„Der (Freimaurer-) Orden ist ein einzigartiges kulturelles, philosophisches soziales und politisches Phänomen", so der Verfasser, und weiter „ein Mensch kann den Orden verlassen, er kann ihn leugnen, ihn verraten, in sich aber kann er seine Initiation nicht abtöten" (S. 93). Man kann Mozarts Zugehörigkeit zur KK nicht hoch genug einschätzen, auch wenn dies vielfach unerwünscht ist, so wurde doch über eineinhalb Jahrhunderte sein Zugehörigkeit zum Orden ignoriert, banalisiert, verschleiert, verharmlost, verschwiegen. Es wäre natürlich töricht Mozart nur als Freimaurer zu sehen, aber ebenso unehrlich ist es seine Zugehörigkeit nicht in Beziehung zu seinem Leben und zu seinem Werk zu setzen. „Er war vom Grunde seines Herzens und seines Verstandes aus Freimaurer, und das ehrt die Maurerei", wird gewürdigt. Dem ist wenig hinzuzusetzen. Interessant ist, daß in diesem neueren Werk sauber die Zugehörigkeit der Loge „zur gekrönten Hoffnung" zum Zinnendorfschem System herausgearbeitet wird. Mozart war also „nicht nur" Freimaurer im weiteren Sinne, sondern Bruder einer christliche orientierten Großloge. Die Geschichte der Freimaurerei wird am Anfang des Buches mit vielen Strömungen aufgerissen, die merkwürdige Haltung Josephs II. als eines „aufgeklärten Despoten" beleuchtet. Der Untertitel ist voll gerechtfertigt, Mozart wird in das Umfeld seiner Zeit und seiner Brüder hineingestellt. Seine Musik wird als Verbundenheit zum Orden gedeutet, zum Teil unter völlig neuen Blickwinkeln, wie die Einbeziehung der drei letzten großen Symphonien. Auch das Requiem wird in einen bisher, zumindest dem Rezensenten unbekannten, Kontext gestellt. Daß die drei Kreuz Tonart A-Dur und die drei b Tonart Es-Dur von Mozart, nach seiner Aufnahme, bewußt als freimaurerisch gewählt wurden, weiß man noch, daß er jedoch weiter ging und F-Dur (mit einem b) dem Lehrlingsgrad und B-Dur (mit zwei b) dem Gesellengrad zuordnet ist zumindest ein interessanter Beitrag. Die maurerisehe Trauermusik sollte besser maurerisehe Meistermusik heißen, meint der Verfasser, dem mag man nach Lesen seiner Argumente gerne folgen. Mit Vorurteilen über Mozarts Tod und seine Beerdigung wird gründlich aufgeräumt, weitergehend als bei Hildesheimer (1). Mythen und Legenden, Irrtümern und Spekulationen, Verleumdungen und Verdächtigungen geht Wagner nach und entkräftet diese. Mozart als Mensch seiner Zeit war gewiß auch kein Kind von Traurigkeit und kein Heiliger, jedoch einer der größten Komponisten aller Zeiten, dessen Musik ohne Freimaurerei nicht in dieser Weise denkbar wäre. Es gefällt ferner ein ausführliches Literaturverzeichnis, verbunden mit Literaturempfehlungen denen man folgen mag, oder nicht. Weiter wertvoll ist ein Verzeichnis der Musikeinspielungen freimaurerischen Inhalts, wertvoll für jeden der Mozarts Werk liebt. Der komplette Text zu den Maurermusiken rundet das Buch ab. Vorliegender Band ist empfehlenswert für jeden Musikliebhaber.
Dr. Theodor Sand
1) Hildesheimer W., Mozart, Frankfurt 1980, Suhrkamp