischen Starallüren, wird zickig und unausstehlich. Und Derek ergötzt sich daran, fühlt sich bestätigt: Alle werden so, ist ihr Verstand erst einmal von der dünnen, vergifteten Luft an der Spitze der Oberen vernebelt. Nur zu leicht wurde Manon Dereks Spielzeug, naiv folgt sie seinen Verlockungen wie ein kleines Kind, das man einen Lutscher vor die Nase hält. Und hier wird auch Manon höchst unsympathisch und der Leser ahnt, das nimmt ein schlimmes Ende. Manons Protege lässt sie schließlich fallen, sie erwacht in ihrem alten Loser-Leben. Nah an der Schizophrenie, stürzt Manon ab.
Leider wieder eine Wendung aus der klischeehaften Welt der jungen Autorin. Manon prostituiert sich, wirft ihr letztes bisschen Würde über Bord und glaubt auch noch, ein Recht dazu zu haben, denn mit niemand anderen hat es das Leben ja so schlecht gemeint.
Doch zum Ende nimmt die Geschichte eine rasante und spannende Wendung, wird unwirklich und abgedreht. Dass der Roman fern der Realität endet, ist verzeihlich, denn es ist Lolita Pilles Kalkül, mit dem sie noch einmal ganz klar sagen möchte: Da oben zählt nur die Show.
Das Buch ist absolut lesenswert! Lolita Pille ist ein großes Talent. Der Stil, die Geschichte aus zwei herrlich unverblümten und darum so authentisch klingenden inneren Monologen zu entwickeln, macht die eigenwillige Geschichte zu etwas Besonderen. Die Klischees und mitunter allzu zackigen Wendungen sind zwar auffällig, stören aber nicht den Lesegenuss.