Als der Diogenes Verlag vor beinahe 20 Jahren die Venedig-Krimis von Donna Leon veröffentlichte, konnte wohl niemand ahnen, dass sich hier eine ganz besondere Erfolgsgeschichte anbahnte: Hier waren erstmals der (Sehnsuchts-)Ort der Handlung und der ermittelnde Kommissar wichtiger als die eigentliche Krimihandlung.
Allen Lesern, die sich mit der Lektüre eines Kriminalromans in Urlaubsstimmung versetzen lassen möchten und allzu blutige Szenarien scheuen, bietet Diogenes nun eine Alternative zu Venedig.
"Bruno Chef de Police" spielt in einem malerischen Dorf im Perigord und eben jener Bruno ist ein echter Sympathieträger:
Alleinlebend auf einem alten Gehöft, freundlich und respektiert, ist sein beruflicher Alltag eher beschaulich.
Der Tod Hamids jedoch bringt die Idylle ins Wanken.
Wer hatte mit dem alten Mann, dessen Familie nun schon in dritter Generation im Dorfgeschehen etabliert ist, noch eine Rechnung offen?
Kaum vorstellbar, dass dieser zurückhaltende und freundliche, allseits akzeptierte Mitbürger Feinde hatte.
Bruno darf seine Ermittlungen nicht alleine führen, gemeinsam mit einer Kriminalbeamtin macht er sich an die knifflige Ermittlungsarbeit, die ihn schließlich tief in die französisch-algerische Geschichte führt...
Martin Walker lässt sich Zeit. Sein Held Bruno ist ein bedächtiger Mensch, der jedoch nach und nach Hamids nicht ganz makellose Vergangenheit ans Licht bringt.
Ihm gelingen wunderschöne Landschaftsschilderungen, sinnliche Beschreibungen der französischen Küche und Lebensart und im Laufe des Romans schließt man außerdem Bruno wirklich ins Herz.
Ein Kriminalroman, der geschaffen ist für den Liegestuhl.
Nicht aufregend, aber sehr angenehm unterhält er den Genussleser!