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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Verantwortung des Individuums,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Bruder Eichmann - Schauspiel und Materialien (Taschenbuch)
Heinar Kipphardt ist einer der bedeutendsten Vertreter des sogenannten dokumentarischen Theaters, der Zuschauer wird dabei mit einer Welt konfrontiert, in der Authentisches und Fiktives innig miteinander verflochten sind. Das Stück "Bruder Eichmann" stellt die Figur des Organisators des Genozids an den europäischen Juden, Adolf Eichmann, uneingeschränkt in das Zentrum der Betrachtung. Eichmann, der die Judendeportation als sogenannter Schreibtischtäter nicht nur verwaltet, sondern wohl auch maßgeblich vorantreibt, flüchtet nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien und führt dort über eine Dauer von 15 Jahren ein unauffälliges Leben. Im Jahre 1960 wird Eichmann dann vom israelischen Geheimdienst Mossad gefasst und nach Israel gebracht. Dort wird er nach intensiven Verhören am 31. Mai 1962 hingerichtet. Die Protokolle und die Tonbandaufzeichnungen dieser Verhöre dienen dem Schauspiel als Basis; alles das, was Eichmann auf der Bühne sagt, ist diesen Notizen entnommen, wenngleich teilweise stark verdichtet. Beeindruckend und abstoßend zugleich, wie sich der Protagonist selbst belastet, die Diskrepanz zwischen der Realität und der eigenen Wahrnehmung, letztendlich auch zwischen dem gesprochenen Wort und dem dahinter stehenden Gedanken. All dies mündet in der absurden und zynisch anmutenden Selbstaussage Eichmanns, er sei nie Antisemit gewesen, habe Juden niemals persönlich gehasst - die Grauen der Vernichtungsmaschinerie habe er niemals ertragen können und zu keiner Zeit unterstützt. Eichmann erfüllt, so sagt er selbst, nur seine Pflicht. Alle Verantwortung für die grausamen Geschehnisse weist er weit von sich. Und in diesem Aspekt liegt die Modernität und die Stärke des Schauspiels von Kipphardt. Denn über die Darstellung der konkreten und in ihrem Grad der Barbarei auch ganz singulären historischen Situation hinaus wird Eichmann pars pro toto als die Figur des ich-schwachen, des blind gehorchenden Mittäters greifbar, dem jede Form der Reflexion und der Kritik fremd ist. Wer ihn in all seiner Unbeholfenheit sieht, der weiß, warum Hannah Arendt in diesem Zusammenhang von der "Banalität des Bösen" sprach. In aller Dringlichkeit wird die Frage aufgeworfen, in welchem Verhältnis Befehl und Gehorsam stehen dürfen, implizit wird aufgezeigt, dass das Gewissen in einer Zeit der Diktatur zur einzig legitimen gesetzgebenden Instanz werden muss - anderenfalls wird der sture Bürokrat zum Massenmörder. Gleichzeitig ahnt der Betrachter nicht ohne Erschrecken, wie schwer es sein kann, dem Gewissen zu folgen. Aktualität, Modernität oder letztendlich gar Zeitlosigkeit erreicht das Schauspiel durch das durchdachte Einbinden von Analogie-Szenen, in denen Kipphardt auf einer anderen Ebene ein Verhalten aufzeigt, das dem von Eichmann verkörperten durchaus entspricht. Dem Prinzip der Collage folgend, evoziert Kipphardt Situationen, in denen sich Menschen ebenfalls als letzte Instanz dem Gebot der Menschlichkeit und der Verantwortung zu stellen haben - und sie alle versagen: ein amerikanischer Bomberpilot im Vietnamkrieg, ein Gentechniker und viele andere. In diesem Sinne formuliert Hauptmann Chass, Vertreter des israelischen Geheimdienstes, die zentrale Erkenntnis des Werkes: »Das Monster, es scheint, ist der gewöhnliche funktionale Mensch, der jede Maschine ölt [...] .«
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4.0 von 5 Sternen
deutsche Geschichte spannend erzählt,
Rezension bezieht sich auf: Bruder Eichmann (Gebundene Ausgabe)
Bruder Eichmann von Heinar Kipphardt habe ich erst nach meiner Schulzeit gelesen,es ist als Theaterstück,bzw als Gespräch zwischen Eichmann,der im Jüdischen Gefängniss sitzt,und seinen Verhörern aufgezogen.Das Buch stellt spannend die deutsche Geschichte zur zeit des 3.reichs,in den KZs und den Verwaltungsebenen der Nazis,durch einen Augenzeugen dar.
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