Irgendwie wird dieses Buch, das ansonsten völlig den Geist der späten 60er und frühen 70er Jahre atmet, plötzlich wieder aktuell. Um den heiligen Franz von Assisi geht es hier, der Roman verlegt dessen historische Existenz in die Gegenwart (obwohl diese heute schon wieder als Vergangenheit erscheint - der Roman ist 1975 veröffentlicht worden). Ein junger, talentierter Mann entscheidet sich, seine wohlhabende Familie zu verlassen, allen Besitz aufzugeben und in den Bergen ein einfaches Leben ohne Ansprüche im Einklang mit der Natur zu führen. Und merkwürdigerweise ist gerade das anziehend für viele Menschen in seiner Umgebung, so dass er zum Zentrum einer Bewegung wird.
Erzählt wird das alles aus der Perspektive eines Reporters, der über die merkwürdigen Vorgänge in der Provinz berichten soll, die Ideen zu Beginn für verrückt hält, dann aber auf Bekannte und Anhänger des charismatischen, jungen Mannes trifft, die sein Weltbild langsam ins Wanken bringen. Aus der Nähe betrachtet, scheint das mit dem Aussteigertum doch zu funktionieren. Allerdings kommt der Reporter dem eigentlichen Zentrum der Bewegung nicht richtig nahe. Seine Informationen sind aus zweiter Hand. Das Treffen mit dem Heiligen im Werden bleibt das große Geheimniss, welches nicht erzählt wird.
Kommt jetzt das Leben in Kommunen wieder in Mode? Nein, das nicht. Dazu haben andere Autoren nach Rinser vieles geschrieben, und man kann diese wohl so zusammenfassen, dass Menschen ihre Probleme eben doch in die Kommunen mitnehmen und dort weiter pflegen. Immer allerdings, wenn Merkel oder andere Politiker von der Unabwendbarkeit von polititischen Maßnahmen, der Machtlosigkeit gegenüber den Kapitalmärkten und ähnlichem sprechen, muss ich dann doch an dieses Buch denken. Kein Lebensstil ist alternativlos. Und selbst wenn wir uns mal keine Fernseher mehr leisten können, wird das Leben dennoch weiter gehen. Ich persönlich hoffe allerdings, außerhalb einer Kommune. Und wenn weiterhin guter Rotwein hergestellt wird, würde mich das auch sehr freuen.